Balmacara - Fort William

Auf meinem Weg von Balmacara nach Fort William standen heute mehrere Haltepunkte auf meinem Programm.

Schon wenige Kilometer nach meinem Hotel hielt ich am Eilean Donan Castle, dem Highlander-Schloss. Für ein Foto aus der Ferne reichte es, weil um halb zehn Uhr morgens schon der Teufel los war. Die Parkwächter hatten bereits alle Hände voll zu tun.

Die Fahrt ging durch abwechslungsreiche Landschaft über ziemlich gut ausgebaute Straßen zum „Waterfall River Shiel“. Mein Motorrad stellte ich im Gebüsch neben der Straße ab und marschierte zum vermeintlichen Wasserfall. Leider war dieser, wohl wegen Trockenheit, nur ein plätscherndes Rinnsal zwischen ein paar Steinen und ich stellte mir laut die Frage: „Wollt ihr mich verarschen? Wasserfall?“. Also gleich wieder weiter gefahren, durch die an manchen Stellen ziemlich kahlköpfige Gegend.

An einigen Lochs (nicht Löchern) entlang rollte ich bei mäßigem Verkehr durch die Landschaft. Das erste, Loch Cluanie, war schon sehr schön anzuschauen. Der Spaß dauerte aber nur ein paar Minuten, weil es doch ein recht kleines Loch ist. Da ist das Loch Garry doch schon ein anderes Kaliber, liegt allerdings wegen immer üppiger werdender Flora von der Straße aus gesehen ein wenig versteckt.

Noch versteckter liegt das Invergary Castle inmitten eines Wäldchens. Dort ärgerte ich mich erst mal wieder über ein Touristenpaar, das sich zielgerichtet immer wieder zwischen mich und mein Fotomotiv schaffte, ohne auch nur darauf zu achten, ob man stört oder nicht. Dabei waren es manchmal nur zwei oder drei Meter. Wie sich herausstellen sollte kamen sie aus Mannheim, und im Gespräch jammerte mir die Dame was vor, weil sie viel zu viele warme Sachen für dieses Wetter dabei habe. Genau mein Ding. Deshalb schlich ich mich ins Gebüsch neben dem Schloss bzw. dessen, was noch davon übrig ist.

Und noch ein schönes Loch am Straßenrand, das Loch aller Löcher mit Namen Loch Lochy (kein Scheiß). Über viele Kilometer fuhr ich an dessen Ostufer entlang in Richtung Süden bis nach Spean Bridge, wo ich eine Kaffeepause einlegte. Dort traf ich eine Truppe schottischer Motorradfahrer, die auf einer nach ihren Worten 10.000 Meilen-Tour waren. Durch England über Spanien, Italien, die Schweiz und Deutschland wollten sie einen großen Kringel durch Europa fahren. Respekt! Dagegen macht sich meine 5.000-Kilometer-Tour „voll mickrig, ey“ (O-Ton Toyah) aus.

Weil mir die Hauptstraße rechts entlang der Lochs auf die Dauer zu eintönig geworden war modifizierte ich meine Route kurzfristig und fuhr einen Umweg über kleine Straßen und Single Track Roads. Das war viel schöner, aber auch viel anspruchsvoller zu fahren. Straßenzustand und Gegenverkehr allenthalben verlangten eine Menge mehr Konzentration und physischer Arbeit als auf der A-Road, wo es einfach nur rollte. Und schattiger war es hier auch.

Das sollte sich an „Neptune’s Staircase“ aber schnell wieder ändern. Das ist eine Abfolge von Schleusen, die treppenartig hintereinander liegen, und die längste Schleusenanlage Großbritanniens. Hochmodern wird sie mit Chips der neuesten Generation und mit KI gesteuert.

Der letzte Abstecher des heutigen Tages ging dann noch zum „Glenfinnan Viaduct“, Harry Potter-Fans durch den Hogwarth-Express bekannt. Harry Potter kenne ich nur vom Namen her, aber beeindruckend ist das Bauwerk schon. Genauso beeindruckend war auch die Anzahl der Touristen, die sich bei hohen Temperaturen hier zwischen dem staubigen Parkplatz und dem Viadukt herumtrieben. Also hurtig das Weite gesucht und nach Fort William zu meiner Unterkunft gefahren.

Die Bank Street Lodge bietet sehr einfache Zimmer zum bezahlbaren Preis, aber null Verpflegung. Deshalb speiste ich im Caorann (sprich Ka-ruhn) Restaurant, wo man mich in einem niedlichen Séparée unterbrachte.

Fazit des Tages: Es wird immer wärmer, die Gegend verändert sich sukzessive, und die Probleme der Mannheimerin kann sie behalten. Zwischendrin mal Strecke machen und gemütlich über A-Roads zu rollen ist zwar ganz erholsam, aber der Reiz liegt doch abseits des Ausgebauten.

Bewegte Bilder: