Glasgow - Ardrossan

Nach der kulinarischen Offenbarung des gestrigen Abendessens ersparte ich mir das Frühstück im Hotel, zumal es das erst ab zehn Uhr (!) gibt. Also machte ich mich kurz vor zehn auf die Fahrt entlang des River Clyde in Richtung Westen, immer an der Küste entlang.

Zunächst kreisverkehrte ich mich noch aus den eher hässlichen und industriellen Vororten Glasgows raus, bis ich auf die A8 kam, die teils vierspurig verlief und mit dem morgendlichen Verkehr gesegnet war. Aber ok: Die Sonne schien, das Wetter war mild – was will ich mehr? In Gourock, an der Landspitze, an der der River Clyde in den Firth of Clyde übergeht, hatte ich mir ein nettes Frühstückscafé ausgeguckt. Das „One Cove Road“ liegt direkt neben einem großen Park in einer Uferstraße. Leider herrschte Ebbe und der Strand sah nicht wirklich schön aus.

Die Bedienung im Café war sehr freundlich und zuvorkommend, wobei ich höchstens ein Drittel ihrer im Glasgow-Slang geäußerten Sätze verstand. Es reichte aber immerhin, um einen großen Cappucino und „Eggs Benedict“ zum Frühstück zu bestellen. Der schottische Singsang erinnert mich ein bisschen an das Elsässische, fiel mir während des Frühstücks auf, als ich gezwungenermaßen die Unterhaltungen im Raum mitbekam. Ein sicher noch nicht einmal einjähriges Kind am Nebentisch beobachtete mich aufmerksam und vergaß dabei ganz das Sandwich in seiner winzigen Hand.

Weil ich nicht weiter auf der sehr gut ausgebauten A8 mit dem vielen Verkehr fahren wollte suchte ich mir einen Weg zur Uferstraße, die näher am Wasser entlang führt. Durch die Straßen eines Wohngebietes fuhr ich hin und her, weil ich wohl einmal die richtige Abzweigung verpasst hatte. Am Straßenrand anhaltend konsultierte ich meine Karte, um den richtigen Weg herauszufinden, als mich ein Anwohner ansprach: „Hey friend, are you lost?“ Ich erklärte ihm wo ich hinwolle und wie ich zu fahren gedenke. Er meinte, das könne ich schon so machen (nein, er sagte nicht, das sei Kacke), aber besser sei hier gleich rechts und dann am kleinen Einkaufszentrum wieder links, das sei einfacher zu finden. Habe ich schon mal bemerkt, dass die Schotten ein freundliches Volk sind? Seinen Hinweisen folgend ging‘s dann auch schnell auf die von mir geplante Route. So wirklich lang war diese Nebenstraße nicht, denn irgendwann stieß ich wieder auf die unvermeidliche Hauptverkehrsstraße, aber immerhin. Entlang des River Clyde, links grünes Land und ein paar Häuser, rechts das Wasser, fuhr ich gemütlich weiter.

Weil es heute wieder eine relativ kurze Strecke bis zu meinem Hotel in Ardrossan war und ich morgen früh sehr zeitig zur Fähre muss, wollte ich die Strecke bis zum Hafen in Troon schon mal abfahren. Die Fährgesellschaft hatte mir nämlich schon vor ein paar Tagen mitgeteilt, dass die Fähre zur Isle of Arran aus technischen Gründen nicht ab Ardrossan sondern ab Troon fahren wird, das immerhin 25 Kilometer weiter südlich liegt. Den Fährhafen in Troon fand ich auch ganz leicht und kann mir jetzt meinen Fahrplan für morgen früh (Frühstück um sieben Uhr, Abfahrt um 7:45 Uhr, Check-in am Hafen um 8:30 Uhr) gut zurechtlegen.

Weil es noch relativ früh am Nachmittag war setzte ich mich am Stadtrand auf eine Bank und schaute auf das Meer, mit der Isle of Arran im Hintergrund und der winzigen Lady Isle mit ihrem Mini-Leuchtturm halb rechts. Lauschig war‘s, gar friedlich. Menschen flanierten vor mir entlang. Darunter auch ein Trio ordentlich tätowierter Herren mit großem Hund, die scherzend und kräftig furzend an mir vorüberzogen. Außerdem zimmerten zwei Hämmermänner schräg hinter mir ein Dach zusammen, sich laut miteinander unterhaltend, was der Szenerie insgesamt eine ganz eigene akustische Untermalung verlieh.

Das Lauriston Hotel in Ardrossan liegt direkt an der Strandpromenade, und nach ein paar Schritten ist man schon am Strand. Es hat was von einem Bade- oder Kurort am Meer. Das Hotel hat schon bessere Tage gesehen, aber so schlimm wie das letzte ist dieses nicht. Obwohl bei leichter Berührung des Vorhangs während des Duschens in der Badewanne die gesamte Installation mit lautem Krach auf den Boden knallte. Naja, ich hab‘s leidlich wieder hingekriegt.

Offenbar wird es hier eine Art Jahrmarkt, Kirmes oder Kerb – Carnival genannt – geben. Die Schausteller haben sich schon installiert.

Fazit des Tages: Freundliche Schotten singen ihre Sprache mehr als sie sprechen. Ein weiterer kurzer Fahrtag war angenehm. Die Isle of Arran erhebt sich vom Hotel aus gesehen majestätisch am Horizont und ich bin gespannt auf morgen. Denn immerhin hat mir jeder, ich betone: jeder, von der Schönheit der Insel vorgeschwärmt.

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