Dingwall - Invergordon
Über Nacht kam das Tief über Nord-Schottland hinten wieder hoch und lockte mit blauem Himmel, von ein paar Wölkchen dekoriert. Auch die Temperatur war knapp im zweistelligen Bereich. Es kündigte sich ein schöner Tag an, an dem ich die Gegend zwischen Dingwall und Invergordon erkunden wollte. Nicht viele Kilometer, aber einige Punkte zum Anschauen.
Nach den gestrigen Erfahrungen hatte ich mir überlegt, vielleicht doch etwas wärmer angezogen loszufahren. Das sollte sich schnell als übertriebene Vorsicht herausstellen. Also packte ich nach einem „So lala”-Frühstück meine Sachen und fuhr die ersten etwa 15 Kilometer zu den Rogie Falls. Das sind schöne kleine Wasserfälle, die vom Parkplatz aus über ungefähr 500 Meter Fußweg zu erreichen sind.
Die Hängebrücke über den Fluss schaukelte etwas, was den Hund des Paares, das vor mir lief, dazu veranlasste, mit eingeklemmtem Schwanz und fiepend Schutz zwischen den Beinen seines Herrchens zu suchen.
Über die Moray Firth Tourist Route, eine angeblich touristische Strecke durch die schön geschwungene Landschaft, fuhr ich weiter in Richtung Touch Stone Maze. Das ist ein Steinkreis, der irgendwo mitten im Feld steht. Allerdings endete die Zufahrt in einem Feldweg, der dann auch schnell durch ein großes Gatter versperrt war. Kein Parkplatz weit und breit, und noch etwa eineinhalb Kilometer zu laufen. Die sparte ich mir, denn Steinkreise werde ich hoffentlich auf meiner Reise noch genügend zu sehen bekommen.
Also ging es noch ein paar Kilometer weiter zum „The Storehouse“ in Eventon, wo ich eine ausgiebige Rast zum Mittagessen machte. Es liegt sehr schön an dem Meeresarm, der bis nach Dingwall führt. Draußen sitzend mit Blick aufs Wasser genoss ich die Ruhe und das schöne Wetter bei angenehmen Temperaturen. Die Chili-Garlic-Tofu-Bowl war lecker, und das (oder die?) Orangina ist sowieso eine Klasse für sich.
Nach einer guten Stunde des Müßiggangs fuhr ich weiter nach Fortrose mit dem Chanonry Lighthouse, das am Ende einer Landzunge steht. Diesen zusätzlichen Punkt hatte ich mir sozusagen als Ersatz für die verpassten Steinkreise gegönnt. An dieser Stelle sollen auch immer Delfine zu sehen sein. Zahlreiche Touristen hockten am Ufer und starrten gebannt auf das Meer. Die Tiere ließen sich aber nicht blicken. Ein paar Fuzzis mit Riesenobjektiven an ihren Fotoapparaten waren auch da. Die erinnerten mich an die „Ornis“ auf Helgoland.
Die Zufahrt zu diesem Zipfel Landes verläuft übrigens durch einen Golfplatz. Das war sehr lustig: Links und rechts von mir versuchten die Menschen zu putten, und ich tuckerte seelenruhig mittendurch. Ganz ungefährlich scheint die Strecke aber nicht zu sein, wenn man den Schildern Glauben schenken darf. Aber schöne Ausblicke über den Meeresarm und die Küste gab es allemal.
Über die Cromarty Bridge ging es wieder von der Black Isle zurück auf‘s Festland.
Der nächste Punkt auf meiner Liste von Stellen, die man gesehen haben muss, war das Fyrish Monument, ein Bauwerk von 1782, dessen einziger Zweck die Arbeitsbeschaffung gewesen ist, nachdem die Bevölkerung von ihrem Land vertrieben worden war. Das war und ist zwar löblich, aber drei Kilometer Fußweg vom Parkplatz hin und auch wieder zurück, die schenkte ich mir. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte.
So fuhr ich die restlichen paar Kilometer zu meiner Unterkunft in Invergordon. Die liegt direkt an der Straße nach Norden, die ich morgen fahren werde, und die das Etablissement vom Wasser trennt.