Sens - Clermont en Argonne

Die letzten Tiefausläufer wartete ich noch ab, bevor ich kurz nach zehn Uhr losfuhr. Wenn ich der Wettervorhersage glauben schenken durfte sollte ich einigermaßen trocken über die Strecke kommen, obgleich es immer noch ein wenig nieselte.

Aus Sens heraus ging es sogleich über schöne Landstraßen und ebenes Land, jetzt sogar mit der Sonne als Begleiterin. Immerhin hatten wir knapp über zehn Grad, also zweistellige Temperaturen und folglich günstiges Motorradwetter. Die Gegend hier war topfeben, Felder, Weiden und Wiesen rechts und links des Wegs, hin und wieder ein Wäldchen. Da ließ es sich ganz bequem durch die Landschaft fahren.

Nach etwa zwei Stunden hatte ich dann aber, trotz gemütlichen Fahrens, die dunklen Regenwolken eingeholt. Und ein Wind pfiff hier! Mit 60 km/h blies er in der Regel von vorn oder von der Seite, was nicht wirklich angenehm war. Woher weiß ich so genau, wie schnell der Wind war? –Empirie: In den wenigen Fällen, in denen ich Rückenwind hatte, war es bis ca. 60 km/h totenstill in meinem Helm, nur darüber pfiff dann leise der Fahrtwind. Zwar war ich in Mathe eine Null, aber mich lässt das Gefühl nicht los, dass meine Rechnung dieses Mal aufging.

Zeigte sich die Sonne, waren es, wie gesagt, knapp über zehn Grad, im Regen knapp darunter. Und weil das Wasser auf dem Anzug beim Fahren auch noch kühlte begann ich bald, leicht zu frieren. Das war weniger schön, zumal es zwischendrin ordentlich pladderte.

Heute war ja Sonntag, da war auf den Straßen noch weniger los als gestern, und eine geöffnete Bar für eine Kaffeepause gab’s auch nicht. Also fahrn, fahrn, fahrn – nur hin und wieder ein kurzer Stopp für ein Foto oder so. Die Gegend selbst gab ja nicht viel her (daher auch meine epische Breite zum Thema Wetter), war weiterhin flach und mäßig abwechslungsreich.

Nach etwa drei Stunden bog ich gen Norden ab und ließ die Tiefausläufer weiter westwärts ziehen. So konnte ich das tolle Licht im Rückseitenwetter bestaunen und sogar einen Regenbogen fotografieren. Leider war der fast schneller wieder weg (siehe Windgeschwindigkeit) als ich anhalten und ihn aufnehmen konnte und ist deshalb nur noch blass im Bild zu erkennen. Immerhin habe ich es versucht.

Zwei Schauer weiter zeigte sich die Sonne dann endgültig, als ich auf Auzéville-en-Argonne zurollte. „Chez Agnès“, mein heutiges Quartier, war schnell gefunden. Im Restaurant saß noch eine große Gruppe „Ancien Combattants“ oder so ähnlich. Zumindest sortierte ich sie ob des Durchschnittsalters und ihrer mit Orden behängten Uniformjacken so ein. Sie schienen das Mittagessen gerade beendet zu haben (es war kurz vor vier) und unterhielten sich noch lautstark (vielleicht mangels Hörgeräten) beim Café.

Fazit des Tages: Kalt und nass war es. Das Land ist sowas von flach, und obwohl ich nun schon in der Champagne bin habe ich noch keinen Weinberg oder -garten gesehen. In der Auberge gibt es rosa Klopapier. Schon sehr lange nicht mehr gesehen. BTW: Was man in den Fahrvideos auch nicht sieht sind die vielen Unebenheiten der Straßen. Die gleicht die Software aus, sodass es den Anschein hat, als sei die Straßenoberfläche schön eben.

Bewegte Bilder:

Hier kann ein Untertitel zum Video stehen.
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