Hawick - Stirling
Die Nepalesen sind Inder, habe ich heute morgen beim Frühstück mitbekommen. So ganz falsch lag ich wohl nicht, da sie alle aus dem Landesteil kommen, der an Nepal grenzt.
Mein erster Stopp in Richtung Stirling, dem Tor zu den Highlands, war am Lyne Viadukt, das heute nur noch als Fußgängerbrücke verwendet wird. Schönes altes Gemäuer, ohne seinen ursprünglichen Zweck, über das Flüsschen Lyne Water.
Anschließend fuhr ich durch welliges Land mit vielen Wiesen, Kühen und Schafen. Dabei fiel mir auf, dass im Gegensatz zu früher sich heute kein Mensch mehr umdreht, wenn ein Motorrad angefahren kommt. Vor allen Dingen junge Menschen, Knaben wie Mägdelein, schauten den bollernden Maschinen gerne hinterher. Heute glotzen nur noch die Kühe. Immerhin!
Über einigermaßen ausgebaute wie auch sehr kleine und schmale Straßen ging es dann in Richtung Callendar House. Die Straßenbeläge waren allenthalben grob pockennarbig mit wenig Grip, Schläglöchern und vielen Rissen. Da hieß es, sehr vorsichtig zu sein und mit „angepasster Geschwindigkeit“ zu fahren, um nicht unversehens in der Hecke am Straßenrand oder gar im Gegenverkehr zu landen. Außerdem rüttelte und schüttelte es mich ordentlich durch, denn ebener Asphalt ist anders. Es wurde nun auch deutlich kühler, denn sobald die Sonne weg war, spürte ich die doch eher kalte Luft im Gesicht, an den Armen und – ob man’s glaubt oder nicht – ob des Fahrtwindes zwischen den Beinen. Brrr! Da erwartet mich wohl noch so Einiges im Norden des Landes, den ich ja jetzt erst anpeile.
Das Callendar House selbst liegt in einem großzügigen Park, der von den Einheimischen als Freizeitpark genutzt wird. Sehr viele Hunde tollten über die Rasenflächen, Kinder jauchzten und vergnügten sich an den diversen Spielgeräten. Offenbar scheint der erste Sonnenstrahl dem gemeinen Schotten die Hosen zu kürzen. Jedenfalls liefen so gut wie alle Eingeborenen bei Sonnenschein in Shorts rum, obwohl wir nur etwa 11°C hatten.
Weiter ging es nach Falkirk und zum gleichnamigen Wheel. Das ist ein modernes Schiffshebewerk, das durch seine Konstruktion in der Art eines Riesenrades einmalig auf der Welt ist. Das Falkirk Wheel arbeitet nach dem Prinzip, dass der Antrieb bei zwei gleich schweren Gondeln keine Hubarbeit leisten, sondern nur die Reibung überwinden muss. Faszinierende Technik, die zwar langsam, aber stetig funktioniert.
Eine englische Motorradfahrerin fragte mich, ob ich denn wisse, wie wir Biker wieder durch die Schranke an der Ausfahrt kommen. Es hieß nämlich, dass Parken für Motorräder kostenlos ist. Ein Ticket mussten wir allerdings ziehen. Da ich auf dem Weg zur Information wegen genau dieser Frage war, versprach ich ihr Aufklärung. Die Dame am Info-Schalter versicherte mir, dass die Kamera ein Motorrad erkenne und die Schranke sich öffne. „Sind Sie sicher? –Wenn nicht, bin ich gleich wieder da und Sie haben ein Problem.“ „Oh ja ja, seien Sie unbesorgt.“ Die Information weitergegeben, zur Schranke gefahren – und tatsächlich öffnete sie sich, wenn auch nach ein paar Sekunden des Nachdenkens.
Mein vorletzter Stopp auf dem Weg zu meiner heutigen Unterkunft waren dann die „Kelpies“. Das ist ein riesengroßes Kunstwerk, das zwei Wassergeister aus dem schottischen Volksglauben darstellt. Insbesondere mit der changierenden Beleuchtung bei Nacht sind sie hochgradig beeindruckend.
Mein nächstes Ziel, das Stirling Castle, liegt mitten in der Stadt, die sich selbst „das Tor zu den Highlands“ nennt, auf einer Anhöhe. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die ersten Hügel dieses Landstriches. Natürlich war diese Sehenswürdigkeit mit teurem Eintritt und zahllosen Nasen gesegnet, die Ersteren gerne entrichteten, um durch das Gemäuer zu schleichen. Sowas muss ich nich mehr ham, wa!?
Die Reserveanzeige begann zu blinken, was ich als Hinweis dafür nahm, dass mein Motorrad gerne wieder Nachschub in Form hochexplosiver Flüssigkeit haben möchte. Also über das sauglatte und extrem holprige Kopfsteinpflaster wieder runter vom Berg. Zum Glück befindet sich direkt gegenüber meines Hotels für diese Nacht eine Tankstelle, die ich auch ansteuerte, bevor ich zum Check-in schritt. Alles easy, das Zimmer ist eher hotelkettenmäßig, aber die heiße Dusche war nach dem zwar meist sonnigen, jedoch auch kalten Tag sehr willkommen.
Heute ist zwar Freitag, aber es gibt keinen Fisch zum Abendessen. Vielmehr das 3-Gänge-Wochenendmenü mit gebratenen Pilzen in Knoblauch zur Vorspeise, einem Sirloin-Steak medium-rare und einem Karamel-Salz-Pudding zur Nachspeise.
Weil ich mein Zimmer direkt gebucht hatte (wie ich es, wenn möglich, immer mache), steuert das Haus eine „25£ dinner allowance“ bei. Also zahle ich für das Abendessen nur 3£. Da gönne ich mir doch gleich einen schönen Malbec dazu. Der allerdings kostet für das Viertel 11,25£, also wirklich gespart habe ich nichts.
Was bleibt? –Knoblauch fand ich bei der Vorspeise keinen, dafür viel Käse zum Überbacken. Das Steak war medium-fest und der Pudding ein Eis. Aber die Pommes waren in Ordnung.