Leskovac - Štip

What a Day!

Abfahrt in Leskovac gegen 10:00 Uhr. Die Fahrt führte mich durch den südlichsten Zipfel von Serbien in Richtung Nordmazedonien. Je näher ich dem Land kam, umso waldiger und bekurvt wurde die Straße, die sich oft den Windungen eines Flüsschens folgend ein Tal entlang schlängelte.

Bisher konnte ich mich auf die Angaben meines Tripper Navigationssystems (ja, das heißt wirklich so) in der Regel einigermaßen verlassen. Nahe der Grenze wollte es mich, weil ich die Routenoptionen auf keine Autobahn und keine gebührenpflichtigen Straßen eingestellt hatte, auf abenteuerlichen Wegen über die grüne Grenze nach Nordmazedonien führen. Ich stand also des Öfteren vor einem Feldweg, der natürlich nicht zu befahren war. Alle Alternativen, die ich in der Gegend überprüfte, führten zum selben Ergebnis. An einer Stelle traf ich einen Fußgänger, der mich fragte, „Where do you go?“. Auf meine Antwort „To Skopje“ begann er, wild mit den Armen zu wedeln und sprach „No, no. This is not good. You must take Autoput.“ „There is no other way?“ „No. Skopje only Autoput.“

Wieder was gelernt. Zwar hatte mich mein auf Google Maps basierendes Navigationssystem bisher über sehr schöne Straßen und durch wunderbare Gegenden geführt, aber das funktionierte hier wohl gar nicht mehr. Später in Nordmazedonien sollte es genauso kommen, denn es gab nur die Alternative zwischen Autobahn und extrem schlechter Straße beziehungsweise Feldweg, was dazu führte, dass ich den Weg nach Štip fast ausschließlich auf der gebührenpflichtigen Autobahn bewältigte.

Der Grenzübertritt war auch ein Höllenspaß. Auf fünf Fahrspuren hatten sich lange Schlangen gebildet, und es ging nur im Fünfminutentakt voran. Um mich herum natürlich jede Menge PKWs mit laufendem Motor, damit deren Klimaanlage auch ordentlich funktioniert. So stand ich eine geschlagene halbe Stunde in der Knallsonne bei 32° im Schatten, bis ich an der Reihe war. Insgesamt drei Kontrollen für immer die selben Papiere hatte ich auch noch nicht erlebt.

Eine Stunde später war es dann soweit. Nachdem ich einige Aufnahmen von Skopje an exponierter Stelle gemacht hatte, musste ich mit dem Motorrad an einer abschüssigen Stelle wenden. Dabei kippte es zur Seite, und wir beide lagen mitten auf der Straße. Das ist das allererste Mal in meinem Leben gewesen, dass mir ein Motorrad umkippt, aber irgendwann musste es ja mal passieren. Fluchend richtete ich es schnell wieder auf, denn ich hatte keine Lust, von einem der Autochthonen gerammt zu werden. Das ging trotz der 240 kg plus Gepäck erstaunlich leicht. Ein schneller Check ergab: nichts weiter passiert. Lediglich den linken Rückspiegel musste ich neu einstellen. Und ich selber war mit dem Schrecken davon gekommen. Nichts kaputt, nichts lädiert. Puh!

Also die Maschine neu gestartet und weiter gefahren. Glück im Unglück, dachte ich. Leider war dem nicht ganz so. Im Verlauf der weiteren Fahrt musste ich feststellen, dass der linke vordere Blinker im Eimer war. Außerdem brannte die Kontrollleuchte für eine Motorstörung permanent. Ich nehme an, dass beides miteinander zusammen hängt, schickte aber sicherheitshalber eine E-Mail an den Support von Royal Enfield, um deren Meinung einzuholen. Denn normalerweise, wenn die Motorkontrollleuchte brennt, sollte man sofort zur nächsten Werkstatt fahren. Sagt zumindest das Handbuch.

Trotzdem machte ich noch den immerhin zweieinhalbstündigen Umweg, um die Matka-Schlucht zu besuchen, denn die hatte ich ja auf meinem Plan. Nicht auf meinem Plan hatte ich den enormen Touristenansturm, der am heutigen Sonntag dort herrschte. Die Parkplätze waren völlig überfüllt, viele Reisebusse kotzten ihre Fahrgäste zusätzlich aus, um dann zu versuchen, in der engen Schlucht bei viel Verkehr zu wenden.

Schleunigst machte ich mich von hinnen und fuhr, wie bereits gesagt, fast ausschließlich auf der Autobahn zu meinem Hotel in Štip.