Wigtown - Dumfries
Der Tag begann mit einem Stromausfall. Kein Licht, kein Wasser, kein Internet, kein gar nichts. Zwei Kuckucke kündeten davon. Die Besitzerin kümmerte sich schon – und um halb neun lief alles wieder. Also schnell Kaffee kochen, frühstücken, Geschirr spülen usw. – der Tag konnte beginnen, wenn auch mit etwas Beschleunigung wegen der zeitlichen Verzögerung mangels Elektrizität. Die Wäsche war über Nacht getrocknet, also konnte gepackt, die Bettwäsche und die Handtücher in bereitgelegte Beutel verstaut, das Motorrad gerüstet werden. Ein letzter Rundblick, ob ich nicht wieder was vergessen hatte. Nö, also los.
Es war ein grau-grün-blauer Tag. Grau der Himmel, grün das Land und blau das Wasser, an dem ich zunächst entlang fuhr. Die Straße war anfangs gut ausgebaut und es rollte ordentlich. In Kirkcudbright dann der erste Stopp am dortigen Hafen mit einem Kaffee von der Tanke gegenüber. Es machte alles noch einen etwas verschlafenen Eindruck. Hier stand auch ein ein mobiler Seafoodgerichtewagen, aber erstens waren die noch nicht so weit (es war gerade erst halb zwölf) und zweitens war mir um diese Uhrzeit noch nicht nach einem Meeresfrüchtefrühstück. Auf der alten Brücke direkt daneben sind Fahrzeuge nicht mehr zugelassen. Ist wohl zu baufällig. Fußgänger hält sie aber noch aus.
Weiter ging es über sanfte grüne Hügel mit vielen Schafweiden und wenigen noch zu bestellenden Feldern. Immer mal wieder kam ich durch ein kleines Waldgebiet, und die Straße war längst nicht mehr so gut ausgebaut und breit wie anfangs. In Colvend machte ich einen kurzen Stopp an der Kirche mit dem Friedhof, der wie so häufig auch in anderen Fällen seinen Kriegshelden Ehre bezeugte. Die kleine Straße durch den Ort war ordentlich befahren, die Weiden gegenüber teilten sich Kühe und Schafe.
Die Kornmühle in New Abbey kann man besichtigen (was ich nicht getan habe) und ist wohl so etwas wie ein örtliches Wahrzeichen. Ein dazugehöriger lauschiger Parkplatz mit kleinem Park und Bänken lädt zum Verweilen ein. Der Müller scheint auch nicht schlecht zu wohnen.
Ich fuhr aber noch ein paar hundert Meter weiter bis zur Sweetheart Abbey. Schöner Name, aber altes, verfallenes Gemäuer. Und Robert the Bruce war mal wieder allgegenwärtig. Auf dem Parkplatz direkt daneben machte ich meine Mittagspause und speiste fürstlich. Dann spazierte ich noch ein wenig um die Ruine herum und über den ganz offensichtlich sehr alten Friedhof.
Bis zu meinem Tagesziel, dem „Farmers Inn“ in Clarencefield, waren es nur noch wenige Kilometer. In die Betrachtung der lieblichen Landschaft versunken, während ich so über die kleinen Straßen bummelte, verpasste ich doch glatt irgendwo eine Abzweigung. Das führte zu einem Umweg von etwa zehn Kilometern, der mich streckenweise über mehr oder weniger befestigte Feldwege führte. Sowas verbessert ja bekanntermaßen die Ortskenntnis und war nicht weiter schlimm, weil interessant zu fahren. Das „Farmers Inn“ fand ich dann irgendwann trotzdem.
Der Inhaber begrüßte mich persönlich, zeigte mir mein Zimmer (hinter dem Inn über den Parkplatz motelmäßig angelegt). Als ich hineinging war ich erst einmal geflasht: Fehlte nur noch die ältere Dame im rosa Morgenmantel mit Lockenwicklern und Badeschlappen mit einer großen Blume vorne drauf. „Man, man, man. I think my pig whistles“ kroch mir über die Lippen.
Fazit des Tages: Dumfries and Galloway sieht genauso aus wie der Name klingt: Lieblich, friedlich, gemütlich, grün und voller Schafweiden. „Red-Nose-Day“ war heute nicht, denn die Wetterlage ist doch merklich umgeschlagen. Im „Farmers Inn“ treffen sich die Autochthonen (natürlich nur Männer, meist feist) Geschichten erzählend und brüllend lachend zum lautstarken Apéro (ich sitze gerade mittendrin), und morgen wird mein letzter Tag auf schottischem Boden sein. Ein bisschen schade, dass es schon bald vorbei ist, aber ich freue mich auch sehr auf Zuhause.