Newquay - Land’s End - Newquay
Nachdem über Nacht die Temperatur um mindestens zwölf Grad gefallen und heute morgen ein kleiner Schauer vorübergezogen war machte ich mich auf den Weg zum „Ende der Welt-Punkt“ dieser Reise, nach Land’s End.
Es ging erst einmal über gut und weniger gut ausgebaute Straßen mit doch schon ordentlich Verkehr in Richtung Südosten, und nach einer guten Stunde war ich schon da. Mystische Stimmung empfing mich, fast die in einem englischen Fantasy-Roman. Die Wolken hingen tief, das Festland war noch zu erkennen, aber vom Meer war nur ein kleiner Streifen zu sehen – als ob hier die Welt zu Ende wäre. Sehr passend.
Weniger passend waren natürlich die Disney-esken Touristenattraktionen und das insgesamt doch sehr touristenfallenmäßig aufgezogene Drumherum. Es herrschte schon ziemlich Betrieb und ein Foto des „Sign Post“ war ohne Nasen einfach nicht zu bekommen. Die standen in Horden bereit, um sich ablichten zu lassen.
Lustiger war es um die Ecke, wo die Motorräder parkten. Ein Mensch im T-Shirt war auf seiner Honda Monkey eingetroffen. Angeblich war er mit der Kiste die gesamte Strecke von John O’Groats ganz im Norden der britischen Hauptinsel bis hierher nach Land’s End gefahren. Da ich es nicht besser wusste musste ich die Story glauben. Drei nicht mehr ganz taufrische Mitglieder des „Widows Club Grand Chapter“, die auf ihren dicken Brummern angereist waren, ließen es sich nicht nehmen, eine Runde auf der winzigen Maschine zu drehen. Wirklich zurecht kamen sie mit ihr nicht, weil sie weder die Fußrasten noch den Leerlauf oder gar den Seitenständer auf Anhieb fanden.
Die Botallak Mine ein paar Kilometer weiter war das genaue Gegenteil von Land’s End: Kaum Menschen, bauliche Zeugen einstiger Energieförderung (Kohle) seit mehr als hundert Jahren nicht mehr in Betrieb. Dafür gab’s ein kleines Café mit selbstgebackenem Kuchen direkt nebenan, wo ich eine Pause einlegte und den beiden Damen am Nebentisch amüsiert bei deren vergeblichen Versuchen zusah, ihre Fußhupen zu erziehen. Friderike hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und ich konnte ihre Anweisungen deutlich hören: Das Tier am Tisch nicht beachten, dann trollt es sich von alleine. Naja, die Ladies taten das Gegenteil mit entsprechendem Erfolg.
Auf dem Weg nach St. Ives verzogen sich die Wolken und die Sonne warf ihre wärmenden Strahlen über das Land. Das Hafenstädtchen ist ein recht ansehnliches, die der Zahl der Touristen in nichts nachstehenden Baustellen verhinderten aber, dass ich mich näher umsehen konnte. Also drei Kringel gedreht, immer wieder am steilen Berg angefahren und hinter den Kleinwagen hergezuckelt schaffte ich es endlich raus aus dem Gewimmel.
Über sanfte grüne Hügel fuhr ich weiter an der Küste entlang in Richtung Norden bis zum Godrevy Leuchtturm. Der steht auf einer Insel direkt vor der Küste unweit des langen Sandstrandes. Und wer Strand sagt meint auch Sommerfrischler. Es war einigermaßen schwierig, ein ordentliches Foto zu machen, weil insbesondere asiatische Touristen ohne links und rechts zu schauen vor mir rumturnten. Da machte ich es wie seinerzeit Helmut Kohl und saß die Sache einfach aus.
Fazit des Tages: Mystische Stimmung am Ende der Welt, ziemliches Gekurve auf winzigen Straßen und am Ende ein schöner Sonnentag in Cornwall. Ob ich es zur Biker Night every Thursday im Project Eighty Three, einem Motorrad-Café hier in Newquay, heute Abend schaffen werde, weiß ich noch nicht. Meine Hände (vom vielen Schalten und Kuppeln) und mein schmerzender Rücken scheinen dagegen zu sein. Alt werden ist halt nichts für Feiglinge. Und das Fahrvideo heute ist mir gründlich misslungen: Es war eine Viertelstunde lang nur der Tacho zu sehen. Ach ja: Warum die Servicedamen ihre Kunden*innen immer mit „Darling“, „Honey“ oder „My Love“ ansprechen, hat sich mir auch noch nicht erschlossen.