Kastro­sikia - Himare

Kurz nach der Abfahrt im Hotel gegen 10:00 Uhr ging es schon ins Gebirge. Die Straßen waren gut ausgebaut, es gab eine Menge Kurven zu fahren, und nur ein bisschen Verkehr. Der Tag ließ sich gut an.

Nachdem ich die Berge hinter mir gelassen hatte konnte ich richtig Meter machen. Denn die Straße war recht gut und ich konnte, bis auf einige Ortschaften, zwischen 80 und 90 km/h entlang tuckern. So erreichte ich schon nach knapp zwei Stunden die Stadt Ioánnina.

Auf der Suche nach einem geeigneten Rastplatz wurde ich lange Zeit nicht fündig. Auf der Landstraße Richtung albanische Grenze gab es nur hässliche, schmutzige Parkplätze am Rand der Straße in der Knallsonne. Kurz vor der Grenze hatte ich Glück, denn ein kleiner, stiller See, etwas abseits liegend war genau das Richtige für meine Mittagspause. Es war sehr schön und still dort, lediglich die Frösche beklagten sich lautstark über meine Anwesenheit.

Die Formalitäten an der Grenze waren erstaunlich schnell erledigt, und so begrüßte mich das Land der Skipetaren mit seiner herrlichen Landschaft.

Dazu fiel mir natürlich eine Lektüre aus meiner Kindheit ein. Bei uns zu Hause gab es neben dem Volksbrockhaus von 1958 nur ein paar Bücher von Karl May. Eines davon hieß „Durch das Land der Skipetaren“. Mehr Literatur war nicht, und so musste ich mich damals mit den Abenteuergeschichten des sächsischen Schreibers zufrieden geben.

Gleich die Berge hinauf und hinunter auf einer super asphaltierten Straße mit sehr vielen Kurven. Und was kam mir als erstes entgegen? Mehrere holländische Würstchenbuden.

Ich hatte mir ja schlauerweise einen Umweg von gut zwei Stunden eingeplant, weil ich mir die Stadt Butrint anschauen wollte. Bis zur alten Stadt und der archäologischen Stätte bin ich allerdings nicht gekommen. Das neue Butrint ist dermaßen touristisch und überfüllt, dass ich kurz entschlossen kehrt machte. Wenigstens konnte ich mir noch die Bucht von Butrint mit ihren Muschelbänken anschauen. Und einen Blick von exponierter Stelle übers Meer bis hinüber zur griechischen Insel Korfu war auch noch drin.

Dann wurde es richtig gemischt. Ich hatte von Sarandë bis zu meinem Hotel noch gut 40 km zu fahren, und wie sich am Ende herausstellen sollte, schaffte ich auf dieser Strecke einen Durchschnitt von 10,74 km/h. Das hing damit zusammen, dass die sehr schöne Küstenstraße dem Gelände folgte, sich eng an den Hang schmiegte und ich praktisch nur im ersten oder zweiten Gang fahren konnte.

Immer wieder schaute ich auf meinen Kilometerzähler und dachte: „Irgendwie komme ich überhaupt nicht vorwärts“. Dieser Gedanke war wirklich nicht weit her geholt. Wie auch immer: Das letzte Stück zog und zog sich, wollte gar nicht enden, und als ich dann endlich am Hotel ankam, war ich platt wie eine Flunder.

Zum Glück hatte ich vergangene Nacht zehn Stunden geschlafen, was absolut außergewöhnlich für mich ist, denn normalerweise schaffe ich nur knappe sechs. Trotzdem war das eindeutig zu viel heute. Mehr als sieben Stunden bei flirrender Hitze auf dem Bock ist dann am Ende kein Spaß mehr. Wobei: Durch den Wechsel der Zeitzone habe ich sogar eine Stunde weniger gebraucht.

Mein Hotel hatte ich mir ja unter der Prämisse ausgesucht, dass ich mich von dem Strandtourismus fernhalten wollte. Das ist gelungen, denn Aphrodite’s Garden liegt im Hinterland auf der Anhöhe mit tollem Blick über Himarë auf das Meer.

Die Tour für morgen muss ich mir nach dem Ritt von heute nochmal genauer durch den Kopf gehen lassen. Die richtige Motivation fehlt mir noch.