Mont-Dauphin - Beuil
Dem Fischfilet vergleichbar (überwiegend grätenfei) war heute morgen der Himmel (überwiegend wolkenlos). Das verhieß eine zumindest trockene Fahrt.
Nach einer etwas unruhigen Nacht – die Herberge war ausgebucht und eine große Gruppe chinesischer Touristen sowie eine kleine Gruppe italienischer Motorradfahrer brachte Leben in die Bude, die Chinesin im Nachbarzimmer duschte sowohl abends als auch morgens jeweils eine Dreiviertelstunde, das Wasser rauschte venehmlich und die Italiener unterhielten sich gern lautstark und wortreich – war es beim Frühstück nicht besser. Bis ich meinen Kaffee und das Baguette hatte, war Warten in der Schlange angesagt.
Der kräftige Regen des nachts hatte mein Motorrad ordentlich gespült, sodass ich mit dem darauf verbliebenen Wasser die Maschine nicht nur trocken-, sondern auch sauberreiben konnte. Gepackt, bezahlt – endlich konnte es losgehen.
Bis zum Col de Vars ging es stetig aufwärts (och joh!) und durch viele Kurven. Da konnte ich mich schon mal warmfahren für das, was noch kommen sollte. Während der kurzen Pause auf der Passhöhe gab es zwar keinen Kaffee (die Maschine war noch nicht so weit), aber die Dame klärte mich zumindest darüber auf, dass im Moment die Saison zu Ende geht und nicht schon bald wieder anfängt. Hätten wir das also auch geklärt.
Die Fahrt zum Col de la Cayolle sollte etwa eineinhalb Stunden dauern, sprach mein Navi; also flugs auf die Kiste geschwungen und weitergefahren. Erst runter ins Tal, dann wieder nach oben, dem nächsten Pass entgegen. Das war ein Ritt! Die letzten 27 Kilometer Passstraße war quasi eine Single-Track-Road, sehr uneben und mit Kurven nur so gepflastert. Mehr als 35 km/h im zweiten Gang auf geraden Strecken und höchstens fünf km/h im ersten Gang in den Spitzkehren waren nicht drin. Das traf jedoch nur auf mich zu, denn einige wilde Reiter flogen sozusagen an mir vorbei, als sei die scharfe Meute hinter ihnen her. Oben auf der Passhöhe traf ich sie dann wieder. Es stürmte, war aber nicht mehr ganz so kalt wie noch im Tal. Eigentlich wollte ich mir hier eine Pause gönnen, weil der Anstieg doch sehr in die Knochen gegangen war, aber hier gab’s nichts. Nur den Stein mit der Passhöhe, einen Parkplatz und ein paar Schilder, die über das Leben der Murmeltiere aufklärten.
Ein Blick auf die Karte verriet mir, dass es einige Kilometer unten im Tal ein „Refuge“ geben soll; also nach zehn Minuten Aufenthalt und mit neuer Fönfrisur ins Tal gejodelt, fast genauso langsam wie die Fahrt zum Pass nach oben. Das „Refuge“ entpuppte sich als Bar-Restaurant-Hotel mit einer schönen Terrasse, die auch schon gut besetzt war. Weil es nur richtiges Mittagessen und nichts kleineres gab bestellte ich einen Café au Lait und ein Stück Apfelkuchen mit Zimt und Walnüssen. Irgendwoher muss die Energie für die Weiterfahrt ja kommen. Lecker war’s zudem.
Bis zu meiner Unterkunft war noch eine Passhöhe zu bewältigen, der Col de Valberg, aber der war weder schwierig zu fahren noch irgendwie ansehnlich. Also stoppte ich nur kurz für zwei Beweisfotos und fuhr meinem Hotel entgegen, dem „L’Escapade“ in Breuil. Die Terrasse und das Restaurant waren um diese Uhrzeit (ca. 15:15 Uhr) noch rappelvoll; das lässt für die Qualität des Abendessens hoffen.
Im Vergleich zur kargen Romantik meines ungeheizten klosterzellenartigen Zimmers in der Herberge letzte Nacht macht meine Butze hier einen fast luxuriösen Eindruck. Eine schöne Abwechslung.
Fazit des Tages: Die gut 150 Kilometer durch die Berge waren wieder herrlich, die 27 Kilometer bis zum Col de la Cayolle haben richtig Kraft gekostet. Das Wetter hat sich nicht nur gehalten, weit gefehlt: Hinter der Abfahrt vom Col de Valberg wurde es schlagartig richtig warm; innerhalb von wenigen Kilometern war die Temperatur um gefühlt mindestens zehn Grad gestiegen, sodass ich sogar noch meine Jacke zur Kühlung öffnen musste. Und wie so häufig gibt es zwar WLAN, aber kaum Internetverbindung; und wenn, dann ist sie arschlahm und bricht ständig ab. Fotos und Videos synchronisieren und hochladen? Na, wenn das mal gut geht.