Dumfries - Newcastle

Über Nacht war ein Ausläufer des Islandtiefs vorübergezogen. Einige weitere sollten noch folgen. Nach dem Frühstück (ich war ein paar Minuten zu früh dran, weil ja Sonntag ist und ich völlig die Orientierung hinsichtlich der Wochentage verloren hatte) trocknete ich erst einmal mein Motorrad ab, packte und fuhr los.

Es waren nur wenige Kilometer bis Gretna Green, wo Friderike und ich ja schon vor zehn Jahren einmal gewesen waren. Natürlich gab es hier wieder einen touristischen Auflauf; insbesondere Asiaten fotografierten sich gegenseitig in den unmöglichsten Posen vor allem, was immobil war. Der emsig trötende Dudelsackspieler unseres letzten Besuchs war auch (noch?) nicht (mehr?) da. Im „Famous Blacksmith Shop“ war ich natürlich nicht, und geheiratet habe ich auch nicht mehr.

Es stürmte weiterhin aus westlicher Richtung und ich fuhr den Hadrianswall entlang gen Osten. An der einen oder anderen Stelle, an der mal ein römisches Fort oder eine Siedlung gestanden hat, hielt ich an. Eintritt wollte ich jedoch keinen bezahlen, und für eine Wanderung war das Wetter zu schlecht, weil es immer mal wieder schauerte. So begnügte ich mich mit Fotos der Infotafeln und einem doppelten Espresso im Café.

Am Chesters Roman Fort and Museum hatte ich noch ein lustiges Erlebnis. Weil draußen keine Eintrittspreise angeschlagen waren ging ich schnurstracks durch den Shop auf die rückwärtige Tür zu, die in den Garten und auf das Gelände der römischen Befestigung führt. Den Türknauf schon in der Hand wurde ich von den drei Grazien an der Kasse zurückgepfiffen. Die ältere erklärte mir, dass es hier Eintritt kostet. Ich erklärte, draußen stünde davon nichts, weshalb ich direkt durchgehen wollte. Doch doch, das sei so. „Also ist das hier die Paywall“? „Nein, hier gibt es keine Wand. Nur ein paar Mauern“, entgegnete die Dame, holte eine Karte raus und begann mit Erklärungen. Sie hatte ganz offenbar die Doppeldeutigkeit nicht verstanden. Ihre jüngeren Kolleginnen grinsten sich eins.

Wegen der hohen Windgeschwindigkeiten hatte ich keine Chance, den Tiefausläufern zu entkommen. Immer wieder flogen sie über mich drüber und der Regen prasselte auf mich ein. Na, dachte ich, kaum in England und schon wird das Wetter scheiße. Auf der relativ gut ausgebauten Straße, die die Landschaft in vielen Fällen schnurgerade durchschnitt, fuhr ich manchmal wegen des heftigen Seitenwindes Schlangenlinien. Wegen der meteorologischen Unbill kam ich früher als geplant am Fährhafen an und reihte mich in die schon bestehende Schlange der Motorradfahrer ein. Nach dreiviertelstündiger Wartezeit durften wir aufs Schiff, unsere Motorräder selber festzurren und uns auf die oberen Decks begeben.

Ein letzter Blick über Newcastle, die Armbanduhr noch schnell eine Stunde vorgestellt (auf dem Schiff gilt CET: das ist wichtig, um das Abendessen nicht zu verpassen) und es geht zurück auf den Kontinent.

Fazit des Tages: Kein Kuckuck mehr, nur wenig Sonne, dafür sehr viel Wind und ein paar kräftige Schauer. Der Abschied wird mir nicht schwer gemacht.