Exmoor - Farn­borough

Es sollte der Tag des atlantischen Tiefausläufers werden. Schon gestern Abend und in der Nacht hatte es kräftig geregnet, was unter anderem dazu führte, dass der gröbste Schmutz heute morgen von meinem Motorrad runtergewaschen war. Sauber war es deshalb noch lange nicht. Es sollte auch ein langer Fahrtag werden, weshalb das Frühstück mit eine Exmoor Classic – Bacon, zwei pochierte Eier auf dem unvermeidlichen Toast – Kraft und Energie geben sollte. Das waren jetzt viele Konjunktive mit „sollte“, aber manche Tage sind eben so.

Trocken gewischt und gepackt bestieg ich gegen neun Uhr das Motorrad, um mich auf die heute immerhin 260 km lange Strecke zu begeben. Bis Taunton fuhr ich die ersten gut 30 Kilometer immer wieder durch Regenschauer über kleine Straßen, glatt und holprig. Es folgte eine gut ausgebaute A-Road, die zum großen Teil sogar vierspurig war. Solche Strecken versuche ich normalerweise zu meiden, allerdings kam mir das heute bei der Länge der Strecke und dem Wetter durchaus gelegen. Nass war’s, dreckig war’s – besonders durch den von den LKWs und PKWs aufgewirbelten Straßenschmutz – und kalt war es auch.

Nach etwa zweieinhalb Stunden erreiche ich Stonehenge. Wie erwartet war der riesengroße Parkplatz bereits mit Reisebussen, Würstchenbuden und PKWs gepflastert. Das Stonehenge Visitors Centre ist ein moderner Bau mit Restaurant, Museum und Shop. Von hier aus sind es nochmal gut 30 Minuten Fußweg über die Felder bis zur eigentlichen Sehenswürdigkeit, dem berühmten Steinkreis. Das wollte ich mir wegen des Wetters, der Länge des Fußmarsches und der hohen Nasendichte nicht wirklich geben. Das mit dem eingangs erwähnten Tiefausläufer heraufgezogene Gewitter überstand ich im Restaurant, einem Mensa-ähnlichen Etablissement. Eine Cola und ein Classic Cornish Pasty gönnte ich mir zum Lunch. Der oder das Pasty ist eine warme Teigtasche, in diesem Fall gefüllt mit Zwiebeln, Kohl und ein paar Bröckchen Suppenfleisch. Hauptsächlich besteht er bzw. es aber aus dem dicken Teigmantel aus Weizenmehl. Kann man mal probieren. Im Shop war ich anschließend auch noch. Aus reiner Neugier schaute ich mir die wie auch in vielen anderen Shops dieser Art feilgebotenen Artikel an. Gekauft habe ich nichts.

Nachdem das Gewitter vorüber war fuhr ich weiter, wieder durch ein paar Schauer und Straßendreck. Kurz hinter der Auffahrt vom Stonehenge-Gelände auf die Landstraße konnte ich doch noch einen Blick auf den Steinkreis erheischen, kurzentschlossen in einen Feldweg abbiegen und von dort wenigstens Beweisfotos schießen.

In Winchester verpasste ich in einem der vielen Kreisverkehre die richtige Ausfahrt, fuhr eine zu weit und hielt direkt danach an, um mich zu orientieren. Sofort hielt ein anderer Motorradfahrer neben mir und fragte, ob alles in Ordnung sei und es mir gut gehe. Wahrscheinlich hatte er mein Idiotennummernschild gesehen und wollte dem bloody tourist aus der Patsche helfen. Trotzdem sehr freundlich und unter Bikern auch eigentlich üblich. Machen nur nicht mehr so viele.

Der Rest der Strecke war nicht spektakulär. Mein heutiges Domizil fand ich auf Anhieb und konnte mein Motorrad direkt vor der Tür parken, weil es ein B&B Gästehaus inmitten eines Wohngebietes ist.

Nach der Gurkerei bei Nässe und Kälte genoss ich die heiße Dusche, machte mich zum nahegelegenen Coop auf und kaufte mir ein Feierabendbier. Dort gegenüber gibt es eine Dönerbude, die sogar „German Kebab“ anbietet. Vielleicht gibt’s von da ein leichtes Abendessen, mit alles und scharf.

Fazit des Tages: Die lange Strecke konnte ich trotz widriger Wetterlage ganz gut hinter mich bringen, aber ein Fahrvideo gibt’s davon nicht. Aus Gründen. Vierspurige Straßen sind nicht immer verkehrt. Und der Fremdenverkehr macht sogar aus 5.000 Jahre alten Sehenswürdigkeiten Touristenzentren. Das erinnerte mich an meinen letzten Besuch in Auschwitz, wo ähnliches Tamtam herrscht. Das war bei meinem ersten Besuch 1974 noch ganz anders.