Trebinje - Metković
Dem Flüsschen Jazina folgend, das wohl der Ortschaft und dem Hotel den Namen gegeben hat, fuhr ich ab kurz vor zehn Uhr Richtung Mostar. Die Reifen rund fahren war wieder die Devise. Gute Straße, langgezogene Kurven, dem Flusslauf folgend – so soll es sein.
Bis zum Bilećasee ging es so weiter, immer schön langsam mit 60 bis 70 Km/h – viel mehr ließen die Straße und die Streckenführung auch nicht zu. Jedenfalls für mich, denn ich wollte die Fahrt ja genießen und war nicht so gehetzt wie manch Autofahrer.
Weiter Richtung Mostar ging es dann durch die Steppe. Landschaftlich hat sie nicht wirklich viel zu bieten. Jedoch machte sie Punkte in der B-Note gut, weil mehrere Rodeo-Einlagen angesagt waren. Der Straßenbelag war über weite Strecken dermaßen uneben und löchrig, dass ich mit der rechten Hand am Lenker, mit der linken in der Luft und einem euphorischen „Yiehaah!“ auf den Lippen die 47 Pferde zwischen meinen Schenkeln bändigen musste.
Meinen Cowboyhut zurechtrückend, um im Bild zu bleiben, war eine Pause im Schatten der Arena willkommen. Dem örtlichen Friedhof gegenüber ließ ich mich in einem Café am Rande der Straße nieder. So wirklich friedlich wie das scheint war es leider nicht, denn LKWs und PKWs donnerten vor meiner Nase vorbei. Wie es halt an solchen Locations so ist. Immerhin gab es auch Momente der Stille, untermalt mit dem Sound aller Straßencafés (🎶 hier) auf dem Balkan.
Mostar soll ja wegen seiner Lage in einem Talkessel die heißeste Stadt Bosnien-Herzegowinas sein. Ob das stimmt sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass die Luft schon zehn Kilometer vorher immer wärmer wurde. Auf meinem Weg in die Altstadt sah ich im Augenwinkel eine Temperaturanzeige von 42°. So fühlte es sich ehrlich gesagt auch an.
Mostar ist auch bekannt für Stari Most, die alte Brücke über die Neretva. In anderen Städten in der Gegend, z.B. in Dubrovnik, gibt es ja ähnliche. Also wenigstens eine davon sollte es auf meiner Reise sein. Und wie zu erwarten war ich dort nicht alleine. Soll nochmal einer sagen, ich hätte nicht alles gegeben.
Die Kravice-Wasserfälle hatte ich heute noch auf dem Zettel. Also flugs Mostar, die Hitze und die Touristen verlassen und gen Westen geritten. Schon die letzten fünf Kilometer davor hätten mir eine Warnung sein müssen. Die Piste sah aus als ginge es zu einem Truppenübungsplatz. Naja, so ähnlich wurde es auch: Heerscharen von PKW und Reisebussen auf dem Parkplatz.
Einen knappen Kilometer vor der eigentlichen Sehenswürdigkeit war Schluss mit lustig. Eine Schranke verwehrte die Einfahrt selbst mit Motorrad. Geld kostete es natürlich auch und es sollte nur zu Fuß weiter gehen. Nö. Für heute war mein Bedarf gedeckt. Nicht das auch noch. Und die Kühlschrankmagneten für 1,50€ mit dem Bild der Wasserfälle habe ich hängen lassen.
Dafür gab‘s eine Belohnung für mich selber: Espresso für die Konzentration beim Fahren, Wasser für den Körper und Orangina für die Seele.
Als ich losfahren wollte kamen noch zwei Motorradfahrer aus der Gegend von Mainz angerauscht. Wir unterhielten uns über Bosnien-Herzegowina, weil sie ein paar Fragen hatten, aber in voller Montur in der Sonne ging das Gespräch nicht lange.
Am nahegelegenen Grenzübergang wurde ich vom kroatischen Beamten zurückgepfiffen. Ich hatte nämlich nicht gecheckt, dass er und sein BIH-Kollege in einem und demselben Häuschen sitzen, jeweils hinter dem Fenster nebenan. Wie an den vorherigen Übergängen wollte ich nach der ersten Kontrolle schon zur nächsten fahren. Aber die war ja nur einen Meter weiter. Hm!
Noch zehn Kilometer mit Umleitungen und ich erreichte mein Hotel. Local beer war wieder verdient, meiner unmaßgeblichen Meinung nach. Ach ja: Mein Handtuch war heute wieder so schwarz wie gestern. Und Proteine braucht der Mensch nach einem solchen Tag.