Oderzo - Fumane

Sunday, holy sunday. In Italien ist alles dicht. Tankstellen, Cafés… Nur die Touristenfallen sind offen.

Meine Fahrt führte mich heute zunächst nach Vicenza. Die Basilica di Monte Berico stand auf meinem Zettel und ich fuhr einfach mal hin, ohne große Hoffnung, etwas zu sehen. Genau wie gestern kreisverkehrte ich mich die ersten 35 Kilometer Richtung Südwesten. An einem dieser Kringel kam der Verkehr zum Erliegen, weil zahlreiche Carabinieri die Durchfahrt blockierten. Mit ihren roten Kellen und deutlichen Worten hinderten sie die PKWs an der Weiterfahrt. Was war los?

Nach ein paar Minuten rauschten von rechts mehrere Polizeimotorräder, mit roten Fähnchen bestückt, heran und in meine Richtung. Sie wurden verfolgt von einem Peloton grellbunter Radrennfahrer. „Fährt hier die Tour de France lang?“ überlegte ich. Kann nicht sein. Dafür war es viel zu wenig Aufwand. Muss also was Lokales gewesen sein.

Wegen Sonntag war auch der Stadtverkehr in Vicenza sehr erträglich und ich erreichte die Basilica di Monte Berico ohne Probleme. Touristen gab es natürlich zuhauf, insbesondere solche fortgeschrittenen Alters. Und in den Läden rundum rieb man sich die Hände ob der guten Geschäfte mit Tand und überteuerten Speisen und Getränken. Immerhin hatte ich von da oben einen schönen Blick über die Stadt.

Das Motorrad hatte ich mit dem Gefälle und mit dem Vorderrad gegen den Bordstein geparkt. Damit hatte ich mir selbst ein Ei ins Nest gelegt, denn von da wieder wegzukommen war schweißtreibende Schwerstarbeit, weil ich rückwärts und gegen die Steigung aus der Parklücke raus musste. Hab’s aber trotzdem geschafft. 💪 War jedoch ziemlich außer Atem.

Also flugs weiter nach Verona und der Ponte Pietra. Das gleiche Bild wie in Vicenza, touristenmäßig. Nasenlose Fotos waren praktisch nicht zu erwarten. Aber interessant zu sehen – und damit ein seltener abgehakter Punkt auf meiner Liste.

Von Verona aus war es nicht mehr wirklich weit bis zu meinem Hotel. Tanken konnte ich zwar noch an einem Automaten. Café oder ein Kaltgetränk fielen aber leider weiterhin aus. Die letzten Kilometer fuhr ich dann tief ins Anbaugebiet des Valpolicella und des Amarone hinein. Die Reben hatten fast jegliche andere Vegetation verdrängt.

So wie der Eimer mit Goldstücken am Ende des Regenbogens ist wohl auch meine Bleibe. Mitten in den Weinbergen guter und bester Lagen, mit Blick bis nach Verona. Dafür kann man schon mal ein bisschen leiden.

Es war den ganzen Tag schon ziemlich gewittrig, aber nass geworden bin ich nicht. Nur ein paar Tropfen. Wenn das so bleibt wäre ich nicht traurig.

Genug gelitten: Nun kam der Kracher des Tages – das Abendessen. Frei nach dem Motto der Franzosen „Y‘a pas d‘mal à s‘faire du bien“ habe ich mir ein wunderbares Dîner gegönnt.

Appetizer: Marinated salmon with citrus zest and black mayonnaise. Dazu ein Weißwein des Hauses aus Chardonnay-Trauben.

First course: Homemade pappardelle with granny‘s ragout. Dazu ein Mareno Valpolicella Ripasso 2019 Bio.

Second course: Garronese beef steak with roast potatoes. Dazu ein Amarone della Valpolicella 2016 Bio.

Danach hisste ich das weiße Fähnchen und beendete das Essen mit einem Caffè plus Amarone Grappa. Ein Dessert passte einfach nicht mehr rein. Mords Leistung. Bin stolz auf mich. Und das Ganze in friedvoller Atmosphäre mit Blick ins Grüne.

Für den morgigen Tag und den Gardasee habe ich genügend Kalorien und Proteine eingefahren.