Mezzaselva - Wolfratshausen
Heute mal kein Brenner. Den hatte ich ja schon bei meiner Alpentour im Juli 2018 abgefrühstückt. Genau wie den Reschenpass und das Stilfser Joch, die mir beide gestern untergekommen waren.
Heute also wieder hinan auf die Gipfel und Pässe, aber so richtig. Ich hatte diese Route gewählt, weil sie erstens neu für mich und zweitens vielversprechend ist. Nun ja, das Versprechen hat sie gehalten. Zum Aufwärmen also erst mal der Jaufenpass.
Wie das bei Pässen meistens so ist, geht es erst rauf und dann auch wieder runter. (Och joh!?) Da macht der Jaufenpass keine Ausnahme. Schöne Straße, tolles Panorama, knackende Ohren. Und weil mein Motorrad Benzineinspritzung hat ging mir über 1200m Höhe im Leerlauf auch der Motor nicht mehr aus, wie das 2018 mit meiner SR noch der Fall war. Da stand ich in mancher Spitzkehre noch oben und musste sie wieder antreten (Kickstarter). Das nervte gewaltig.
Die Grenze zwischen Italien und Österreich überquerte ich dann am Timmelsjoch. Noch ein bisschen höher, noch ein bisschen spektakulärer.
Lustigerweise traf ich hier nochmal einen Vater mit seiner Tochter, beide jeweils auf einem Motorrad, die ich am Tag zuvor schon in der Weißwurst-Kneipe gesehen hatte.
Das Timmelsjoch wurde noch vor gar nicht so langer Zeit vom Schnee befreit und ist erst seit Ende Juni tagsüber geöffnet. Reste liegen noch überall rum. Nachts gibt es ein Fahrverbot, weil es schon am Tag nicht ungefährlich ist, zwischen Felswand und Abgrund entlang zu fahren.
Natürlich will man auch hier oben nur unser Bestes. Die Maut kostet immerhin 17€ für die einfache Fahrt. Hin und her ist noch teurer. OK, das ist weniger als 1 Ct. pro Höhenmeter. Also eigentlich ein Schnapper. Dafür kriegt man immerhin einen Aufkleber und ein umfangreiches Informationsheftchen.
Auch nach dem Timmelsjoch geht es wieder bergab, nämlich durch das malerische Ötztal. Sölden ist der wohl bekannteste Wintersportort, auch wegen seines Gletschers. Den gab es zumindest Ende der 1970er Jahre noch, als ich hier meinen ersten Skiurlaub verbrachte. Damit verbinde ich auch heute noch die Erinnerung an den bescheuerten Holländer in meinem Hotel. Der verwechselte seine mit meinen Skischuhen und wunderte sich, dass sie ihm viel zu groß waren. Damit nicht genug. Auch die Bindung seiner Skier passte natürlich nicht mehr und er ließ sie neu anpassen. Wie blöde kann man denn sein? Ich musste mir natürlich Skischuhe leihen usw. Am Abend stellte sich heraus, dass die einzige Gemeinsamkeit unserer jeweiligen Skischuhe die ungefähr ähnliche Farbe war. Ansonsten waren sie komplett verschieden. Wie man sieht hat mich die ganze Sache dermaßen geärgert, dass ich mich auch noch nach 45 Jahren noch uffreesche könnt.
Nun ja. War es noch sonnig und klar in den Bergen, zog sich der Himmel auf der deutschen Seite der Alpen doch rapide zu. Vorbei am Walchensee und am Kochelsee fuhr ich in Richtung Wolfratshausen, meinem Zielort. Immer in der Hoffnung, noch vor dem Gewitter dort anzukommen.
Pustekuchen. Zehn Minuten vorher erwischte es mich. Es wurde schlagartig dunkel, der Regen prasselte und es war kaum noch was zu sehen. Scheibenwischer gibt’s ja nicht am Visier. Deshalb bin ich auch zweimal um mein Hotel herumgefahren, bis ich die richtige Zufahrt entdeckte. Hab ich geflucht! Motorrad, Gepäck und Fahrer waren bei der Ankunft triefend nass. Hat sich echt gelohnt.
Ich hatte ja auch noch eine Verabredung mit Elisabeth von der Gedenkstätte BADEHAUS, die ich über Widen the Circle kenne, wenn auch nur online. Sie holte mich freundlicherweise am Hotel ab und gab mir in Waldram eine „Kurzeinführung“ von fast zwei Stunden. Hochinteressant und ein tolles Projekt.
Aber dann war’s auch genug für den Tag. Beim Griechen unterhielten wir uns noch eine Weile. Da war die kalte Dusche vor der Ankunft schnell vergessen.