Neunkirchen - Tihany
Abfahrt kurz nach 9 Uhr in Neunkirchen.
Ha! Ich habe es geschafft! Die Verhüterlis (Regenhauben) sind auf den Satteltaschen. Das war auch schwer nötig. Aber dazu später mehr. Ich habe auf der Webseite des Herstellers nachgeschaut, ob es dort eine Montageanleitung gibt. Gibt es nicht. Aber ich habe ein Foto der Regenhaube über der Satteltasche gesehen und aufgrund dessen konnte ich sie anbringen. Letztendlich war es leichter als gedacht. Ich hatte es mir gestern nur ziemlich kompliziert vorgestellt.
Bei der Abfahrt in Neunkirchen war es schon ziemlich trübe und es nieselte ein wenig. Je näher ich Ungarn kam, umso dunkler wurde der Himmel, und es fing sehr stark an zu regnen. Von wegen Sopron, bester Weißwein, davon habe ich nichts gesehen. Viel mehr goss es in Strömen und ich musste mich voll auf die Fahrerei konzentrieren. Auf den doch ziemlich schlechten Straßen gab es eine etwa 30 cm breite Spur in der Mitte der Fahrbahn, auf der ich einigermaßen fahren konnte. Links und rechts von dieser Spur waren tiefe Spurrillen, die wegen des Wetters natürlich voller Wasser waren. Das war höllisch gefährlich. Denn sobald ich in eine dieser Spurrillen geriet, fing das Motorrad an zu schlingern. Der Straßenbelag schien auch nicht auf eine solche Wetterlage ausgerichtet. Es war seifig und ziemlich glatt. Die zahlreichen Kreisverkehre nahm ich deswegen nur im Schritttempo. Allerdings half das an einer Stelle auch nicht viel, denn das Motorrad begann unter mir weg zu rutschen. Ich konnte es gerade noch soeben mit dem linken Fuß auf der Fahrbahn, der natürlich auch rutschte, abfangen und ohne Sturz weiterfahren. Abenteuerlich!
Insgesamt verlangte die Fahrt höchste Aufmerksamkeit, weshalb ich von der Gegend nicht viel sehen konnte. Außerdem war es trübe, es schüttete wie aus Eimern, und es war sowieso nicht viel zu sehen.
In Pannonhalma südlich von Györ angekommen riss der Himmel kurzzeitig auf und es gab ein paar Sonnenstrahlen für die Fotos. Dann ging es weiter Richtung Süden, Richtung Balaton. Das Wetter war weiterhin schlecht. Es regnete und stürmte. Glücklicherweise ist mein Motorradanzug wasserdicht. Das war schon ein lustiges Gefühl, zu spüren, wie der Regen auf einen draufprasselt, man die Einschläge wie von Hagelkörnern spürt, aber nicht nass wird. Wenn einem die Lastwagen entgegenkommen und man frontal und mit Schmackes in deren Bugwelle eintaucht, ist auch nicht von schlechten Eltern.
Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf ungarischen Landstraßen beträgt 90 km/h. Der gemeine Ungar legt allerdings gerne eine ordentliche Schippe drauf und ist mindestens 30% schneller. Deshalb winke ich, sobald ich ein Fahrzeug im Rückspiegel sehe, auffordern mit der linken Hand, vorbeizufahren, und setze den Blinker rechts. Das klappt problemlos und ich habe meine Ruhe.
Als ich aus dem hügeligen Land nördlich des Balaton herunterfahre, wird die Luft warm und feucht und es riecht nach allerhand Blüten. Der Regen hat aufgehört, die Sonne zeigt sich sogar ein wenig und ich fahre zum Tihany Yachtclub. Mein Zimmer dort ist klein, aber sehr nett und ich habe auch schon eine kurze Tour zu Fuß am See unternommen. Die Brandung am Ufer ist wegen des nahenden Gewitters ziemlich ordentlich, und wen treffe ich? Die Enten!
Die Lage meiner Unterkunft würde auch Friderike sehr gut gefallen, denn sozusagen vor meiner Haustür liegt ein kleiner Yachthafen. Nach einem Rundgang am so genannten Strand setze ich mich in die Bar und trinke mein erstes ungarisches Bier.
Meine Wäsche ist gewaschen und morgen liegt ein Ruhetag an. Den habe ich mir auch redlich verdient.