Carbost - Balmacara

Der gemeine Atlantische Hering (Clupea harengus) ist ja nicht wirklich ein mitteilsames Wesen. Geräuchert und in Butter angebraten zum Frühstück kommunizierte er jedoch noch den halben Tag mit mir.

Beim Check-out teilte mir die Rezeptionistin mit, dass die einzige Straße (die ich zu fahren gedachte) wegen eines Unfalls ein paar Kilometer weiter voll gesperrt sei. Wir mutmaßten lachend, dass hier zwei „bloody tourists” mit ihren gemieteten Wohnmobilen nicht aneinander vorbeigekommen waren und den Stau verursacht hatten.

Also fuhr ich vom Old Inn & Waterfront Bunkhouse zunächst mal wieder ein paar Kilometer zurück nach Portree, um mir den Hafen dort anzuschauen, den ich gestern wegen hohen Verkehrsaufkommens nicht erreichen konnte. Die bunten Häuser entlang der Mole hatte ich zwar von weitem gesehen, fand aber nicht das Loch, um dort hinunter zu fahren. Heute klappte das. Überhaupt ist das Örtchen außer entlang der Hauptverkehrsader, die sich mittendurch windet, sehr pittoresk.

Nun konnte es endlich auf meine heutige Strecke gehen, wobei ich zunächst noch das Angenehme mit dem Nützlichen verband und auftankte.

Die Fairy Pools schonk ich mir ob des hohen Touristenaufkommens und des langen Fußwegs durch Matsch und Moor dorthin. Dasselbe galt für die Sligachan Waterfalls. Ich hatte ja eigentlich gedacht, dass ich in der Vorsaison unterwegs die meisten meiner als Sehenswürdigkeiten markierten Punkte auch aufsuchen könnte. Busseweise Touris, in Horden fahrspurbreit durch die Gegend zuckelnde Radfahrer sowie Wanderer und Spaziergänger mit Idiotenzeptern belehrten mich leider eines besseren. So blieb mir nur ein wönziger Augenblöck, um wenigstens die alte Brücke an der Abzweigung in Richtung Westen und schottisches „Festland“ praktisch nasenfrei zu erleben.

Die weitere Fahrt war größtenteils ereignislos, führte aber durch ansehnliche landschaftliche Formationen in Richtung des südlichen Teils der Isle of Skye mit Namen Sleat.

Im Armadale Castle war natürlich der Eintritt wieder mein Feind. 13,50£ für Senioren? Nö, nicht mit mir. Die Nachfahren des Clans der MacDonald nehmen es von den Lebenden, weil von den Toten nichts mehr zu erwarten ist. Lieber gönnte ich mir eine schöne Mittagspause im schottischen Stil mit Tagessuppe, Kaffee und „Coffee Walnut Cake“.

So gestärkt fuhr ich zur Torabhaig-Destille. Kaufen wollte und konnte ich (wegen des eingeschränkten Transportvolumens auf dem Motorrad) ja nichts, aber einen Rundgang über das Gelände und durch den Shop war immerhin drin. Schön gelegen ist die Brennerei ohnehin, mit Blick aufs Meer und ein (wie sollte es auch anders sein?) verfallenes Schloss.

Durch die wenig ansehnliche Landschaft mit vor allen Dingen Mooren links und rechts der Straße fuhr ich dann gen Norden über die Brücke bei Kyleakin, die von Skye auf das schottische „Festland“ führt. Schöner Blick, immerhin.

Die Gegend wurde wieder grüner und baumbestanden, mit dem unvermeidlichen gelben Stechginster (Ulex europaeus) am Wegesrand. Rechts das Meer, links das Land. Nur noch wenige Kilometer bis zum Balmacara Hotel, aber mit noch einer Schrecksekunde hinter einer Linkskurve versehen. Nix passiert und gut angekommen. Aber aufmerksam sollte man zu jeder Zeit sein, auch wenn die Straße gut ausgebaut ist und man gemütlich vor sich hin tuckern kann.

Meine Unterkunft liegt direkt an der Straße, und dahinter liegt das Meer.

Fazit des Tages: Nicht viel Strecke gemacht, aber viel gesehen. Und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es hier touristenmäßig im Sommer aussieht. Die eiern hier jetzt schon zuhauf rum, blockieren die wenigen Straßen mit ihren Wohnmobilen, SUVs und Fahrrädern, als ob sie allein auf der Welt wären. Ach ja, der Kuckuck hat mich verlassen – und „Red Nose Day“ ist weiterhin angesagt.

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