Torquay - Newquay
Nach einem gemütlichen Frühstück mit Lachs und Rührei, wiederum im Kreise meist Gleichaltriger, saß ich noch draußen vor dem Hotel, um meinen Kaffee bei der Morning-Start-Zigarette zu Ende zu trinken. Eine british Lady gesellte sich zu mir und wir unterhielten uns über das Wetter, über Land’s End und John O’Groats am nördlichsten Ende der britischen Insel, das ich vergangenes Jahr auf meiner Schottlandtour besucht hatte, sowie über das deutsche Sprichwort „Wenn Engel reisen…“, das sie im Zusammenhang mit gutem Wetter und Deutschland immer anbringt, wie sie mir erzählte. Was hat sich die Dame gefreut, als ich ihr bestätigte, dass das ein echtes deutsches Sprichwort ist! Sie war sich nämlich nicht sicher gewesen.
Gegen halb zehn begab ich mich auf die Reise in Richtung Cornwall und hatte für meinen ersten Stopp einen Royal Enfield-Händler eingeplant: Macpherson Motorcycles in Plymouth. Die verkaufen nicht nur Motorräder zahlreicher Marken, Ersatzteile und Merch, sondern haben auch ein sehr nettes großes Café, in dem sich Biker treffen. Auf der Fahrt dorthin überlegte ich mir, dass ich ja mal fragen könnte, ob sie Beläge für die Hinterradbremse meines Motorrads vorrätig haben. Meine Werkstatt hatte mir ja nach der Inspektion vor der Abreise mitgeteilt, dass die nur noch für 500 Kilometer gut sind und ausgetauscht werden müssen, sie diese aber nicht vorrätig haben und bestellen müssen, was dauern kann. Das war allerdings einen Tag vor Abfahrt, also ein bisschen spät, um darauf zu warten. Wie es der Zufall will hatte Macpherson die Dinger auf Lager, aber keine Kapazitäten zur Montage. Und weil ich das selbst noch nie gemacht hatte war mir das zu gefährlich und ich kaufte sie nicht.
Stattdessen setzte ich mich mit einem erstaunlich guten Cappuccino draußen vor das Café und prüfte die Wettervorhersage. Ein Streifen Regen sollte von Südosten quer über meine Fahrtroute fliegen, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als ich weiterfahren wollte. Das tat ich auch, wurde ein bisschen nass, aber nach wenigen Kilometern war der Spaß schon wieder vorbei. Also kein Drama.
Nach einer weiteren guten Stunde Fahrt wollte ich mir das Eden Project anschauen. Leider verlor mein Navi wenige Kilometer davor die Satellitenverbindung, sodass ich erst zu weit gefahren bin, umdrehte, weit zurückgefahren und schließlich mit neuer Verbindung und über eine winzige Single Track-Road dort hin gelangt bin. Sehr beeindruckend, das. Allerdings brezelte es dermaßen, dass ich nach nicht allzu langer Pause weiterfuhr, meiner endgültigen Destination entgegen.
Auch in Newquay musste ich ein paar Schleifen drehen, bis ich auf den Parkplatz des Griffin Inn gelangte. Check-in ging schnell, Gepäck aufs Zimmer gebracht und erst mal ein wohlverdientes Arrival-Beer bestellt. Aah, tat das gut! Allerdings hat es mich auch dermaßen umgehauen, dass ich nach der Dusche erst mal einen Powernap einlegte.
Vor dem Betreten meines Zimmers mit Blick auf das Meer und den Aldi nebenan hatte der Herr noch eine analoge Hürde für mich parat. Nach all den elektronischen Schlüsselkarten gibt es hier nämlich wieder einen tatsächlichen Zimmerschlüssel. Im Unterschied zu der Bedienung in Deutschland muss dieser mit dem Bart nach oben ins Schloss im Drehknopf (keine Klinke) gesteckt werden und in Richtung des Riegels gedreht werden, damit die Tür sich öffnen lässt. Natürlich machte ich erst mal alles falsch, nämlich genau andersrum, wie von zuhause gewohnt, und fummelte eine Weile an der Tür herum, bis ich ins Zimmer hineinkam. Abschließen geht dann wieder wie aufschließen in Deutschland. Ich glaube mich zu erinnern, dass das in den USA genauso funktioniert. Hach, die Welt mache mich manchmal ganz Karussell in meine kleine Kopp.
Nach der Ruhepause schaute ich mich noch ein wenig in Newquay um, wo die Saison so langsam Fahrt aufnimmt, wie mir die Wirtin anvertraut hatte. Wegen des guten Wetters und des langen Pfingstwochenendes.
Im Scheine der untergehenden Sonne nahm ich später mein Abendessen, das „Curry of the Day“, auf der Terrasse ein und ließ mich vom mittlerweile sehr frischen Wind ordentlich durchpusten. Weil ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte war ich so hungrig, dass ich völlig vergessen habe, ein Foto davon zu machen. War jedenfalls lecker und auch sehr nett präsentiert.
Fazit des Tages: Immer noch keine Fahrvideos, aber weiterhin knapp unter 30°. Die Dusche unterwegs auf dem Motorrad und später im Hotel hat gut getan. Bedauerlicherweise ist die Besichtigung interessanter Einrichtungen in Motorradklamotten bei diesen Temperaturen quasi unmöglich, und die Fußwege dort sind auch nicht gerade kurz.