Mohács - Belgrad

Den morgendlichen Schauer noch abwartend fuhr ich heute erst gegen 10:30 Uhr in Mohács ab.

Zunächst fuhr ich noch durch die nördlichste Spitze von Kroatien, was ich sofort am Zustand der Straßen bemerkte. Diese waren nämlich wesentlich besser als noch in Ungarn, einigermaßen eben, und der Asphalt war nicht 150 mal geflickt. Auch die Straßendörfer waren etwas anders. Links und rechts der Fahrbahn zogen sich Straßengräben entlang, die früher wohl sanitären Zwecken gedient haben mochten. Diese wurden gesäumt von Alleebäumen, die im Gegensatz zu Ungarn, wo sie älter und voller waren, alle zum ähnlichen Zeitpunkt gepflanzt worden zu sein scheinen, nämlich vor höchstens zehn oder 15 Jahren. In Serbien ein ähnliches Bild, allerdings waren die Bäume entlang der Straße doch sehr häufig Obstbäume und der Zustand der Straßen lag irgendwo zwischen Ungarn und Kroatien.

Bei einem Tankstopp kam ich ins Gespräch mit dem Tankwart (zu meiner Zeit war das in Deutschland noch ein Ausbildungsberuf). Er erzählte mir von seiner Liebe zu Motorrädern und war höchst interessiert an meiner Maschine, wollte wissen, woher sie kommt, wie viel sie kostete, und so weiter. Allerdings gestand er mir, dass er noch nie auf einer Höllenmaschine wie dieser gesessen habe, denn er kenne sich und führe weitaus zu schnell.

Anschließend fuhr ich durch weites und flaches Land. Die Straße weiterhin gesäumt von Feldern, auf denen in Ungarn eher Mais, in Serbien hingegen mehr Getreide, dann noch etwas Mais und schließlich Sonnenblumen angebaut wurden.

Die serbische Exekutive setzt sich im Übrigen in der Regel aus zwei Straßenhunden zusammen. Nicht wie die Österreicher, die dafür ein gutes halbes Dutzend Polizisten aufbieten. Die Serben rennen den vorbeifahrenden Fahrzeugen kläffend nach und versuchen sie zum Beschleunigen vor der nächsten Radarfalle zu animieren.

Dem Stadtverkehr von Novi Sad, der zweitgrößten Stadt Serbiens, entronnen, nahm mich wieder mein Freund, der Ausläufer des skandinavischen Tiefs, unter seine Fittiche. Die noch verbleibenden 80 km bis zu meinem Tagesziel fuhr ich durch schwere Gewitter mit entsprechend ordentlich Wasser von oben. Deshalb gibt es heute keine Fotos von der Landschaft. Mein Motorrad und ich waren noch viel dreckiger als bei der Ankunft in Tihany vor zwei Tagen.

Zwar habe ich ein Apartment mit kleiner Terrasse, auf der ich gemütlich sitzen und schmöken kann, aber die Annehmlichkeiten des Aqua Club werde ich nach den heutigen Wasserrutschen nicht mehr in Anspruch nehmen. Davon hatte ich genug. Dieser so genannte Sommerurlaub fühlt sich im Moment eher an wie ein Tauchurlaub.

Ein regennasser Labrador kam während des Abendessens an meinen Tisch und wollte was von meinem Teller haben. Ein Wedeln mit der Hand, begleitet von einem „Verpiss dich!“, hat er verstanden. Scheint international zu sein. Er hat es mir nicht übel genommen und lag dann friedlich auf der Bank neben mir. Später ist er mir auch noch bis zu meinem Zimmer gefolgt und hat sich wedelnd vor die Tür gesetzt. Ooch!