Durrës - Dobra Voda

Die Nacht war, trotz meiner Befürchtungen wegen des gestrigen Abendessens, ruhig verlaufen. So konnte ich mich bereits gegen 9:00 Uhr auf den Weg machen, denn ich wollte aus Durrës weg sein, wenn der schlimmste Verkehr beginnt. Das klappte auch einigermaßen gut.

Ich fuhr also zunächst durch die Ebene auf den nächsten Gebirgszug zu. Krujë mit seiner Festung war mein Ziel.

Wie erwartet stieg die Zahl der Reisebusse, je näher ich der Stadt kam. Die letzten Kilometer führten durch ein Kiefernwäldchen mit viel Schatten, unterbrochen von ein paar sonnigen Lichtklecksen. Das sah zwar sehr schön aus und es roch auch gut, machte aber das Erkennen des Fahrbahnzustands quasi unmöglich. Entsprechend hoppelte ich streckenweise durch die Gegend.

Mein Motorrad stellte ich unterhalb der Festung auf einem kleinen Parkplatz ab, wo ich mit einem Autochthonen ins Gespräch kam. Es stellte sich heraus, dass er in Deutschland gelebt hatte und sogar die Stadt Mainz kannte. Wir unterhielten uns eine Weile, bevor er mit seinen Mäharbeiten weitermachen musste.

Von Krujë aus ging es dann in Richtung Shkodër, nachdem ich wieder von dem kleinen Gebirgszug herunter in die Ebene gefahren war. Die Straße in Richtung dieser regional bedeutenden Stadt war sehr stark befahren, aber es ging einigermaßen vorwärts.

Bevor ich allerdings auf diese ausgebaute Landstraße kam, musste ich noch ein wenig querfeldein über kleine und kleinste Straßen navigieren.

Der Knaller war, dass die Auffahrt auf die Landstraße gar nicht mehr existierte. Was tun? Ich fuhr ein paarmal im Kreis, orientierte mich. Zwei Herren, die unter der Brücke in ein Gespräch über Obst und Gemüse vertieft waren, begannen sich bereits zu wundern, weil ich mindestens vier mal an ihnen vorbeigefahren bin. Die Auffahrt auf die Schnellstraße in Gegenrichtung gab es, so dass ich diese einfach hinauf fuhr und verbotenerweise einen U-Turn machte, um in die richtige Richtung fahren zu können.

Weil ich früh dran war und noch viel Zeit hatte, machte ich an einer Raststätte noch mal Pause. Dort traf ich zwei Schweizer Motorradfahrer aus dem Thurgau und wir unterhielten uns kurz und angelegentlich. Sie schienen mir leicht desorientiert, denn auf meine Frage, ob sie auf dem Nachhauseweg sein, konnten sie nicht so richtig antworten. Irgendwie schon, sagten sie. Aber irgendwie auch wieder nicht. Tolle Information!

Dann endlich ein Blick auf Shkodër geworfen und trotz des lebhaften Verkehrs ein paar schnelle Bilder gemacht. Es sieht sehr schön dort aus, allerdings war es mir ehrlich gesagt, zu hektisch, weil ich ständig nach allen Seiten hin aufmerksam sein musste, damit ich mich erstens nicht verfuhr und zweitens keinen Unfall baute.

Von Shkodër ging es dann noch ein paar Kilometer in Richtung montenegrinische Grenze. Die Grenzkontrolle war simpel und schnell erledigt. Endlich wieder in Euroland. Keine fremden Währungen mehr und keine Umrechnung.

Mein erster Eindruck von Montenegro war, trotz der Moscheen und Minarette, dass es etwas weniger orientalisch als Albanien wirkt.

Bisher hatte es der Navigationsgott ja gut mit mir gemeint. Nun aber wurde die Fahrerei doch etwas anders. Auf Nebenstraßen, die kaum diesen Namen verdienen, juckelte ich in aller Gemütsruhe mit 40 km/h durch die Landschaft. Das Grinsen darüber wollte gar nicht aus meinem Gesicht weichen. Das war so herrlich. Ganz gemütlich durch die schöne Gegend tuckern und es gar nicht eilig haben. Die 15 km auf diesen Straßen zogen sich in die Länge, und am Ende dachte ich mir: So hätte ich noch einen halben Tag weiter fahren können.

Aber wie wir wissen: Alles hat ein Ende nur die … und so weiter.

Schließlich landete ich wieder auf einer Umgehungsstraße, der ich noch drei Kilometer folgen sollte, um dann rechts abzubiegen. An der Stelle, an der ich rechts fahren sollte, sah ich keine Straße und keinen Weg. Dann entdeckte ich ganz groß das Schild zu meinem „Hotel R“, das genau in die Richtung deutete wie auch der Pfeil auf meinem Navigationsgerät. Also näherte ich mich auf dem Standstreifen vorsichtig dem Schild und siehe da: Es gab so etwas wie einen Zufahrtsweg. Schwer zu beschreiben, denn er besteht aus Anhäufungen von Beton, die anscheinend mit Eimern irgendwie notdürftig über die Erde gekippt worden waren. –Und das sollte die Hotelzufahrt sein? War sie.

Ich bremste mich den steilen Abhang auf diesem Holperpfad hinab und stand nach 900 m vor meinem Hotel. Soweit ich erkennen konnte, ist das die einzige Zufahrt. Das bedeutet, ich muss diesen Weg morgen früh wieder rauf fahren. Na, das wird ein Spaß werden!

Gestern ist ja bereits die dritte Woche meiner Reise zu Ende gegangen. So langsam füllt sich meine hölzerne Festplatte. Die vielen Eindrücke und Erlebnisse wollen natürlich nicht nur verarbeitet, sondern auch abgespeichert werden. Da fällt es manchmal echt schwer, sich an die Dinge zu erinnern und dann auch noch die richtige Reihenfolge einzuhalten.

Ein Beispiel dafür ist Deutsch-Color. Deren aufdringliche Werbung hat mich durch ganz Albanien verfolgt, über all die Tage. Immer wieder diese gelben Bandenwerbungen an Brücken, Gebäuden und so weiter. Deutsch-Color – Kunststofffarbe für Innen. Noch nie im Leben hatte ich von diesem Zeug gehört. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass sich in Deutschland jemand diesen Kram an die Wände schmiert. Kunststofffarbe! Igitt! Obwohl, man kennt ja die Geschichte von den Pferden und den Apotheken. Insbesondere wurde das Produkt Picasso C-35 beworben. Also entweder, das Zeug verkauft sich überhaupt nicht, und man muss trommeln wie blöde. Oder aber es ist billig in der Herstellung und teuer im Verkauf.

Wie auch immer: Picasso C-35, du machst mein Albanien-Erlebnis eine Spur bunter.