Piräus - Patras
Die gesamte Metropolregion Athen/Piräus kühlt ja nachts nicht wirklich ab. Nachdem ich gegen 10 Uhr losgefahren bin und die Anhöhen nordwestlich erklommen hatte, konnte mich der Fahrtwind endlich wieder kühlen.
Bis dahin war es aber noch ein langer Weg auf mehrspurigen Ausfallstraßen. PKWs, LKWs und die allgegenwärtigen Zweiräder, die wie wildgewordene Insekten spurwechselnd alles kreuzen, was langsamer ist (und das sind so ziemlich alle), verpesteten akustisch, olfaktorisch und thermisch die Luft.
Dann aber lag der Saronische Golf endlich links von mir und ich fuhr die Küstenstraße entlang zum Kanal von Korinth, der den Peloponnes vom Festland trennt. Die gute alte Argo scheint hier noch zum Einsatz zu kommen, ist jedoch zwischenzeitlich zum Katamaran mutiert.
Zeit also für einen ersten Stopp mit Erfrischung direkt hinter der Brücke, um innen und außen abzukühlen. Auch weil ich mich über die selfieschießenden Asiaten auf der Brücke echauffiert hatte, die mich permanent anrempelten. Da ging mir der wütende Ausruf einer Dame in der Münchner U-Bahn durch den Kopf: „Saupreiß, japanischer!“.
Danach ging es mit maximal 40 bis 50 km/h weiter mit dem Golf von Korinth rechts der Straße. Die Strände lagen teilweise direkt daneben, aber zum Anhalten und Fotografieren gab es leider keine Möglichkeit. Die teils kilometerlangen Ortschaften mit fahrbahnkreuzenden Touristen verlangten meine volle Konzentration, genauso wie der Verkehr und die Straße selber. Immer, wenn ich dachte: „Jetzt geht’s“, kam was dazwischen. Also fuhr ich „Iron Butt“-mäßig weiter und immer weiter.
Endlich eine Tankstelle mit Café, an der ich kurzentschlossen anhielt, nachdem es vorher nur Restaurants gab – ich hatte keinen wirklichen Hunger und wollte mir kein Mittagsmahl zuführen. Sie wurde betrieben von zwei desinteressierten und unfreundlichen Schlampen (ja, die sahen genauso aus und benahmen sich auch so), aber wenigstens gab es einen Café frappé und sogar Zigaretten.
Da schlug ich doch gleich zu: „Karelia“-Zigaretten hatte ich bei meinem ersten Griechenlandbesuch 1978 (per Interrail und mit Rucksack) hier kennengelernt und hatte gehofft, dass es sie noch gibt. Isso, auch wenn die unvermeidlichen Gruselbilder und Warnhinweise mittlerweile die Schachtel verunzieren. Leider habe ich nicht gesehen, was sie kosten. Viel kann es nicht sein, denn für Café, Schokoriegel und Zigaretten habe ich zusammen geschlagene 6,40€ bezahlt.
Noch ein paar Kilometer an der Küste entlang, und es gab weiterhin den schönen Blick über den Golf aufs Festland. Die Farben des Wassers sind übrigens auch hier in vielen Blautönen wechselnd.
Mit meiner Hotelwahl habe ich erneut nicht viel verkehrt gemacht, wie der Blick von meinem Balkon eindrucksvoll beweist. Die im Hintergrund zu erkennende „Charilaros-Trikoupis-Brücke“ trennt den Golf von Korinth vom Golf von Patras. Morgen werde ich rüberfahren, wenn es weiter gen Norden geht.
Der Strand direkt hinter dem Hotel ist leider auf den ersten Metern mit dicken Kieseln bedeckt. Ich muss einen selten blöden Anblick geliefert haben, als ich schwankend und Schmerzschreie ausstoßend ins Wasser geeiert bin. Das Bad im Meer hat aber gut getan. Die Wassertemperatur ist ähnlich wie im Thermaischen Golf vergangene Woche.
Ein Alpha-Bier zum Apéro in der Strandbar ist selbstverständlich ebenfalls Pflicht und sei mir gegönnt.
Nach fünf Tagen Pause waren das heute gleich wieder sechseinhalb Stunden Fahrt inklusive zweier kurzer Pausen für nur wenig mehr als 200 km. Mein Hintern mault. Aber mein Herz frohlockt.