Tarbert - Uig - Carbost

Um fünf Uhr weckte mich der Kuckuck, und ich dachte, ich bin im falschen Film. Aber hier auf den Inseln gibt es wohl auch einen (oder ist er mir weiter gefolgt?). Kurz darauf hupte mein Telefon: Die Fährgesellschaft teilte mir mit, dass sich die Abfahrt wegen technischer Probleme um etwa zwei Stunden verzögern würde. Also wird es wohl ein reiner Fahrtag werden, dachte ich mir. Erst auf der Fähre, dann auf dem Mopped, denn viel Zeit zum Anhalten und Gucken werde ich wohl aufgrund dessen nicht haben, so ich meine Unterkunft beizeiten erreichen will.

Gemütliches Frühstück, in Ruhe packen, dann fuhr ich zur Fähre, wo ich erst mal mein Motorrad parkte. Zeit genug für einen Bummel durch Tarbert hatte ich ja noch. Also spazierte ich zunächst rund um den Sportboothafen, wo die kleinen Segler in der Morgensonne dümpelten. In Ermangelung des Windes bimmelte es auch an keinem der Masten. Schause hätte seine helle Freude.

Mir fiel auf, dass an der Marina ein paar Flaggen gehisst waren. Die schaute ich mir näher an und frug mich, warum es ausgerechnet die Flaggen dieser Länder waren: Schottland (ok, war ja klar), Kanada, Mexiko, Grönland und Ukraine. Wer nichts weiß muss alles glauben. Also ging ich zum Hafenbüro und erkundigte mich. Die Dame und der Herr dort erklärten mir, dass am gestrigen Montag das traditionelle Flaggenhissen stattgefunden hatte. Den Union Jack wollten sie nicht, schließlich seien sie Schotten. Die EU-Flagge kam auch nicht in Frage, denn zu der gehören sie ja (bedauerlicherweise, wie man betonte) nicht mehr. Also hatten sich die Leute überlegt, ihre Solidarität mit einigen Ländern auszudrücken. Wer die US-amerikanische Politik verfolgt, weiß, warum ausgerechnet Kanada, Mexiko und Grönland in die Auswahl kamen. Und die Ukraine ist eh klar. Fand ich eine schöne Idee.

Irgendwann kam dann auch die Fähre und legte mit von mir immer wieder bestaunter Präzision an – so ein Riesenteil zentimetergenau in die Anlegestelle manövrierend. Unter Gehupe und Gepfeife der Alarmanlagen in den Fahrzeugen ging es dann endlich los. Ich ließ Lewis und Harris vom Hafenörtchen Tarbert aus im wahrsten Wortsinne hinter mir.

Auf dem Sonnendeck des Schiffes traf ich dann lustigerweise wieder das Ehepaar aus Norddeutschland von neulich. Zunächst erkannte ich sie nicht, weil ihr Hund nicht dabei war (1/4 Labrador, 3/4 Riesenschnauzer). „Der schläft im Wohnmobil, nachdem wir heute morgen noch einen ausgiebigen Spaziergang gemacht haben“, klärten die beiden mich auf. Wir unterhielten uns die gesamte Fahrt über, tauschten Eindrücke und Tipps aus. Dabei erfuhr ich, dass sie aus Osnabrück kommen (Grüße an Christian und lila-weiß!). Die Isle of Skye erreichten wir nach einer kurzweiligen Fahrt am frühen Nachmittag und verabschiedeten uns mit den üblichen Wünschen voneinander.

Nun konnte es endlich richtig losgehen. Leider, wie eingangs gesagt, mit nur wenigen und dann auch kurzen Stopps. Was mir zu allererst auffiel, war der starke Wind. Natürlich blies er von vorn und ich dachte mir: Na toll, wieder eine Insel, wieder dieser Wind, wieder alles plattfegt. Weit gefehlt! Platt ist diese Insel nun wirklich nicht. Immer wieder gab es schöne Ausblicke, links das Meer, rechts die Berge. Langweilig wurde es zu keiner Zeit.

Und was mir die Rezeptionistin heute morgen im Hotel Hebrides erzählt hatte, war ausgemachter Blödsinn. Sie behauptete nämlich, die Straßen auf Skye seien noch schlechter als die auf Lewis und Harris. Keine Spur! Klar gab‘s immer wieder geflickte Stellen und auch zahlreiche Schlaglöcher, aber insgesamt empfand ich sie sogar als besser.

Auf dem Weg hoch zum „Quiraing“, einer Erhebung mit weiter Aussicht über Meer und Insel, wurde mir klar: Heute muss mindestens ein Flieger mit Asiaten gelandet sein, die dann in gemieteten SUVs oder gar Wohnmobilen die engen Straßen mehr schlecht als recht meisterten. Was haben die genervt! Fuhren oder besser gesagt schlichen der Anhöhe entgegen, machten anderen Verkehrsteilnehmern keinen Platz und konnten natürlich die Abmessungen ihrer Gefährte in keiner Weise abschätzen, was immer wieder zu unnötigen Staus führte. Oben angekommen war der Parkplatz am Quiraing fast voll und ich drehte nur eine kurze Runde. Immer auf die Fußgänger achtend, die ohne links oder rechts zu schauen hier oben rumeierten. Nur schnell weg! Den Berg runter war es auch nicht einfacher. Immerhin hatte ich (außer der Aussicht auf das vorausfahrende Fahrzeug – auch ein Leihwagen) einen schönen Blick.

Und weiter ging es zum „Kilt Rock“ und den „Mealt Falls“, einem Wasserfall direkt ins Meer. Auch hier wieder großer Touristenauflauf. Und Asiaten „en abondance“. Die standen meist im Weg rum, mit gezückten Smartphones Fotos und Videos aufnehmend, diese anschließend betrachtend und andere Menschen daran hindernd, ebenfalls eine Aufnahme zu machend. Instagram, TikTok und Konsorten wollen ja mit uninteressanten Selfies gefüttert werden. Ein Gedränge war das. Unglaublich!

Also schnell weiter zum „Old Man of Storr“, einem einsamen Stein vor den Felsen, der winzig rechts oben in einem der Videos zu sehen ist. Nähere Aufnahmen habe ich nicht geschafft, weil auch hier der Parkplatz und der Viewpoint wieder mit (asiatischen) Touristen völlig überlaufen waren.

Froh, dem zu entkommen, fuhr ich zügig meiner Unterkunft entgegen. So ganz anders als die Highlands oder Lewis und Harris war die Landschaft hier schon. Und von wegen schlechte Straßen, Frau Rezeptionistin! Die Anfahrt zum „Old Inn & Waterfront Bunkhouse“ in Carbost sah schon mal vielversprechend aus.

Im Pub/Restaurant ist die Hölle los, viele Gäste (ungewöhnlich für diese Jahreszeit), super Pub-Stimmung, Musik aus meiner Jugend. Kostprobe gefällig? -> Pub-Geräuschkulisse.

Das Zimmer ist sehr gut. Und der Blick von der Terrasse aufs Wasser ist auch nicht zu verachten.

Fazit des Tages: Es war ein reiner Fahrtag, wegen der verspäteten Abfahrt der Fähre. Gemütlicher Beginn, eiliges Anfahren der geplanten Punkte (von denen ich hier nicht alle gelistet habe). Deshalb auch die vielen Fahrvideos. Wenn ich es mir recht überlege hätte ich mich wegen des Touristenauflaufs an einigen Stellen auch ohne die verspätete Landung auf Skye dort nicht lange aufgehalten. Was wollen die alle hier? –Meine Unterkunft ist herrlich: Tolle Lage, gutes Zimmer, und mehr Autochthone als ich zählen kann.

Oh! Bevor ich es vergesse: Heute ist Bergfest. Bin seit zwei Wochen unterwegs. Es fühlt sich sowohl länger als auch kürzer an.

Bewegte Bilder: