Barcelona - La Pobla de Lillet
Die Nacht im Hostal Sant Pau in Barcelona war gemischt. Weil mein Zimmer ein Privatbad gegenüber hat muss ich immer über den Flur und mit Schlüsseln hantieren. Das ist lästig. Frühstück gab’s auch keins, aber sonst war es in Ordnung, wenn auch sehr einfach.
Gepackt, das Motorrad beladen und aus der Garage rausgefahren ging es um kurz vor zehn Uhr zunächst mal ins Getümmel der Stadt. Von sonntagmorgendlichem Frieden war nichts zu bemerken; der Verkehr war nur unwesentlich geringer als am Vorabend. Es dauerte eine gute Stunde, bis ich aus der Innenstadt und durch einige sehr triste Vororte endlich auf die Landstraße in Richtung Pyrenäen kam. Hier gab’s dann auch gleich mal Kurven satt, sodass ich mich gemächlich die Berge hochschraubte.
Noch ein paar kleinere Dörfchen und Ortschaften am Wegesrand, dann ging es durch die Einöde. Die jedoch mit der auf Mallorca nicht vergleichbar ist, zeichnet sie sich doch hier im Pyrenäenvorland durch satt grüne Wiesen, Mischwälder, Schluchten und Alleen aus, durch die die kleinen Straßen führen. Ein Stopp für ein Frühstück war erst mal nicht drin, denn es gab einfach nichts, und irgendwann war dann auch schon Mittag und die Frühstückszeit vorbei.
Je näher ich den Bergen kam, umso besser wurden die Straßen. Die langgezogenen Kurven hatten ja so gar nichts gemein mit denen in den Alpen. Hier lassen sie sich viel leichter und beschwingter fahren. Erster Gang in Spitzkehren ist hier nicht nötig. Allerdings meinte mein Navigationsgerät an einer Stelle, mich zweieinhalb Kilometer über eine schlimme Schotterpiste schicken zu müssen, um die nächste Hauptstraße zu erreichen. Das war schon eine offizielle Straße, denn irgendwo kam mir sogar ein PKW entgegen. Aber dicke Steinbrocken, steile Anstiege und Gefälle sowie halbe Meter tiefe Schläglöcher sind weder für mich noch für mein Motorrad eine Freude. An manchen Stellen musste ich wegen des gar nicht griffigen Bodens höllisch aufpassen, dass mir die Maschine nicht vorn oder hinten seitlich wegrutscht und ich auf der Nase liege. Alles gut gegangen, war aber schweißtreibend.
Die Hauptstraße wiederum, die ich dann doch erreichte, war das genaue Gegenteil: gut ausgebaut, guter Asphalt, 90 km/h erlaubt. Nur musste ich von meinem Geländeausflug noch die etwa 30 Zentimeter hohe Straßenkante überwinden; irgendwie schräg hoch auf die Fahrbahn und gleich Vollgas gegeben, denn die nächsten Tiefflieger kamen schon.
Noch etwa 20 Kilometer, da entdeckte ich eine große Tankstelle mit kleinem Supermarkt. Als verspätetes Frühstück (nun also doch) um halb zwei nahm ich hier einen „Croissant Bikini“ und einen Cortado zu mir. Die Sonne zeigte sich jetzt auch endlich und so konnte ich gemütlich über die sehr gut ausgebaute Landstraße meinem Ziel entgegen cruisen. Das Einhalten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ist trotz der vielen Radarwarnschilder wohl nur was für Touristen, denn die Spanier brausten fröhlich an mir vorbei.
Von dieser „Bundesstraße“ abzweigend ging es dann in die grünen Täler der äußeren Pyrenäen. Sehr schöne Landschaft, die so gar nichts mit den Alpen gemein hat. In der Ferne zeigten sich schon ein paar Pics, und das Dörfchen, in dem sich mein heutiges Hostal (die Zimmer haben Namen anstelle von Nummern – sehr sympathisch) befindet, ist im besten Sinne pittoresk. Allerdings galt es auch hier, einen üblen Feldweg bis zu meinem Hostal außenrum durch die Felder und über die Hügel zu nehmen.
Im Restaurant, das zum Hostal gehört, war um viertel nach Drei noch die Hölle los und ich musste die gestresste Dame beinahe festhalten, damit sie mir sagt, wie ich auf mein Zimmer komme. Mittlerweile weiß ich auch, warum es so voll war. Erstens ist ja heute Sonntag (hatte ich vergessen) und zweitens feiert man an diesem Wochenende in La Pobla de Lillet das Steinpilzfest. Leider ist das Lokal heute Abend geschlossen, sodass ich mich anderweitig nch einem Abendessen umsehen muss.
Ein Spaziergang durch das Bergdörfchen führte mich in allerlei interessante Ecken und ein Bier in der Bar an der Hauptstraße half mir, meinen Elektrolythaushalt wieder auf Vordermann zu bringen.
Fazit des Tages: Große Städte mit dem Motorrad erkunden macht keinen Spaß. Auch ein spätes Frühstück kann lustig sein – Croissant Bikini kannte ich noch nicht. Die Pyrenäen sind, das erinnere ich noch aus meiner Zeit auf der französischen Seite in den 1980-ern, längst nicht so rau wie die Alpen. Mangels Sprachkenntnissen fühle ich mich in Spanien ständig etwas unwohl. Und wenn dann sowohl der Kellner als auch die Speisekarte in der klebrigen Dorfkneipe nur Catalán spricht, ist es ganz aus.