San Pere Pescador - Barcelona
Im Anschluss an die Sportschau (die Mainzer haben 4:1 in Augsburg gewonnen) bin ich gestern Abend eingeschlafen und erst heute morgen um acht Uhr wieder aufgewacht. Die Fahrerei und die Hitze gestern hatten mich doch ordentlich geschafft.
In der Sonne auf der Terrasse gefrühstückt und dann das Motorrad beladen – da war mir der Schweiß schon wieder ausgebrochen. Kaum saß ich auf dem Motorrad und fuhr in Richtung Girona, da zog sich der Himmel zu, schwarze Wolken verhießen nichts Gutes, und schon bald fielen die ersten Regentropfen. Bis dahin war ich wenigstens mit offener Jacke gefahren und konnte mich abkühlen. Damit war nun Schluss.
Hinter Girona geriet ich in ein veritables Gewitter. Blitze vor, hinter und neben mir, direkt gefolgt von gewaltigen Donnerschlägen. Und der Himmel öffnete seine Schleusen. Trotz extrem vorsichtiger Fahrweise schwänzelte das Motorrad in mancher Kurve bedenklich. Zum Glück war der Spuk eine halbe Stunde später wieder vorbei und ich hielt an einer verlassenen Tankstelle, um das Wasser ablaufen zu lassen und um das Rückseitenwetter zu fotografieren.
Der Rest der Strecke verlief zumeist über gut ausgebaute Nationalstraßen und unter ständigem Wechsel von Regen und Sonnenschein. Die letzten 15 Kilometer bis zum Hafen ging es in schwüler Hitze und einer Menge Abgasen im Stop-and-Go. Fast eine Stunde habe ich dafür gebraucht.
Entsprechend durchgeweicht parkte ich am Check-in der Fährgesellschaft: keiner da. Ein paar hundert Meter weiter fand ich eine Balearia-Vertetung, wartete in der Schlange vor dem einzigen geöffneten Schalter eine weitere halbe Stunde, um das Terminal meiner Fähre zu erfragen. „Terminal F1“, war die Antwort. „Und wo ist das?“ – „Geben Sie es in Google Maps ein, dann finden Sie es schon.“ Na toll! Also wieder die zehn Minuten zum Motorrad zurück gelaufen – wohlgemerkt immer in voller Montur– und die viereinhalb (!) Kilometer zum Terminal gefahren. Die Stunde, die ich zu früh hier war hatte ich auch echt gebraucht.
Nach einer Dreiviertelstunde in der nächsten Warteschlange ging es dann endlich auf‘s Schiff. Es goss in Strömen, und nach den wenigen hundert Metern waren alle wieder nass. Die Platzanweiser auf dem Parkdeck wedelten eifrig die zahlreichen Motorräder hin und her. Bei einem dieser Folgemanöver geriet ich (siehe Rentner in Mont-Dauphin) in die Rinne zwischen zwei Fahrspuren. Weil das glatte Metall des Bodens auch noch pitschnass war kam ich nicht mehr raus, rutschte nur und landete auf der rechten Seite. So eine Krümelkacke! Unter kräftiger Mithilfe zweier Fährmitarbeiter kam das Motorrad wieder in die Senkrechte und nach mehreren Versuchen auf dem spiegelglatten Untergrund auch wieder aus der Rinne raus. Eine große Linkskurve zu meinem randständigen Parkplatz sollte ich fahren – keine Chance: Die Maschine rutschte mit eingeschlagenem Vorderrad nur geradeaus, bremsen half nicht. Mit beiden Füßen fest auf dem Boden gleitend manövrierte ich uns beide dann irgendwie an die richtige Stelle. Nichts weiter passiert, die Aktion hat nur eine Menge Schweiß und Nerven gekostet.
Auf der klimatisierten Fähre konnte ich dann endlich abkühlen und meine Klamotten trocknen. Und während auf den bordeigenen Fernsehern die Live-Übertragung des Fußballspiels Mallorca gegen Atletico Madrid lief heizte die Fähre mit einem Affenzahn über das Meer.
Pünktlich in Alcudìa angekommen, ein paar Kringel bis zum Hotel gefahren, eingecheckt und mein Gepäck ins Zimmer getragen, und schon war ich wieder schweißgebadet. Die Temperaturen hier in Kombination mit der Luftfeuchtigkeit sind auch noch abends um halb acht einfach höllisch.
Fazit des Tages: Viel Nass von außen und von innen. Ich kann gar nicht so schnell trinken, wie ich schwitze, wobei ich natürlich nicht jeden Schluck Wasser dokumentiere. Die Elektrolytabletten sind hilfreich. Wieder ein Touristenhotel, aber mit durchaus leckerem Abendbuffet und einem ordentlichen Zimmer. Viele Rentner hier, oft begleitet von Renter-Gattinnen nebst Schoßhund, der auch in der Regel nicht selbst laufen kann. Und der bedauernswerte Alleinunterhalter auf der Bühne der Hotelbar versucht vergeblich, die wenigen gelangweilten älteren Herrschaften wozu auch immer zu animieren.