Newquay - Lizard Peninsula - Newquay
Der Tag heute begann wie der gestrige: Bewölkter Himmel, durch den sich die morgendliche Sonne nur mühsam hindurchkämpfte. Dann allerdings wurde es schön und warm.
Die gute Stunde Anfahrt zum südlichsten Punkt der britischen Inseln, der Lizard Peninsula, gestaltete sich ereignislos, zunächst über gut ausgebaute Straßen, die letzten Kilometer über Single Track Roads stellenweise spannend, weil eng und ab und zu mit Gegenverkehr. Kurz vor Erreichen der Halbinsel schlüpften zwei Motorradfahrer links aus dem Gebüsch und fuhren bis zum Endpunkt dieser Etappe vor mir her. Wie sich herausstellen sollte waren es zwei Autochthone auf ihren Royal Enfields, einer Interceptor 650 und einer Himalayan 450. In Lizard parkten wir nebeneinander und unterhielten uns gut 20 Minuten über die Motorräder, über Reisen damit und darüber, was man sonst noch so macht. Die beiden Herren in fortgeschrittenem Alter – vulgo Gleichaltrige – waren ihren Worten nach mit ihren kleinen Maschinen unterwegs. Nur mit den großen unternähmen sie lange Reisen, berichteten sie. Ihrem Tipp, noch ein paar Meter weiter zu einem schönen kleinen Café mit herrlichem Blick zu fahren, folgte ich gerne.
Dort war schon großer Auflauf, viele der Touristen mit Kindern und Hunden hatten sich dort – es war noch vor Mittag – bereits zum Lunch breitgemacht. Mit meinem Cappuccino setzte ich mich einfach dazwischen und genoss die Aussicht.
Wenige Schritte vom Wavecrest den Berg hinunter bis zur Klippe, die das Ende der UK darstellt, waren schnell gemacht. Auch eine kurze Ansprache dazu hielt ich in die Kamera; leider waren das Geschnatter um mich herum und der Wind so laut, dass die Aufnahme nicht zu verwenden war, weil man praktisch kein Wort verstand. Mistikack! Wenigstens hatte ich vorher schon das Lizard Lighthouse, den Leuchtturm am Ende der britischen Welt, fotografiert.
Über Cadgwith und Penryn ging es dann wieder nach Norden bis zum The Pandora Inn in Falmouth, einem 800 Jahre alten Pub. Das innere des Schank- und Gastraumes ist gefühlt nur einen Meter fünfzig hoch und ich bewegte mich dort für meine Bestellung gebeugt und mit eingezogenem Kopf (Mind your head!) wie ein Leibeigener zu Zeiten des damaligen Königs. Die Soup of the Day war eine scharfe, aber wenig gewürzte Kürbissuppe, zu der ich einen Fancy Drink mit Blackberry-Sirup bestellte. So saß ich draußen in der Sonne, genoss mein Mittagessen und lauschte dem Gemurmel der zahlreichen Gäste. Ein sehr friedliches Fleckchen mit massig Geschichte, wie die Informationstafel direkt gegenüber meines Tisches verriet.
Über winzige Straßen, die meist von Bäumen tunnelartig überwachsen waren, machte ich mich nach einer knappen Stunde des Müßiggangs am Ufer der Restronguet Passage auf den Rückweg nach Newquay, wo ich gegen 16 Uhr wieder im Griffin Inn eintraf. Was ich bisher noch gar nicht erwähnt hatte: Im Gastraum laufen hier den ganzen Tag über mehreren Monitoren Musikvideos aus den 1970er Jahren auf einem skurrilen TV-Sender. Gerade eben, als ich mir mein Feierabend-Carling an der Bar abholte, waren die drei BeeGees von 1975 dran. Schön schräg! Hach, was waren wir jung damals, und die Zukunft war noch geiler.
Fazit des Tages: Die Speicherkarte für meine Actioncam im Hotel vergessen musste ich meine Ansage an der Lizard Peninsula alternativ aufnehmen, was prompt in die Hose ging. Immerhin gibt es ein kleines Fahrvideo mit English Folk Music (Danke an Rolf für den Hinweis) und ein paar Bilder. Die Enfield-Fahrer waren lustig und ganz offensichtlich erfreut, einen solchen aus Deutschland zu treffen. Das Wetter hat gehalten, aber wir wissen ja: If you don’t like English weather, just wait five minutes. Und die teilweise auf den Streckenkarten angegebenen Fahrzeiten kann man durchaus verdoppeln.