La Pobla de Lillet - Mirepoix

Heute ist schon die dritte Woche meiner Reise um. So langsam wird der Rhythmus zur Routine: packen, Motorrad beladen, fahren, fotografieren, filmen, ankommen, duschen, Wäsche waschen, den Reisebericht bei einem meiner unmaßgeblichen Meinung nach wohlverdienten Bier schreiben, Bilder und Videos bearbeiten und hochladen, Bericht veröffentlichen … Das könnte noch ewig so weitergehen, allerdings freue ich mich auf das Nachhausekommen zu meiner Frau und ihrem Hund.

Nach einem sehr üppigen und sehr liebevoll angerichteten katalanischen Frühstück ging es gegen zehn Uhr los, mit einigen der oben beschriebenen vorausgehenden Tätigkeiten. Da hatte es heute Nacht doch wirklich noch geregnet und mein Motorrad war nass! Außerdem hatte mich ein Einwohner mit seinem Mini-SUV zwischen Mauer und Altglascontainer zugeparkt, sodass ich Zentimeter für Zentimeter aus der schmalen Lücke rausrangieren musste.

Kurz hinter dem Ortsausgangsschild ging es nach links steil nach oben; 20 Kiilometer Aufstieg mit vielen Kurven warteten auf mich. Der Himmel war blau, die Luft sehr klar und die Sonne schien, wärmte allerdings nicht wirklich. Im Gegenteil: Ich fuhr bei knappen zehn Grad über zwei etwa 2.000 Meter hohe Pässe und konnte die hinter mir liegende Landschaft mit den Pyrenäen immer wieder anschauen. Ein herrlicher Blick war das von hier oben, ich konnte mich kaum sattsehen. Hinter den Pässen ging es dann wieder runter (och joh!), es wurde etwas wärmer und ich hielt auf einem größeren Parkplatz an, um meine von der Kälte pelzigen Finger aufzuwärmen und wieder Gefühl hinein zu kriegen.

„França“ war schon ausgeschildert, konnte also nicht mehr weit sein. Die beiden Grenzorte waren auf der spanischen Seite eingermaßen pittoresk, auf der französischen Seite eher trist. Kein Grund, ein Foto zu machen. Nun fuhr ich durch die katalanischen Pyrenäen in das Département Ariège hinein. Um die Verschiedenheit der Landschaft zu dokumentieren habe ich der Einfachheit halber die Videos durch die Pyrenäenlandschaft in Frankreich nur nummeriert. Was Besseres fiel mir nicht ein.

Gut hundert Kilometer fuhr ich durch das Hinterland (von meiner Perspektive aus gesehen), das immer wieder neue Ansichten für mich bereit hielt. Nach der Ariège kam die Aude, ein Département, das bis zum Mittelmeer reicht und in dem wir, Friderike und ich, natürlich viel weiter östlich schon schöne Urlaube verbracht haben.

Das Land hier ist dünn besiedelt, was bedeutet, dass es kein Café und kein Bistro gab, an dem ich zwecks Mittagspause anhalten konnte. Das kam dann erst in Puivert und gegen halb zwei. Hier hätte ich zu meiner finalen Destination links abbiegen müssen, aber Hunger und Durst verleiteten mich dazu, noch ein Stückchen weiter zu fahren. „Da muss es doch irgendwas geben“, dachte ich mir. Und siehe da: Am Ortsausgang gab es tatsächlich eine „Bar à Bières“, die nicht nur geöffnet, sondern sogar noch Speisen und Getränke im Angebot hatte. Das von mir bestellte Sandwich au Bacon (Poulet war aus) kommentierte die Dame hinter der Theke mit: „Je vais vous préparer ça.“. Ok, dann präpariere mal, dachte ich verwundert über die längere Zubereitungszeit. Schließlich kam sie mit einem veritablen Mittagessen: mit Sandwich, frisch angebratenen Kartoffeln und einem schönen Rohkostsalat. Sah nicht nur gut aus, sondern war auch noch lecker. Also Mittagspause. Eigentlich hätte ich Provision verlangen müssen, denn kaum hatte ich mich auf der Terrasse am Straßenrand niedergelassen, hielten auch schon zwei Gruppen von Motorradfahrern aus Spanien und aus Österreich.

Wie schon in den Bergen während der Stunden vorher waren die Straßen auf den restlichen 30 Kilometern zum Zähneklappern. Der Fahrbahnbelag war nämlich dermaßen uneben, dass mein Motorrad gar keine Zeit hatte, die schnell aufeinander folgenden Unebenheiten glattzubügeln (der Fachbegriff dafür lautet, glaube ich, stuckern), sodass meine Zähne wie bei einem Frierenden (so kalt war’s mittlerweile gar nicht mehr) aufeinanderschlugen. Brrrrh …

Weil mein Hotel in Mirepoix mitten im Centre Ville liegt, waren die letzten wenigen hundert Meter durch die engen Gassen und Einbahnstraßen mehr eine Sightseeingtour, denn ich habe ein paarmal das richtige Loch verpasst, bin daran vorbeigefahren und musste wieder und wieder einen Kringel fahren. Geht also auch ohne Kreisverkehr.

Fazit des Tages: Mittlerweile bin ich mir sicher: Die Pyrenäen ziehe ich in jedem Fall den Alpen vor. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, grün und traumhaft schön, die Kurven in der Regel nicht so eng und die Straßen – naja. Das Schreiben des Berichts heute hat länger gedauert, weil ich ständig nach den Stechmücken schlagen muss, die mich umschwirren. Die Dame an der Bar bot mir die Auswahl zwischen Jupiler und Leffe an, immerhin vom Fass (aka 5-Liter-Dose in der Zapfeinheit), wusste aber nicht, dass das belgische Biere sind. Und serviert wurde das Jupiler in einem Grimbergenglas (auch belgisch). Aach, les Français!

Bewegte Bilder:

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