Fumane - Sarche

Onkel Otto und Tante Ria würden sich im Grabe umdrehen.

Auf meinem Weg zum Gardasee machte ich schon nach 25 km einen Stopp in Caprino Veronese, der Partnerstadt von Gau-Algesheim. Im Vergleich macht das Städtchen einen lebhafteren Eindruck. Eher italienisch halt. Im Café auf dem zentralen Platz gab es einen Espresso. Und beim Bezahlen sprach mich die Bedienung direkt auf deutsch an. Einen allzu italienischen Eindruck mache ich folglich nicht. Vielleicht steht auf meiner Stirn geschrieben: „Attenzione. Tedesco.“

Weiter ging’s zum Gardasee im üblichen dichten Verkehr auf der Landstraße mit vielen Kreisverkehren. In Seenähe wurde die Luft etwas kühler und es roch nach viel Süßwasser. Die Südküste bis Salò kannste knicken. Aldi, Lidl & Co., Outlets und sonstige Läden verwehren erfolgreich den Blick auf den See. Es ist einfach nur hässlich.

Und hier kommen Onkel Otto und Tante Ria ins Spiel. Die fuhren seit den 1960er Jahren im Sommer immer an den Gardasee. Mit ihrem hölzernen Motorboot auf dem Hänger. Und sie schwärmten uns weißgottwas vor von der schönen Landschaft, dem wunderbaren See und der Ruhe dort. Isnichmehr. Aber sowas von. Und wir Unwissenden versuchten, uns dieses Paradies vorzustellen. Gardasee war für uns immer das Synonym für Sonne, Süden und Dolce Vita. Daher die eingangs gemutmaßte Pirouette.

Ab Salò wurde es dann doch besser. Mit Blick und schöner Fahrstrecke. Die Westküste bis Riva del Garda ist zwar zwischen Straße und See gepflastert mit Ristorantes, Hotels usw., aber doch nett.

Zwischendurch geht es immer mal wieder durch den Fels, der bis zum Seeufer reicht. Entweder in kleineren Durchbrüchen oder in längeren Tunneln. Davor will der Verkehr auch gerne mal per Ampel geregelt werden, was zu einigen Wartezeiten dortselbst führt. Die ohne Licht und ohne vorgeschriebene Warnweste gemütlich durch die unbeleuchteten Tunnel radelnden Touristen bringen ihre ganz eigene Würze in die Verkehrssituation.

Also schnell diesen Pfuhl des Entnervtseins verlassen und nach links oben in Richtung Tennosee gefahren. Endlich wieder Landschaft, gute Luft und viel weniger Verkehr.

Der Tennosee gilt als Italiens sauberster See. Er ist klein und liegt malerisch zwischen den begrenzenden Hügeln. Ein großer Parkplatz mit entsprechend viel Betrieb muss allerdings auch hier sein. Die Straße hierher schlängelt sich serpentinenreich an den Hängen entlang und ist sehr schön zu fahren. Ein paar sehr eilige Motorradfahrer waren zwar hochtourig unterwegs, der Idylle jedoch nicht zuträglich.

Die letzten paar Kilometer bis nach Sarche führten mich noch kurvenreich durch grandioses Berg- und Talpanorama. Das macht richtig Laune und Lust auf das, was noch kommt.