Mirepoix - Lalbenque
Gestern war mir im Laufe des Abends noch eine lustige Geschichte zu Ohren gekommen. Daniel, den ich am 16. September zuhause besucht hatte, hat sich doch nun tatsächlich wieder ein Motorrad gekauft. Er ist früher viele Jahre lang viele unterschiedliche Maschinen gefahren, hat das Hobby aber vor längerer Zeit aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. Es juckt ihn allerdings noch, gestand er mir bei meinem Besuch. So sprachen wir über das Motorradfahren im Allgemeinen und kleine und große Motorräder im Besonderen und kamen dabei auch auf die 350er von Royal Enfield mit lediglich 20 PS zu sprechen. Als ich ihm erzählte, dass ich die aus lauter Neugierde vor ein paar Wochen probegefahren habe und seitdem begeistert von diesen Maschinchen bin, erzählte er mir, er habe ein Auge auf die 350er Honda geworfen, die gerade in Europa rausgekommen war. Lange Rede kurzer Sinn: Jetzt hat er sich die Honda gekauft und ich bin schuld. Naja, eigentlich hat sie ihm Marie-Lou geschenkt, wie er schrieb, aber ich bin immer noch Schuld.
Heute morgen bin ich gegen 9:45 Uhr in Mirepoix aufgebrochen und erst einmal durch noch hügeliges Pyrenäenvorland gefahren. Wiesen, Felder und kleine Wäldchen allenthalben, zwischendrin weidende Kühe und Pferde, nichts Spannendes, aber schön anzuschauen. Das Land wurde immer flacher und die Ortschaften spärlicher. Hin und wieder kam ich durch eine, die nur aus den wenige hundert Meter auseinander stehenden Ortseingangs- und Ortsausgangsschildern zu bestehen schien. Die fand ich natürlich dann, wenn ich von den Routes Nationales auf die Routes Départementales und von da auf noch kleinere Straßen auswich.
In den Ländern, die ich bisher mit dem Motorrad bereist hatte, ist eines immer gleich: Ältere Herrschaften fahren auf den Landstraßen gemütlich mit 60 bis 65 km/h durch die Gegend. Das praktizierte ich heute auch. Nur rund um etwas größere Ortschaften ging das nicht, weil hier der Verkehr dichter und hektischer wurde. Als diese hinter mir lagen, konnte ich wieder bummeln. Allerdings war ein Nachteil damit verbunden: Die Örtchen, die ich frequentierte, hatten noch nicht einmal ein Café du Sport oder so; keine Chance, eine Kaffee zu bekommen. In Cuq-Toulza hatte ich die Nase voll und machte es wie gestern, indem ich einfach mal an einer Abzweigung in die Gegenrichtung abbog, um zu schauen, was es da so gibt. Und siehe da, ich fand eine kleine Café-Bar. Geht doch!
Nach der kurzen Pause ging’s dann nach rechts ins Gebüsch, heißt ins noch dickere Land. Kilometerweit nur Gegend, hin und wieder ein nettes Fleckchen. An der Brücke in L’Isle sur Tarn beispielsweise musste ich sogar umdrehen, weil mir das schöne Fotomotiv erst im Vorbeifahren im Augenwinkel erschien. Hat sich aber gelohnt.
Entgegen dem, was wir in Deutschland so in den Nachrichten über Frankreich sehen und hören, ist es in der Provinz doch eher ruhig. Klar, immer mal wieder sieht man Schilder, auf denen gegen Windräder, die EU oder eine Umgehungsstraße gewettert wird. Aber in den Städten, also das, was wir so mitkriegen, geht es ganz anders ab. Frankreich besteht ja hauptsächlich aus Gegend, „la province“ oder „la France profonde“ genannt. Davon bekam ich heute reichlich. Und ich bummelte rentnermäßig durch.
Nicht mehr weit bis zu meiner heutigen Unterkunft machte ich noch einen Stopp in Caussade. Ein Hüngerchen trieb mich in die Fänge eines Kebap-Budenbetreibers. War nicht schlecht, aber schwierig zu essen, weil der Inhalt des gerollten Fladens ständig das Weite suchen wollte.
An der Gîte de Poudally angekommen hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mitten in eine laute und selbstverliebte Wandergruppe zu geraten, die ganz augenscheinlich ein paar Minuten vor mir eingetroffen war. Die Herzchen blockierten den Eingang und später auch den Getränkekühlschrank, ließen den Hausherrn bei seinen Erklärungen nicht ausreden und haben sich nun lautstark im Garten breitgemacht. Das kann ja heiter werden.
Fazit des Tages: Viel gesehen, aber wenig zu berichten oder gar zu fotografieren. Ein schönes Land mit versprengten Häusern in der Landschaft, aber ohne Auto bist du hier aufgeschmissen. Das Wetter hält, der Mähroboter zieht seine Kreise um mich und die Bière Artisanale schmeckt, trotz Flasche.