Strathy - Inshegra
Heute sollte es ein Strandtag werden. Die Sonne lachte, der Himmel war blau, lediglich die Wassertemperatur könnte über 12°C ansteigen. Aber hey, wollen wir mal nicht so kleinlich sein.
Von dem sehr freundlichen Ehepaar im Strathy Inn verabschiedete ich mich gegen 9:30 Uhr und fuhr weiter gen Westen. Die Torrisdale Bay war mein erstes Zwischenziel. Leider nur von weitem zu bewundern, weil die angebliche Zufahrt ein Pfad über eine Schafweide war, gepflastert mit deren Hinterlassenschaften und dicht bevölkert von denselben.
Also ging‘s erst mal weiter zum Coldbackie Beach. Wiederum heller Sandstrand vor türkis-blauem Wasser. Die Straße hier oben an der Nordküste Schottlands war fast menschenleer, zumindest in meiner Fahrtrichtung und bisher.
Next Stop: Loch Eriboll. Hier gab es zwei Aussichtspunkte, aber die einzige Zufahrt zum Wasser führte über ein abgesperrtes Privatgelände. Der obere Aussichtspunkt, in meiner Fahrtrichtung der erste, war zugestellt mit drei Wohnmobilen, zwischen die sich noch zwei Motorradfahrer aus Deutschland gequetscht hatten. Das wollte ich mir nicht antun, fuhr die Anhöhe ein Stück weiter runter und hatte den Blick für mich alleine.
Nun wurde es sprachlich etwas gemischt, denn wie man „Ceannabeinne Beach“ ausspricht, weiß ich nicht. Bietsch kriege ich ja gerade noch hin. Auch wieder ein schöner, weitläufiger Strand, von Felsen eingerahmt und menschenleer. Naja, die Wassertemperatur …
Was nun folgte, war die Enttäuschung des Tages. Die Grotten des „Smoo Cave“ hätte ich mir wirklich gerne angeschaut, zumal für schlappe 17£ auch noch eine Bootsfahrt durch eine dritte Höhle dabei gewesen wäre. Es begann mit Fahrzeug-Tetris auf dem kleinen Parkplatz, wo sich deutsche und schottische Wohnmobile mit einem französischen Kastenwagen und einem Cabrio aus England um die Plätze balgten. Zwischen zwei optimal geparkten Wohnmobilen fand ich üppigen Parkraum für mein Motorrad. Das Gewimmel vor der Kasse, die schlauen Sprüche der Touristen – überhaupt nervte hier alles, sodass ich nur einen Blick auf den Abstieg zu den Höhleneingängen erhaschen konnte.
Da kam das friedvolle Geplätscher von „Marja‘s Waterfall“ gerade recht, um die Nerven zu beruhigen. Dorthin waren es gerade einmal vier Minuten vom Smoo Cave aus zu fahren. Der Wind hatte mittlerweile ordentlich aufgefrischt und die Urlauber scheinbar von diesem Ort weggepustet.
Zur Balnakeil Bay war es auch wieder nicht weit, der Strand jedoch war nicht so schön wie die bisher gesehenen. Dafür gibt‘s direkt daneben eine malerische letzte Ruhestätte – mit Blick.
Die letzten Kilometer zu meiner heutigen Unterkunft waren ordentlich abwechslungsreich. Rauf und runter, hin und her, und manchmal mit einem ordentlichen Schlag ins Kreuz, weil ich eines der vielen tiefen Schlaglöcher übersehen hatte. Kommt davon, wenn man sich von der Landschaft zu sehr ablenken lässt.
Weil ich noch recht früh dran war fuhr ich an „The Old School Restaurant & Rooms“ vorbei ins nächste Örtchen Kinlochbervie (dessen Aussprache bekäme ich wohl zur Not noch hin). Im Straßencafé „Worth a Look“ gab‘s ein Sandwich, einen Kaffee sowie unfreiwillige Gesellschaft einer Wandergruppe. Die belegten die beiden anderen Tische, unterhielten sich über die Anstrengungen ihrer Tour und so weiter. Fehlte nur noch, dass sie ihre Füße auf den Tisch legen und die Blasen zählen.
Kurz zuvor hatte ich am Straßenrand angehalten, um mich zu orientieren. Ein Krankenwagen hielt sofort hinter mir, der Fahrer stieg aus und kam auf mich zu. Ob er mich etwas zu meiner Kamera fragen dürfe, war sein Begehr. Die hatte er nämlich entdeckt und war so neugierig, dass er mich (zum Glück ohne Blaulicht und Sirene) bis zu meinem Halt verfolgt hatte. Naja, ich gab ihm Auskunft so gut ich konnte und nach ein paar Minuten zog er zufrieden weiter.
Vor meiner Bleibe setzte ich mich auf eine Bank in der Sonne, genoss die Ruhe (hier gibt es sogar einen sehr mitteilsamen Kuckuck) und die Landschaft und wartete die paar Minuten bis zum Check-in. Man kann es schlimmer treffen. Weil es hier so abgelegen ist gibt es natürlich auch nur eine sehr wacklige Mobilfunkverbindung und einen drahtlosen Internetzugang, der diesen Namen eigentlich nicht verdient hat. Da geht die Tür nur selten und auch nur einen winzigen Spalt auf.
Fazit des Tages: Zahlreiche Strände abgefahren, fünf davon dokumentiert. Der Wind hat kräftig aufgefrischt und das Wetter darf gerne so bleiben, auch wenn deshalb jeder Tag „Red Nose Day“ ist.