Hafen Amsterdam - Gent
Die Nacht war animiert. Das ältere niederländische Paar in der Kabine direkt hinter meinem Kopf unterhielt sich die halbe Nacht über lautstark, sodass ich jedes Wort verstehen konnte. In den Redepausen hustete der Mann dermaßen, als wolle er bis zum Morgen einen Eimer mit seinem Auswurf füllen. Dann wieder schnarchte er vernehmlich.
Um sieben Uhr CEST hatte ich genug davon, stand auf und ging zum Frühstück. In Ruhe meine Sachen gepackt – jetzt war Stille in der Nachbarkabine – und zum Motorraddeck hinabgestiegen, wo ich die Berliner von den Verkehrsbetrieben und die Dänen, die ich schon beim Einschiffen kennengelernt hatte, wieder traf. Irgendwann durften auch wir dann los – eine letzte Ghettofaust und gute Wünsche für die Heimfahrt.
Das Wetter war noch gut und sonnig, wenn auch sehr starker Wind wehte. Weil die Fähre zwar pünktlich um 9:45 Uhr angelegt hatte, bis zu meiner tatsächlichen Abfahrt aber noch fast eine Stunde draufgegangen war, beschloss ich, erst mal Meter zu machen und entgegen meiner Gewohnheit für den ersten Teil der Strecke die Autobahn zu nehmen. Damit ersparte ich mir mindestens zwei Dutzend Kreisverkehre und eine Menge Stop and Go.
Mit hundert Sachen (schneller darf man dort nicht fahren) fuhr ich die ersten 100 von 280 Kilometern in dichtem Verkehr. Dann ging es runter auf die kleinen Straßen. Der Himmel wurde grauer, der Wind stürmischer und die ersten Schauer erwischten mich. Über die Landstraße Richtung Gent zu fahren war zwar im Prinzip eine gute Idee, allerdings reihte sich Ortschaft an Ortschaft, sodass ich für die restliche Strecke noch ordentlich Zeit brauchte. Und schön zu fahren war es auch nicht, Fotomotive waren Mangelware und meistens war es nass.
Gegen 16 Uhr trudelte ich bei Eva in Gent ein und wir saßen zunächst bei einem Kaffee und einer Selbstgedrehten zusammen und erzählten von den Dingen, die in den vergangenen Jahren, in denen wir uns nicht gesehen hatten, so passiert waren.
Kurz nach 17 Uhr checkte ich in meinem B&B ein, das nur ein paar Minuten von Evas Haus entfernt liegt. Niemand vor Ort, aber die per Textnachrichten gemachten Angaben erwiesen sich als ausreichend präzise, sodass ich sowohl ins Haus hinein kam als auch mein Zimmer in der zweiten Etage finden konnte. Erster großer Minuspunkt: Für die drei Zimmer gab es nur eine Gemeinschaftstoilette auf dem Flur. Das war der Beschreibung nicht zu entnehmen gewesen. Kacke!
Zum Apéro im Café Congé an einer dorfplatzähnlichen Stelle saßen Eva und ich wieder zusammen. Freddy war leider kurzfristig nach Mailand gereist, sodass ich ihn gar nicht sehen konnte. Bei Evas Spargelrisotto und geistigen Getränken verlief der Abend noch mit lustigen und ernsten Gesprächen, bis ich dann gegen Mitternacht die Segel strich.
Fazit des Tages: Die Niederlande und Belgien begrüßten mich zwar mit besseren Straßen als noch auf der britischen Insel, dafür aber mit schlechterem Wetter. Motorradfahren diente heute nur dem Erreichen des Zieles. Aber der Stopp zum Klönen hat sich gelohnt und Freude bereitet.