Marseillan - San Pere Pescador

FF – Fiel Fahren war heute angesagt. Immerhin knapp 240 Kilometer. Nach dem Frühstück und dem Check-out ging’s gegen zehn Uhr los. Der Himmel war dunkelgrau bedeckt und die Schwüle lag bleiern über der Landschaft.

Das gestrige Treffen mit Christian zum Apéro und Abendessen im „Les Pieds dans l’Ô“ war in vielerlei Hinsicht interessant. Erstens führte mich mein 45-minütiger Fußweg zunächst am Hafen entlang und dann über den Strand, was die Sache entscheidend verzögerte. Zweitens habe ich auf Christians Empfehlung zum ersten mal in meinem Leben „Huitres gratinées“ gegessen, die zugegebenermaßen ziemlich lecker waren (bei „freitags gibt’s Fisch“ musste er herzhaft lachen). Im rohen, vulgo lebendigen Zustand hatte ich Austern ja schon zwei oder drei Mal probiert, aber Schnupfen mit Zitrone ist nicht mein Ding. Drittens unterhielten wir uns kreuz und quer durch Lebensläufe und Erinnerungen an die Schulzeit. Und viertens fuhr Christian mich freundlicherweise zum Hotel zurück – in seinem 30 Jahre alten Jaguar. Das war dann für mich die letzte Premiere des Tages, denn in solchen Lederfauteuils angesichts eines Wurzelholzarmaturenbretts hatte ich noch nie gesessen.

Während ich durch die Weingärten entlang der „Route des Vins de Corbières“ fuhr, hier und da von Olivenhainen ergänzt, fühlten sich die 25 Grad recht angenehm an, zwischendrin hatte ich sogar immer mal wieder den einen oder anderen kleinen Regentropfen auf meinem Visier. Nichts dramatisches, aber ein Beweis für die feuchtigkeitsgeschwängerte Luft. Schön zu fahren wäre das gewesen, hätte es nur nicht so viel Verkehr gegeben. Weil ich völlig aus der Zeit gefallen auch nicht auf den Kalender geachtet hatte, fiel mir unterwegs ein, dass ja heute Samstag und mithin Abreisetag war. Da wundert einen nichts mehr.

Mit einem belgischen Motorradfahrer, der an der selben Stelle eine Zigarettenpause machte wie ich, unterhielt ich mich ein paar Minuten, in denen er mir sein Leben erzählte und dann aber bald weiterfuhr.

Obwohl die Strecke meistens über gut ausgebaute Nationalstraßen mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit verlief, nötigte das viele der Würstchenbuden-Konduktöre nicht zu zügiger Fahrweise. Im Gegenteil: Sie nötigten vielmehr die zahlreichen Fahrzeuge hinter ihnen zum Langsamfahren, bremsten an den unmöglichsten Stellen – und so staute man sich über viele Kilometer gen Pyrenäen, die irgendwann majestätisch am Horizont auftauchten. Zwischendurch umfuhr ich Staus und Innenstädte über kleinere Landstraßen, wo ich zwar auch nicht viel schneller, aber immerhin alleine unterwegs war.

Der Not gehorchend tankte ich kurz vor der Grenze und speiste beim Schachtelwirt in Gesellschaft zweier tätowierter Mütter mit ihren schreienden Kindern, deren Luftballons ständig über meinen Tisch flogen. Geschmeckt hat es auch nicht, war dafür mit 15 Euro recht teuer und wird mich die nächsten drei Jahre von diesen Etablissements fernhalten.

Der Grenzübergang in Le Perthuis war dann wieder sehenswert und erinnerte mich an die 90er Jahre, wegen der vielen riesigen Supermärkte und Einkaufstempel sowohl auf der französischen als auch auf der spanischen Seite. Das Benzin in Spanien ist rund 20 Cent billiger als noch in Frankreich und die Kreisverkehre hinter der Grenze sind betoniert, also glatt und nur ganz vorsichtig zu umfahren. Auffällig ist das sehr satte Grün allenthalben auf der spanischen Seite der Pyrenäen; wahrscheinlich fällt hier mehr Regen, wenn das Wetter und die Wolken von Süden aufziehen.

Über die gut ausgebaute und teilweise sogar vierspurige Nationalstraße näherte ich mich meinem Hotel. Dort angekommen und das Motorrad entladen wagte ich erst mal eine Runde im Pool. Aufgeheizt, wie ich war (während des letzten Drittels meiner Strecke war es immer sonniger und immer wärmer geworden), fühlte sich das Wasser wie 15 Grad kalt an. Man kennt das: Einmal richtig drin ist es dann gar nicht mehr so schlimm und richtig erfrischend. Und während ich diesen Bericht bei einem Cerveza auf der Terrasse schreibe hat mich auch schon eine Tigermücke als Opfer ausgespäht und gestochen. Viva España!

Fazit des Tages: Reichlich Kilometer gemacht, dafür wenige Pausen, zwischendurch tat mir der Hintern weh und ich schwitzte immer mehr. Meine frisch gewaschenen Strümpfe, die über Nacht nicht ganz trocken geworden waren, taten dies dann im Gepäcknetz flott im Fahrtwind. Hotels in Touristengegenden haben auch ihre Vorzüge (z.B. Pool) und sind außerhalb der Saison so gut wie leer. Meine Check-in-Versuche sowohl über die App als auch die Webseite der Fährgesellschaft sind allesamt kläglich gescheitert. Mal sehen, wie das morgen Nachmittag am Hafen wird. 90 Minuten vor Abfahrt um 15:45 Uhr soll ich da sein. Trödeln is also nich.