Dour/B - GA

Nach Frühstück und Packen ging es gegen neun Uhr auf die Heimfahrt. Auf dem Parkplatz traf ich noch Le Patron meiner Herberge, der mit einem Volvo Elektroauto vorgefahren kam, worauf ich ihn natürlich direkt ansprechen musste. Ja, er sei sehr zufrieden damit, habe es aber erst seit zwei Tagen. Es sei halt ein Volvo, „ça roule bien“, war sein vorläufiges Urteil.

Kurzfristig hatte ich mich dazu entschieden, nicht die geplante Route über Aachen und Köln, sondern die südlicher verlaufende Strecke über Lüttich und dann Richtung Trier einzuschlagen. Hier ist die Landschaft schöner und es geht zumindest streckenweise über Land- und Bundesstraßen, also nicht ganz so langweilig wie die reine Autobahnfahrt.

So war’s dann auch. Auf der belgischen Seite verabschiedeten mich die Nationalstraßen mit ihrem unvermeidlichen „Padong, padong, padong“, bevor es auf die schon gut befahrene Autobahn in Richtung Osten ging. Wie wir wissen funktionieren Geschwindigkeitsbegrenzungen und Wärmepumpen überall auf der Welt, außer in Deutschland. In England liegt die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit bei 70 mph, also knapp 120 km/h, wie das auch in Belgien der Fall ist. Erstaunlicherweise kommen die Fahrerinnen und Fahrer in diesen Ländern auch ans Ziel, wobei der Verkehr insgesamt wesentlich unaufgeregter fließt als auf deutschen Straßen. Der Unterschied zeigte sich kurz nach Grenzübertritt sehr deutlich. Alles irgendwie nervöser, hektischer hier in 'Schland.

Ein paar Minuten der Unruhe hatte ich vorher dennoch zu überstehen, denn die Benzinstandsanzeige meines Motorrads begann zu blinken und es war keine Tankstelle in Sicht. Glücklicherweise war kurz vor der Grenze und abseits der Autobahn eine Tankstelle ausgeschildert, die ich auch ansteuerte und an der ich volltankte. Glücklicherweise insofern, als anschließend über mehr als 120 Kilometer kein Autohof oder Ähnliches mehr folgen sollte. Das hätte ich nie und nimmer geschafft.

So fuhr ich über die fast leere Autobahn mit 110 bis 120 km/h, betrachtete mir die grüne Landschaft der Eifel und später des Hunsrücks links und rechts meiner Strecke, und freute mich darüber, diesen Weg gewählt zu haben. Ich kam sogar in Waxweiler vorbei, einem Kaff in der Eifel, aus dem einer meiner Mit-Matrosen bei der Marine 1976 stammte. Der arme Kerl hatte von Eckernförde, wo wir stationiert waren, bis nach Hause eine 24-stündige Bahnfahrt, weshalb er an einem normalen Wochenende nicht heim konnte und weshalb er mutmaßlich auch immer so verdrossen dreinschaute.

Die Autobahn in dieser fast menschenleeren Ecke im belgisch-deutschen Grenzgebiet ging dann auch irgendwann in eine vierspurige Bundesstraße über, was mich aber nur tangential perforierte, weil man hier auch 120 km/h schnell fahren durfte. Für mich also keinerlei Veränderung, außer der Farbe der Straßenschilder. Trotzdem lautete ihre Bezeichnung weiterhin „E 42“. Irgendwann wurde es zweispurig und es ging naturgemäß deutlich langsamer voran, denn irgendeine Kleinwagenfahrerin, die das Tempo bestimmte, gab es immer. Und ja, es waren jedes Mal Frauen am Steuer, die mit höchstens 80 km/h durch die Landschaft zuckelten. Das sorgte bei vielen anderen (jetzt sind die Männer dran) Verkehrsteilnehmern für die oben erwähnte Nervosität, die auch gerne mal durch ein Überholmanöver mit aufheulendem Motor und röhrendem Klappenauspuff abgebaut wurde.

Nach der Eifel kam der Hunsrück mit seiner gleichnamigen Höhenstraße. Den allergrößten Teil hatte ich geschafft, aber der alte Körper forderte sein Tribut. Die erste Möglichkeit ergab sich erst mit der „BOHR-Insel“ nahe dem Flughafen Frankfurt-Hahn, wo ich – obwohl es jetzt nur noch 60 Kilometer bis nach Hause waren – dann doch noch eine Pause einlegte. Entspannend war das, in der Sonne zu sitzen, einen Cappuccino zu schlürfen und (home, sweet home) eine Bockwurst mit Brötchen und Senf zu verspeisen.

Die restliche Strecke saß ich sprichwörtlich auf einer Backe ab und rollte kurz nach zwei Uhr nachmittags mit insektengepflastertem Visier in den Bangert, wo Friderike und Micki schon auf mich warteten. Schön, wieder zuhause zu sein. Friderike und sogar ihr Hund freuten sich ebenfalls.

Fazit der Reise nach 3.027 Kilometern: Auch wenn es stellenweise etwas negativ geklungen haben sollte, so habe ich die Reise doch insgesamt sehr genossen. Vielleicht hatte ich mir die Gegend und meine Haltepunkte etwas ruhiger vorgestellt. Insbesondere an der Südküste war der Trubel wegen des guten Wetters und des Pfingstwochenendes besonders groß gewesen, in Cornwall und an der Atlantikküste war es dann nicht mehr ganz so schlimm, wenn auch für meinen Geschmack immer noch zu viel. Die vielen kleinen Unterschiede in den Details (Türschlösser, Wasserhähne, Steckdosen, Verkehr, …) sind bemerkenswert, die zahlreichen unterschiedlichen Dialekte von Stadt zu Stadt bedurften der Gewöhnung – und genau das macht den Reiz für mich aus. Ich bin froh, diesen Trip unternommen zu haben und werde es (so ist zumindest der Plan) in Zukunft etwas ruhiger angehen lassen. Das heißt, kürzere und deshalb vielleicht auch mehr und nicht mehr so weite Ausflüge zu unternehmen. Denn so schön diese Motorradreisen auch sind, so zehren sie doch an den Kräften.

Bewegte Bilder: