Vodice - Bihać
Die frühe Ente fängt den Wasserfall, dachte ich mir und machte mich zeitig auf zu den Krka-Wasserfällen. Ein weiterer Punkt auf meiner Liste der „places not to miss“. Die Rechnung hatte ich jedoch ohne die lokalen Touristenführer gemacht, die ihre Klientel offenbar sehr früh aus den Federn gejagt und zu der Sehenswürdigkeit gekarrt hatten.
Auf dem Weg dorthin freute ich mich schon auf das Naturschauspiel. Leider umsonst. Der Parkplatz war um kurz nach neun schon voll und die Busse standen Schlange. Auf meine Frage, ob ich mit dem Motorrad bis zum Ende fahren kann, bedauerte die junge Dame, die die Einfahrt bewachte. Motorrad hier abstellen, mit dem vollen Bus zum Wasserfall fahren – und das Ganze für 40€! –Ohne mir, my dear!
Da machte ich lieber kehrt und folgte der Krka noch eine Weile auf der Straße. Das war auch sehr schön und kostete weniger. Durch den Krka-Nationalpark über einigermaßen gute Straßen mit einer Pause hier und da fuhr ich also weiter. Und siehe da: Ich wurde ein paar Kilometer weiter mit einem Wasserfällchen belohnt. Immerhin.
Vom Krka- ging die Landschaft fast übergangslos in den Una-Nationalpark über. Zuerst flaches Land, später Berge und urwüchsige Wälder. Frisch war es da oben. Ich musste sogar meine Jacke bis zum Kragen schließen, obwohl ich nur mit gerade mal 60 km/h unterwegs war. Die Straßen wurden immer enger und ich fuhr mitten hinein.
Wie man in den Wald hinein fährt kommt man selten wieder raus. Prärien erinnerten mich an die Winnetoufilme der 1960er, die ja hier gedreht worden sind. Mit sehr wenig Verkehr und sehr viel links und rechts zu sehen ging es noch viele Kilometer weiter.
Dabei fiel mir mal wieder auf, dass die kroatischen Straßenbauer ein Hobby zu haben scheinen. Es ist auf meiner Strecke nämlich häufig so gewesen, dass der Straßenbelag für künftige Asphaltdecken über die gesamte Breite mit in Fahrtrichtung eingefrästen Furchen vorbereitet wird. Sehr gerne in Kurven und über viele hundert Meter. Das ist mit dem Auto schon komisch zu fahren. Mit dem Motorrad (einspurig und schmalere Reifen) ist es ein Eiertanz. Da hilft nur drastische Reduzierung der Geschwindigkeit und in Schlangenlinien versuchen, die Richtung zu halten.
Der Grenzübertritt von Kroatien nach BIH war schnell erledigt. Die kroatische Zollbeamtin verabschiedete mich sogar mit einem freundlichen „Auf Wiedersehen“.
Von der prallen Natur bis zur Stadt Bihać, meinem Ziel für heute, war es nicht mehr weit. Mitten im Getümmel – es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Hotel – fiel mein Navi aus. Dabei braucht man es gerade dann. Was war geschehen?
Mein eigens für außerhalb der EU gebuchtes Datenvolumen war erschöpft. Klasse! Neu buchen ging irgendwie nicht, also rief ich den Kundendienst bei 1&1 an. Die halfen mir auch sehr schnell, hatten aber auch keine Erklärung für die Fehlfunktion. So stand ich eine halbe Stunde mit dem Telefon am Ohr am Rande einer stark befahrenen Straße in der prallen Sonne, bis es weiter gehen konnte.
Zum Hotel habe ich dann doch noch gefunden. Bei meiner Ankunft standen mehrere Ludenschleudern auf dem Parkplatz und die Herrschaften auf der Terrasse machten einen eher halbseidenen Eindruck. Oha.
Es war ein eher gemütlicher Tag. Mal sehen, wie die Nacht wird.