Fort William - Oban
Weil es in der Bank Street Lodge auch kein Frühstück gibt genoss ich vor der Abfahrt lediglich einen löslichen Kaffee auf meinem Zimmer.
Nachdem es noch ein paar Kilometer am Loch Linnhe entlang ging bog ich dann rechts ins Glencoe-Tal ein. Zuallererst sollte es ein kleines Frühstück sein, wofür ich mir das Clachaig Inn schon vorgemerkt hatte. Kurz vor halb elf war ich dort, das Inn war offen, aber weder die Küche noch die junge Dame hinter der Bar waren auf Betriebstemperatur. So dauerte es, bis ich meinen Cappucino (sie musste mehrfach nachsehen, wie der gemacht wird) und eine original schottische Kalorienbombe – halb Schokokuchen, halb Karamelltopping –, was anderes gab‘s nicht, bekommen konnte. Immerhin gab es Sonne und einen sagenhaften Blick zum Frühstück. Nach einer Weile kam ein Schotte mit seiner Norton aus dem Jahr 1979 angebollert und setzte sich an den Nebentisch. Also kamen wir ein bisschen ins Plaudern über Motorräder, das Wetter und die deutschen Verteidigungsausgaben.
Das Glencoe-Tal wird ja allenthalben gehypt ob seiner Schönheit, und auch, weil hier mal ein paar James Bond-Aufnahmen gemacht worden sind. Schön ist es wirklich, allerdings auch ziemlich kurz. Und überlaufen. Eigentlich wollte ich die Kamera beim Fahren einschalten, um die Szenerie filmisch festzuhalten. Aber sowohl nach vorn als auch nach hinten hätte das nur Aufnahmen von Fahrzeugschlangen ergeben. Meine vorgemerkten Haltepunkte Three Sisters Of Glencoe, Buachaille Etive Mór Viewpoint und Rannoch Moor Viewpoint sparte ich mir. Bei ersteren war es so voll, dass es eine Warteschlange auf der Straße vor dem Parkplatz gab. Die beiden letzteren, jeweils Hochmoore, sind zwar nett anzuschauen, aber letztlich nur ein braungrünes welliges Stück Land mit ein paar größeren Pfützen darin.
Dann doch lieber zum Loch Tulla, einem schönen kleinen See ein paar Kilometer weiter. Auch wenn hier ebenfalls Hochbetrieb herrschte fand ich doch wenigstens einen einigermaßen ordentlichen Stellplatz für mein Motorrad. Ich hatte den Eindruck, dass die Japaner (dafür sind sie bekannt, kein Vorurteil) jedem Halt ihres Reisebusses entgegenfieberten, um sich sofort eine Lulle anzustecken. Und das noch, bevor sie das Smartphone gezückt hatten.
Es wurde wärmer, die Luft duftete nach Gras und Torf. Und wenn ich an fotografierenden Menschen am Straßenrand vorbeifuhr mischte sich auch noch deren Standard-Hotelshampoo-Duftwolke dazu. Hätt ich jetzt so nicht gebraucht. Von der A-Road mit dem vielen Verkehr hatte ich die Nase voll (im wahrsten Wortsinne) und bog auf eine Single Track Road ins Glen Orchy ab. Das ist ein unregelmäßig asphaltierter besserer Feldweg durch das Tal am Flüsschen Orchy entlang.
Hier fand ich mittendrin ein wunderbares Plätzchen für eine kleine Verschnaufpause. Dieser Ort gefiel mir so gut, dass ich fast eine Dreiviertelstunde sitzen blieb und dem Wasser zuschaute und lauschte. Sehr beruhigend das.
Kilchurn Castle sollte man auch gesehen haben. Es gab sogar Leute, die eine gute Stunde dort hinwanderten. Immerhin liegt es schön und man kann an dem Gemäuer noch die ursprüngliche Form erkennen.
Weil ich durch das Auslassen einiger Stopps auf meiner Strecke relativ früh dran war genehmigte ich mir eine Pause mit Kaffee und Hot Dog an den Ganavan Sands, einem kleinen Strand ein Stück außerhalb Obans, meines heutigen Zieles. Trotzdem war ich noch etwas zu früh für den Check-in am Heatherfield House und saß daher dort noch ein wenig im Garten, genoss den Blick über die Dächer der Stadt und lauschte dem Vogelgezwitscher.
Oban ist ein lebhaftes, kleines Küstenstädtchen, und heute Abend hatte es sogar mediterranen Flair. In der Abendsonne war es sogar im T-Shirt zu warm. Zu Fuß und in ihren Autos flanierten die Menschen entlang der Esplanade. Zum Abendessen gab es Chicken Kiev und Seven Peaks IPA. Guter Wein is ja hier nich.
Fazit des Tages: Die guten Straßen entlang der touristischen Routen sind auch jetzt schon, Mitte Mai, zu meiden. Duschen hätte in allen Fällen gereicht. Und das Wetter macht keine Anstalten, schlechter zu werden.