Pontarlier - Thonon-les-Bains

Nach dem Frühstück, das dem Abendessen gestern in nichts nachstand, begab ich mich zunächst zur Tanke gegenüber. Hochkomplexer Zahlungsvorgang! Natürlich hatte ich die Zapfpistole schon in den Tank gehängt, bevor ich las, was auf der Zapfsäule vermerkt war: Erst bezahlen, dann tanken. Ich also zahlungswillig zur Kasse gegangen, wo mich die Dame hinter dem Tresen zunächst einmal darüber aufklärte, wie das hier zu laufen hat. Für die Bezahlung müsse ich nämlich die Zapfpistole erst wieder einhängen, dann zu ihr zum Bezahlen zurückkommen, und dann erst könne ich tanken. Ciel, mes bijoux! Also das Ganze nochmal von vorn – und die zu tankende Menge musste ich auch im Voraus angeben. Nach mehrfachem Hin- und Hergelaufe war der Tankvorgang dann endlich zur Zufriedenheit der Dame – und zugegebenermaßen auch zu meiner, weil ich ja jetzt das Benzin im Tank hatte – gelaufen und es konnte endlich losgehen.

Nach mehreren Kreisverkehren und einigen Kilometern hinter einem „Convoi exceptionnel“ strebte ich dem Französischen Jura entgegen. Sehr schön zu fahren, wunderbare Landschaft, so ganz anders als gestern noch die Vogesen, weil insgesamt sanfter geschwungen. Zwischen saftigen Wiesen und durch dunkle Mischwälder fuhr ich teils an steilen Felsüberhängen vorbei, von denen an der einen oder anderen Stelle auch immer mal wieder ein Brocken auf der Straße lag. Da war höchste Aufmerksamkeit gefragt – und bloß nicht von den Ausblicken links und rechts der Straße ablenken lassen!

Vor meiner Abfahrt in Pontarlier hatte ich noch darüber nachgedacht, wie das wohl an der Grenze zur Schweiz sein würde: Passkontrolle, Fahrzeuginspektion, Papiere s’il vous plaît? Weit gefehlt! Der Grenzübergang bestand aus der alten Grenzmauer, auf jeder Seite ein Holzhüttchen, und in der Ferne weideten glockenbimmelnd ein paar Kühe. So sieht also die EU-Außengrenze aus! Das war mir doch ein paar Fotos und ein Video wert. Soll ich die Herrn Dobrindt schicken? Da muss doch was zu machen sein!

Durch den nun Schweizer Jura ging es bei unverändert großartiger Gegend über 1.200 m hohe Pässe bis zum „Lac de Joux“, der immerhin noch auf 1.000 Höhenmetern liegt. Das ist ein schöner kleiner See, im Winter zufrierend und zum Eislaufen geeignet, um den herum sich in den vergangenen Jahrhunderten die uhrmachenden Familien angesiedelt haben. Im Winter hatten die Bauern wenig zu tun, also bastelten sie Uhren zusammen. Heute findet man dort die schweizerischen Hersteller, die mit fünfstelligen Preisen aufwarten: Jaeger-Le Coultre, Blancpain und Kompanie. Den See und die Uhrenhersteller bin ich in der Zeit, als ich in Lausanne lebte und arbeitete, gerne mit dem Motorrad (SR 500) abgefahren. Ist ja nicht weit.

Aus der Höhe der Berge fuhr ich nun gen Lausanne und den Lac de Bret. Das ist ein kleiner Stausee nördlich des Genfer Sees, sehr lauschig gelegen, mit einem kleinen Restaurant am Ufer. Dort war ich mit Jan verabredet, einem ehemaligen Kollegen aus meiner Zeit in der Schweiz. Zwei Stunden plauderten wir auf einer Bank am Seeufer sitzend, tranken währenddessen zwei Bier (Jan) und zwei kleine Café (ich), bis Jan wieder arbeiten musste und ich weiterfahren wollte. War eine schöne Unterbrechung meiner Fahrt – und das Wetter hatte sich währenddessen auch ordentlich gebessert.

Nun ging es von dort oben durch die Weinberge des Lavaux und über schmale links und rechts bemäuerte Straßen hinunter zum Genfer See. Das sind die auch für schweizer Verhältnisse teuren Lagen am Nordufer des Genfer Sees und praktisch nur dort zu kriegen, weil die Schweizer ihren guten Wein lieber selber trinken als ihn zu exportieren – wird zumindest kolportiert. Durch die Städtchen Vevey (Nestlé) und Montreux (Deep Purple – Smoke on the Water, Queen – am dortigen Seeufer gibt’s sogar eine Statue von Freddy Mercury) mit zähfließendem Verkehr fuhr ich um die Ostspitze des Genfer Sees herum. Die Grenzstation im Örtchen Saint-Gingolph gab es zwar, aber auch sie war verwaist (Dobrindt – Obacht!).

Über Evian erreichte ich dann endlich Thonon-les-Bains, mein heutiges Tagesziel. Natürlich musste ich einen kleinen Spaziergang zum offiziellen Ausgangspunkt der „Route des Grandes Alpes“ machen, die ich ab morgen frequentieren werde. Bei Kilometer Null geht’s hier los. Mein Mopped scharrt schon mit den Hufen, bildlich gesprochen. Dabei gab’s noch ein paar Blicke auf den See und das gegenüberliegende Lausanne.

Auf der Hotelterrasse schreibe ich diesen Bericht bei einem Demi (ein Glas Bier – 1664 ist hier nicht aus), während der Verkehr auf der daneben liegenden Hauptverkehrsstraße vorbeirauscht. Typisch für Frankreich – ich fühle mich ein wenig zuhause.

Die Poke Bowl zum Abendessen kam direkt aus dem Kühlschrank und bestand hauptsächlich aus Quinoa (sättigend und billig). Immerhin riss die Sojasauce einiges raus und es war insgesamt genießbar. Aber lecker ist anders.

Fazit des Tages: Ehemaliger Kollege (Jan) trifft alten Kollegen (mich) und man verbringt eine schöne Pause angeregt plaudernd am Ufer eines lauschigen Sees. Es gibt Schlimmeres. Grüße an Friderike zum Abschied dürfen natürlich nicht fehlen. Das Wetter ist besser geworden und ich hoffe auf Stabilität für die nächsten Tage. Aus Kostengründen hatte mir mein Mobilfunkprovider in der Schweiz das Daten-Roaming abgestellt – ist man gar nicht mehr gewohnt, fand ich aber sehr aufmerksam. Morgen geht’s dann so richtig in die Alpen. Ich freue mich drauf.

Bewegte Bilder:

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