Paralia - Lamía
Der Tag begann mit dem Sonnenaufgang über dem Meer gegen 6:00 Uhr. Die ersten Frühschwimmer waren bereits im Wasser und ich hätte mich gerne zu Ihnen gesellt. Die sehr angenehme Wassertemperatur von ungefähr 28° macht selbst den frühen Hüpfer ins Meer erstrebenswert. Allerdings hatte ich keine Lust, mit nasser Badehose meine Weiterreise anzutreten.
Im goldenen Licht der Morgensonne räkelten sich bereits lasziv blutjunge Mädels am Strand, die sich von anderen Mädels mit dem Smartphone (natürlich im Hochformat, wegen der Social Media-Kanäle) fotografieren ließen. Es ist schon ein hartes Brot, Influencerin zu sein und so früh aufstehen zu müssen. Immerhin hatten die Damen auf ordentliches Licht für die Fotos geachtet.
Gegen 9:30 Uhr dann Abfahrt. Die Route führte mich zunächst an dem Gebirge entlang, in dem auch der Olymp zu finden ist. Dann folgte die Straße lange der Küste, und ich konnte immer wieder einen Blick auf das blaue Meer werfen.
Bald ging es Richtung Larisa durch die Berge, einem Flüsschen folgend durch eine Schlucht. Die gut ausgebaute Straße war sehr gut zu fahren, und eine Menge Kurven gab es auch.
Das Gebirge hinter mir lassend fuhr ich durch eine riesengroße Tiefebene. Auch hier wieder, wie bereits kurz nach dem Grenzübertritt gestern, Getreidefelder, wohin das Auge blickte. Alle bereits abgeerntet, wohlgemerkt. Später wurden die Getreide- durch riesengroße Kartoffelfelder abgelöst. Sicher wird man den einen oder anderen Erdapfel bald in deutschen Obst- und Gemüseabteilungen finden. Herkunftsbezeichnung: Griechenland.
In einem der vielen Kreisverkehre in Larisa hatte ich dann einen Déjà-vu-Moment. Die Luft war staubgeschwängert, die Straße ebenfalls sehr staubig, und der Straßenbelag nicht gerade griffig. Das führte dazu, dass ich wie bei einem Sandbahnrennen fast quer zur Fahrbahn und mit dem linken Fuß am Boden um den Kreisverkehr schlitterte, bis ich zu meiner Ausfahrt kam. Und das alles knapp über Schrittgeschwindigkeit! Alles gut gegangen. Trotzdem ein scheiß Gefühl.
Die Strecke nach geeigneten Fotomotiven zu scannen, ist auch nicht einfach. Erstens gilt es, den Verkehr im Auge zu behalten. Denn zum Beispiel in lang gezogenen Rechtskurven, die naturgemäß nicht einzusehen sind, kommt mir immer mal wieder ein Fahrzeug mindestens halb, manchmal sogar ganz auf meiner Spur entgegen. Da habe ich dann oft die Wahl zwischen dem Gegenverkehr und dem glatten Kanaldeckel, über den ich dann fahren muss. Diese und andere Straßenunebenheiten sowie ganz allgemein den Fahrbahnbelag sollte man sowieso tunlichst im Auge behalten. Sonst passieren ganz schnell so Sachen wie in den Kreisverkehren.
Richtung Lamía ging es dann weiter, wiederum über ein kleines Gebirge mit meist guter Straße und sehr vielen Kurven. Der Blick über die Tiefebene war noch mal gigantisch.
Weil die Strecke heute mit 200 km nicht besonders lang ist, machte ich eine kleine Mittagspause an einer Landtankstelle. Eine griechische Zitronenlimo gab’s gegen den Durst und die Hitze.
Ein paar Bauern aus der Gegend, die ihren Traktor mit Diesel und sich selbst mit kaltem Mineralwasser versorgten, versuchten, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Das gestaltete sich allerdings als ziemlich schwierig. Denn die Herren sprachen nur griechisch, was ich nicht beherrsche. Und so ging es mit Händen und Füßen nach dem Woher und Wohin und wie lange ich denn schon gebraucht hätte, um bis hierher zu kommen, und so weiter und sofort. Am Ende wollte der Wortführer von mir etwas wissen, was er mir zunächst wortreich, dann pantomimisch zu erklären versuchte, aber ich verstand beim besten Willen überhaupt nichts. Da schauten sich die Herren an, und in ihren Gesichtern stand so etwas geschrieben wie „Die blöden deutschen Touristen. Da siehste mal wieder.“
Direkt nach meiner Pause ging es wieder über einen kleinen Gebirgszug mit vielen engen Kehren die letzten Kilometer hinunter nach Lamía.
Auf der Suche nach meinem Hotel verfranste ich mich natürlich auf den letzten zwei Kilometern noch mal gehörig im Gewirr der Altstadtgässchen.