Arles - Marseillan

Mit einem sehr einfachen Frühstück in einem sehr einfachen Hotel begann der sehr schwüle Tag. Die Nacht war etwas unruhig gewesen, weil ständig in einer Ecke meines Zimmers etwas klopfte und scharrte. Mäuse, mutmaßte ich, konnte aber keine entdecken. Nach dem endgütligen Aufstehen verriet mir ein Blick aus dem Fenster, dass ein Pärchen Tauben es sich im dichten Efeu der Fassade gemütlich gemacht hatte und während der Nacht Dinge trieb, die ich nicht wissen wollte, die aber die mich weckenden Geräusche erzeugt hatten.

Gegen zehn Uhr verließ ich also das schöne Arles in Richtung Südwesten durch das Rhonedelta. Flaches Sumpfland mit sehr viel Schilf links und rechts der Straße dritter Ordnung bis zur Écluse de Saint-Gilles. Auf dem Weg dorthin machte ich noch einen Abstecher zum Mas des Bernacles, was sich als graubrauner landwirtschaftlicher Betrieb ohne jeden Charme entpuppte. Warum hatte ich mir das nur als Stopp notiert? –Ich weiß es nicht mehr, ist zu lange her. Die Écluse de Saint-Gilles jedenfalls habe ich mir angeschaut, ist sie doch eine verhältnismäßig große Schleuse im Canal du Rhône à Sète. Leider passierte bei meiner Passage nichts Bemerkenswertes; lediglich ein paar Boote dümpelten vertäut am Ufer.

Das Schilf machte nun Platz für Bambus – und plötzlich gab es auch Weinreben. Ab jetzt säumten zahlreiche Weingüter, die hier „Mas“ genannt werden, meinen Kurs. Beim Essen gestern Abend hatte Claudia mir noch verraten, dass der Rosé aus der Camargue dem Rosé aus der Provence vorzuziehen sei. Das Fläschchen, das wir orderten, mundete und war schnell leer.

In Aigues-Mortes versuchte ich, bis zum Etang de la Ville vorzudringen, weil ich mir Hoffnung auf schöne Ausblicke und viele Segelboote gemacht hatte. Dagegen hatten allerdings die Salzwerke mit ihren Produktionshallen und Salinen etwas, denn sie versperrten nicht nur die Sicht, sondern auch die Zufahrt. Trotz einiger gefahrener Kreise war keine zu entdecken, also setzte ich mich in den Schatten der Touristenfalle und machte eine Kaffeepause. Dabei konnte ich das Bimmelbähnchen, das die Touristen mit ihrer Kinderschar offenbar durch die Salinen kutschierte, gut beobachten. Scheint eine beliebte Attraktion zu sein, denn per Lautsprecher ertönte die Ansage, dass Fahrscheine erst wieder für die Fahrten nach 16 Uhr (es war noch keine zwölf) gelöst werden können, weil bis dahin alles ausgebucht ist.

Über Le Grau-du-Roi und vorbei an La Grande Motte sowie Montpellier folgte ich der Straße immer mehr oder weniger am Meer entlang. In Les Aresquiers bei Vic la Gardiole plätscherte das Wasser lustig am Ufer, und bei Frontignan konnte ich sogar Flamingos aufnehmen. Die hatte ich zwar schon vorher immer mal wieder im Vorbeifahren gesehen, aber entweder gab es keine Haltemöglichkeit oder sie waren viel zu weit weg. Näher als hier bekam ich sie nie zu sehen.

Durch Sète kämpfte ich mich nun tapfer, um dann der langen, fast schnurgeraden und alle zwei Kilometer von einem Kreisverkehr unterbrochenen Straße entlang des Etang de Thau in Richtung Marseillan Plage zu folgen, wo sich meine heutige Unterkunft befindet. Man merkt, dass die Saison vorbei ist, denn praktisch alle Läden, Bistros und Restaurants hier an der Küste sind geschlossen. Deshalb war ich auch schon so frühzeitig angekommen, dass ich mein Mittagessen (ein Körnerriegel und ein paar Schlucke Wasser) auf der Terrasse des Hotels einnehmen konnte. Die Rezeption sollte erst in einer Stunde besetzt sein.

Heute Abend bin ich mit meinem ehemaligen Klassenkameraden Christian in einem Bistro am Strand zum Apéro und Abendessen verabredet. Das scheint hier die letzte kulinarische Bastion zu sein. Mehr Auswahl und besseres Essen gibt es offenbar nur in Marseillan-Village, aber da müsste ich erst wieder hinfahren und dazu habe ich keine Lust. Fahren tue ich dieser Tage ja mehr als genug.

Fazit des Tages: Friedvolle Landschaft, es riecht nach Meer, tote Hose in den Touristenzentren – es ist weniger los als ich mir vorgestellt hatte. Aber das gefällt mir. Die Wolken haben sich fast wieder verzogen, ein bisschen schwül ist es aber immer noch. Meine Elektrolyttabletten bewähren sich. Und morgen geht’s dann über eine weitere Grenze nach España.

Bewegte Bilder:

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