Azur en Ardenne - Gau-Algesheim

So wie der gestrige Tag geendet hatte begann der heutige: Nebel, Nieselregen, ab und zu ein Schauer, kühler Wind. Weil ja heute die letzte Etappe anstand machte ich mich trotzdem voller Vorfreude auf Zuhause auf den Weg.

Mit dem Motorrad durch die Ardennen zu fahren kann einen Heidenspaß machen: recht gute Straßen, viele Kurven, wenig Verkehr. Allerdings nur, wenn die Sonne scheint und die Straßen trocken sind. Heute war das Gegenteil der Fall. Deshalb fuhr ich auf den Geraden nicht besonders schnell und in den Kurven besonders langsam und vorsichtig. Immer mal lag Laub auf der Straße, ein Kanaldeckel oder seifiger Untergrund besonders in Kurven – kurz: höllische Aufmerksamkeit war gefordert. Dazu kamen die Ortschaften mit ihrem lokalen Verkehr, die ich durchfahren musste. Hin und wieder ein LKW, der einen Sprühnebel aus Wasser und Dreck hinter sich her zog, sodass mein Visier fast undurchsichtig wurde. Zwar wischte ich es ständig frei, aber das hielt jeweils nur für ein paar Sekunden.

Nach zwei Stunden solcher Fahrerei hatte ich die Faxen dicke, hielt unter einer ausladenden Linde auf dem Bürgersteig an und plante meine Route neu. Kleine kurvenreiche Straßen zu fahren war mein ursprünglicher Plan gewesen, aber nicht länger unter diesen Umständen. Also den schnellsten Weg nach Gau-Algesheim gesucht, diesmal mit Autobahnetappen. Das war leichter gesagt als getan, denn erst einmal musste ich aus den Ardennen raus, dann durch die Eifel und schließlich Richtung Hunsrück fahren. Nach einer Stunde war ich dann aber auf der A60, die nach rund 20 Kilometern in die B50 (Hunsrückhöhenstraße) überging. Das war zwar nicht schön zu fahren, aber ich kam voran und musste vor allen Dingen nicht vor jeder Kurve das Gas wegnehmen.

In Simmern machte ich noch einen kurzen Tank- und Kaffeestopp, es klarte auf. Den Regen hatte ich hinter mir gelassen. Je näher ich dem heimischen Herd kam, umso mehr zeigte sich die Sonne und es wurde merklich wärmer. Das tat gut, denn in den Mittelgebirgen mit dem vielen Regen war die gefühlte Temperatur doch nur knapp über dem Gefrierpunkt und meine Finger waren langsam steif geworden.

Fast wieder trocken und mit einem Lächeln im Gesicht rollte ich in den Bangert, wo Friderike mich schon mit gezücktem iPhone erwartete. Schön, wieder zuhause zu sein.

5.965 Kilometer liegen hinter mir, davon allein 4.660 auf der Straße mit dem Motorrad, der Rest sind die Fährstrecken. Nicht schlecht für einen vierwöchigen Kurztrip nach Schottland.

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