Sarche - Mezzaselva
Aus dem Trentino, wo man nichts anderes als italienisch spricht, ging es heute ins deutschsprachige Südtirol
Zunächst fuhr ich wieder sehr schöne kurven- und abwechslungsreiche Straßen bis zum Lago di Molveno. Das ist ein See beim gleichnamigen Ort in den Bergen. Der Ort selbst scheint wandertouristisch gut erschlossen und prahlt sogar mit einer Bergbahn.
Überhaupt ist die gesamte Region ein Paradies für Wandervögel. Natur und Gegend bis zum Abwinken, Wanderwege unzählig. Natürlich auch zum Motorradfahren bestens geeignet. Gute Straßen, viele Kurven und wenig Verkehr. Und immer wieder herrliche Ausblicke.
Die touristische Erschließung hat auch ihre Nachteile. So gibt es zwar Hotels und Restaurants à perte de vue, aber ein Café zur Einkehr war nicht zu finden. Aus lauter Verzweiflung hielt ich an einer Tanke, um wenigstens einen Kaffee zu trinken. Immerhin fanden sich dort zwei Motorradfahrer aus Heilbronn ein, die ich auch sofort in ein Gespräch verwickelte.
Mit knackenden Ohren fuhr ich weiter lange und gemächlich durch die schöne Landschaft. Es ging fröhlich rauf und runter, sodass der Druckausgleich per Eustachischer Röhre ordentlich zu schaffen hatte. Zwischendurch auch mal ein nennenswerter Pass.
Aus der angenehmen Frische der Berge runter auf etwa 800 m, und ab dieser Höhe wurde es wieder richtig warm. Auf meinem Weg weiter hinab in Richtung Meran ließen die Weinreben auch nicht lange auf sich warten.
Die Umgehungsstraße war wegen Bauarbeiten gesperrt, sodass der gesamte Verkehr durch die Stadt geleitet wurde. Das war kein Spaß. Zumal die Temperaturen locker die 30°-Marke knackten. Des Motorradfahrers Leid ist des Apfelbauern Freud. Zu den Weinbergen gesellten sich immer mehr Apfelplantagen. Oft auf der jeweils gegenüberliegenden Straßenseite.
So ging es die gut 35 Kilometer von Meran nach Bozen. Beide Städte machten im Vergleich zu den italienischen, die ich bisher erlebt hatte, einen eher entspannten Eindruck. Es ging einfach ruhiger und gemächlicher zu.
Simone, eine der Mitfeiernden auf Folegandros, hatte mir freundlicherweise den Tipp mit der Metzgerei Trockner, seit 100 Jahren bester Speck aus Südtirol, gegeben. Weil Colma sich direkt auf meiner Route befindet, hielt ich dort natürlich an. Leider war der Laden um 14:30 Uhr geschlossen (kein Wunder um diese Uhrzeit).
Eine Brotzeit gab es dennoch in der sehr netten Kneipe direkt nebenan. Die Werbetafel hatte mich angesprochen. Eine Weißwurst und eine Brühe gönnte ich mir bei so gut wie jedem Besuch der Mainzer Innenstadt seit 1965 in der Metzgerei Schmidt hinter dem Kaufhof. Leider ist der Laden (wegen Reichtums?) seit etwa einem Jahr geschlossen. Da muss ich halt nach Südtirol ausweichen.
In Brixen hatte ich noch eine Begegnung der schrägen Art. Dort ist das HQ der Firma Durst angesiedelt. Das ist ein Hersteller von digitalen Druckmaschinen für den Verpackungsdruck, und mit diesen Leuten hatte ich in meinem früheren Leben eine Menge zu tun. Ich fuhr also direkt daran vorbei und dachte mir noch: „Ach, du Schreck. Hoffentlich sieht mich keiner.“
Die restlichen paar Kilometer auf der alten Straße Richtung Brenner bis zum Gasthof Thaler ritt ich gestärkt und guter Dinge auf einer Backe ab. Weil das Tal immer enger wurde und die dicht bewaldeten Hänge immer näher rückten hatte ich den Eindruck, dass es dunkler wird, zumal die Sonne auch nicht mehr zu sehen war. Hat sich aber glücklicherweise als vorübergehende Illusion herausgestellt.