Garve - Ullapool - Stornoway - Carloway
Ein Kuckuck am Morgen … – Auch hier gab es einen, allerdings in Ermangelung von Bäumen ein paar hundert Meter weiter in einem kleine Wäldchen. Aber bis zum Hotel war er gut zu hören.
Frisch gestärkt und frohgemut fuhr ich die etwa 30 Kilometer nach Ullapool, von wo aus heute meine Fähre auf die Äußeren Hebriden fahren sollte. Ullapool ist ein kleines ehemaliges Fischerstädtchen bzw. -dorf mit etwa 1500 Einwohnern. Es liegt sehr malerisch zwischen Anhöhen, und der Hafen scheint auch heute noch (neben dem Tourismus) die Haupteinnahmequelle zu sein. Die Fähre nach Stornoway auf der Insel Lewis fährt hier zweimal am Tag. Überpünktlich um 11.20 Uhr ging es los. Kaum hatte das große Schiff begonnen, sich gemächlich in Bewegung zu versetzen, da ging auch schon das wilde Gepiepse der Alarmanlagen all jener Fahrzeuge los, deren Fahrer vergessen hatten, sie abzuschalten. Diese Geräuschkulisse sollte uns die ganze zweieinhalbstündige Überfahrt begleiten.
Allwissenheit ist das Privileg der Jugend. Auf der Fähre lernte ich eine junge Motorradfahrerin mit Kennzeichen aus Hamm kennen. Sie hatte zwar erst vergangenes Jahr ihren Motorradführerschein gemacht, wusste aber alles über‘s Motorradfahren, erklärte mir die Vorzüge ihrer elektronisch aufgerüsteten BMW (Tempomat, regelbares Fahrwerk, GPS, BMW Connect – den Rest habe ich sofort wieder vergessen) und so weiter. Royal Enfield hatte sie noch nie gehört. Herrje kann man sich alt fühlen, wenn man die jungen Leuten so quasseln hört. Jaja, ich weiß: Ich bin alt.
Wir näherten uns der Insel Lewis und deren größtem Hafen Stornoway. Zum Glück hatte die Wettervorhersage mal wieder ordentlich daneben gelegen, denn der blaue Himmel sah so gar nicht nach dem angekündigten Regen aus.
Weil ich ja immer gerne Stellen anfahre, an denen es nicht mehr weiter geht, fuhr ich vom Hafen aus direkt zum Butt of Lewis. Auf dem Weg dahin hätte ich aber mal wieder „midde Eiseschtong druffschlooche“ können. Eine belgische Würstchenbude zuckelte über viele Kilometer mit maximal 50 km/h über die Landstraße, auf der man 100 km/h fahren durfte und konnte. Die Einheimischen gern auch etwas mehr. Jedenfalls zogen diese rücksichtslosen Touristen eine Schlange von gut zwei Dutzend Fahrzeugen hinter sich her, ohne auch nur Anstalten zu machen, jemanden vorbei zu lassen. Dabei hatten sie auch noch die niedrige Stirn, mit eingeschalteter Warnblinkanlage zu fahren. Als ich sie trotzdem überholte, sah ich auch warum: Die Beifahrerin war dabei, mit gezücktem Smartphone die vorbeiziehende Landschaft zu filmen! Ist es die Möglichkeit? Aargh!! (um einen Erikativ zu bemühen).
Zurück zu den schönen Dingen: Der „Hintern von Lewis“ mag für die Einheimischen sowas wie der Arsch der Welt sein, wo man ja gerne mal ein Kerzchen leuchten lässt (= maximal gelungene Überleitung – Schirmers bei Tisch!). Der Leuchtturm ist natürlich noch in Betrieb, sieht schick aus und steht an einer ausnehmend schönen Stelle. Die Brandung, der Wind und die Sonne lassen Meeresurlaubsgefühle entstehen, sofern es sowas überhaupt gibt. Und auf den der Landspitze vorgelagerten Felsen brüten Möwen und andere Seevögel. Man muss aber schon genau hinschauen, um sie auf dem Bild zu erkennen.
Lustigerweise traf ich hier auch wieder auf die Motorradfahrerin aus Hamm. Sie hatte unterwegs hierher einen Viewpoint gesucht, aber nicht gefunden (so viel zu ihrem Super-Duper-Navi), und kam daher nach mir an, obwohl sie vor mir losgefahren war. Weil sie eine komplette Campingausrüstung auf ihrer Maschine transportierte, lud sie mich sogar zu einem Kaffee ein. Fand ich nett, zumal es ein guter deutscher Melitta-Filterkaffee war, also nix löslich.
Urlaubsatmosphäre genossen, Kaffee getrunken: Nach einer Dreiviertelstunde brach ich in Richtung meiner heutigen Behausung auf, den Regen verheißenden Wolken entgegen. Die Landschaft hier ist ja so platt wie ein Pfannkuchen, mit der einen oder anderen Luftblase darin, denn es geht immer mal wieder rauf und runter. Aber wirklich zu sehen gibt es nix. Deshalb klammert man sich seitens der Touristinformation wohl an jede Möglichkeit, Interesse zu wecken. So auch im Falle des „Clach an Trushal“, einem eher kleinen (vier Meter hoch?) Hinkelstein, der zwischen Straße und Meer irgendwo im Nirgendwo steht.
Der Kuckuck vor meinem Hotel ist übrigens polyglott oder eine Amphibie (Kröte, Frosch oder sowas in der Art).
Fazit des Tages: Das schottische Wetter sagt mir bisher (außer am 4. Mai in den Cairngorms) sehr zu. Der Kuckuck scheint mich zu begleiten, weil ich nach der Kuckucksuhr in der Pine Marten Bar (ebenfalls am 4. Mai) und den tatsächlichen Kuckucken gestern und heute nun schon zum dritten Mal den Ruf dieses unscheinbaren Vogels gehört habe. Spektakel ist anders: Lewis ist bislang sehr „inselig“: Links und rechts Meer, dazwischen vom Wind leer gefegtes Land mit hie und da ein paar Häuschen, die sich dann Dorf oder gar Stadt nennen.