Kalkar - Fährhafen Amster­dam

Nach dem Frühstück ging es gegen 9:30 Uhr vom Landhotel los. Die flache Landschaft war bei wiederum blauem Himmel und Sonnenschein sehr schön anzusehen. Ich kam durch pittoreske Orte, deren Namen ich zwar kannte, aber die ich noch nie gesehen hatte.

Und plötzlich war ich schon in den Niederlanden. Die Route führte mich lange Zeit über kleinste Sträßchen und an Wasserläufen entlang.

Gestern noch hatte die niederrheinische Metropole Viersen mit ihrer komplexen Verkehrsführung für ungewollte Sightseeing-Touren gesorgt, denn einmal zu früh abgebogen hieß, sich gefühlt alle Vororte und Suburbs der Stadt anzusehen. Heute gab es immer nur eine Straße ohne Abzweigung, die sich durch die Gegend schlängelte. Auch das eine oder andere Waldstück war dabei, was man so gemeinhin nicht mit den Niederlanden in Verbindung bringt. Und ein paar Deiche, auf denen ich entlangfahren durfte. Links Wasser, rechts Häuser und Vorgärten.

Je näher ich der Küste mit ihren großen Hafenstädten kam, umso hässlicher wurde die Landschaft. Fast nur noch Straßen und Autobahnen, voll von Fahrzeugen, die in alle Himmelsrichtungen unterwegs waren. Zum Glück führte mich meine Routenplanung das eine oder andere Mal noch etwas abseits dieser lauten und staubigen Strecken durch kleine Wohngebiete und Felder. Aber irgendwann war dann auch damit Schluss.

Kurz vor dem Hafen hielt ich noch an einer Tankstelle, wo ich dem Motorrad einen Tank Benzin und mir ein Sandwich gönnte. Beides überteuert, aber unumgänglich.

Der Check-in lief reibungslos; ich bekam direkt eine Karte mit meiner Kabinennummer und konnte sogleich auf‘s Schiff fahren. Dort wurde das Motorrad in einer Ecke mit Spanngurten festgezurrt, was die vier Motorradfahrer, die ihre Maschinen dort abstellen durften, gemeinsam erledigten. Anschließend hatten wir alle rabenschwarze und nach Öl stinkende Hände, weil diese Gurte sicher nicht zum ersten Mal benutzt worden waren.

In meiner Kabine auf Deck 7 angekommen pellte ich mich erst mal aus meinen Sachen, die wegen des Verzurrens in großer Hitze und des Aufstiegs mit Gepäck über mehrere Decks einigermaßen durchgeschwitzt waren. 

Meine Luxuskabine ist etwa acht Quadratmeter groß, und da ist die Nasszelle schon mit eingerechnet. Mein extrem reduziertes Gepäck macht sich also nicht nur auf dem Motorrad, sondern auch auf der Fähre gut.

Nach einer schnellen Dusche saß ich mit den anderen Bikern kurz in der Sky-Bar auf dem obersten Deck. Dort gibt es Drinks zu prohibitiven Preisen und man darf rauchen. Halb mit Wasser gefüllte Pappbecher werden vom Personal als Aschenbecher gereicht. Bier gibt es leider nur aus der Dose. Vom Fass gibt es Heineken. Und einen schlechten Wein für achtfuffzich das Nulleinserglas erspare ich mir.

Das Buffet zum Abendessen hatte ich glücklicherweise schon gebucht. Es war in Ordnung, sehr reichhaltig und die Freude einiger Passagiere. Das Paar am Nebentisch zum Beispiel holte sich mehrfach Portionen, die schon einzeln der Menge meines ganzen Abendessen entsprachen.

Was mir auffiel: Vor etwa dreißig Jahren hatte ich mal darüber gelesen, dass die durchschnittliche Körpergröße der Niederländer nach dem Krieg extrem angestiegen ist. Man führte das auf die bessere Ernährung zurück. Hier auf der Fähre sind die holländischen Kinder gefühlt schon zwei Meter groß. Da fühle ich mich mit meinen 182 cm schon als Zwerg.

Bewegte Bilder: