Metković - Vodice

Heute musste ich mir mit der Abreise Zeit lassen. Die ganze Nacht bis zum Morgen hatte es heftige Gewitter gegeben. Davor wollte sogar der kleine Laubfrosch nach drinnen flüchten, kam aber nicht ganz an die Türklinke.

Durch die letzten Regentropfen fuhr ich dann ab halb elf zunächst an der Neretva entlang in Richtung der nächsten Hügelkette. So langsam trocknete auch die Straße ab und ich konnte einigermaßen zügig den vielen Kurven folgen.

Aufmerksamkeit war dennoch gefragt, denn an manchen Stellen stand noch das Wasser. Nach etwa 30 km ging es dann auf die Jadranska Magistrala. Sie soll eine der schönsten Küstenstraßen sein und ist zwischen Montenegro und Italien gut 1000 km lang. Naja, schön ist sie schon. Schön zu fahren ist sie zu dieser Jahreszeit allerdings überhaupt nicht. Es ist einfach zu viel Verkehr. Zahllose Touristen, insbesondere aus Polen, wie mir auffiel, sind mit ihren SUVs unterwegs.

Die Einheimischen haben es im Vergleich zu den Touris immer ziemlich eilig. Das führt zu der einen oder anderen kritischen Verkehrssituation. An einer Stelle überholte mich ein kleiner Kastenwagen, offenbar ein Handwerker, wie ich aus der bunten Beklebung des Fahrzeugs schließen konnte. Der überholte mich an einer unübersichtlichen Stelle und fuhr dermaßen knapp an mir vorbei, dass sein rechter Außenspiegel fast meinen Arm gestreift hätte. Glücklicherweise hatte ich das im Augenwinkel gesehen und konnte gerade noch einen Tick Richtung Fahrbahnrand ausweichen. „Was hat der denn gefrühstückt?“ war mein erster Gedanke.

Weiter ging es auf der gut ausgebauten Straße, allerdings noch mal durch einen heftigen Regenschauer. Die durch den Wind und das Gewitter auf die Fahrbahn geschleuderten Piniennadeln machten das Fahren ziemlich tricky, weil sie natürlich wie Schmierseife wirken.

Vor dem Touristenort Makarska kam es dann zu einem kilometerlangen langen Stau, verursacht durch Fußgänger, Links- und Rechtsabbieger, Ampeln und so weiter im Ort selber. Ich fuhr langsam und vorsichtig an den stauenden PKWs vorbei, immer auf den Gegenverkehr achtend. Die verständnisvollen Autofahrer machten auch schön alle Platz für mich. Dann allerdings traf ich wieder auf meinen Handwerker von vorhin.

Dieser wich nicht nach rechts aus wie die anderen, sondern fuhr sogar absichtlich noch bis auf die Mittellinie, damit ich nicht vorbeikomme. Das tat ich natürlich trotzdem, was ihn zu einem wütenden Hupkonzert veranlasste. Damit aber nicht genug. Als ich mit seinem Fahrzeug auf einer Höhe war, versuchte er mich sogar zu rammen. Das hätte schlimm ausgehen können, weil in dem Moment ein Reisebus entgegen kam. Ein schneller Schlenker nach links und dann sofort wieder nach rechts brachten mich aus der Gefahrenzone. Ob der gute Mann wohl Seafood zum Frühstück gehabt hatte?

Hinter Split ging es dann ein Stückchen durch das Landesinnere über kleine Straßen, durch grüne Obst- und Olivenhaine. Es waren nur noch wenige Kilometer bis zu meinem Zielort Vodice zu fahren. Auf diesen Nebenstraßen gab es natürlich wesentlich weniger Verkehr als auf der Hauptstraße. Insofern konnte ich meinem Hotel in aller Gemütsruhe entgegentuckern.

Der Blick von meinem Balkon hat alles, was ich auf der heutigen Fahrt gesehen habe: Berge, kleine Ortschaften und Meer. Das Wetter hatte sich im Verlauf der Fahrt auch wieder gebessert, so dass mein Motorrad und ich zwar verschmutzt, aber trocken angekommen sind.

Und Seafood wird bis zu meinem Lebensende keine Chance mehr bei mir haben.