Dobra Voda - Trebinje

Lustig. Manche Dinge sehen am nächsten Morgen gar nicht mehr so schlimm aus wie sie am Abend vorher noch erschienen. So auch der Aufstieg über die 900 m Betonbuckelpiste gegen 9:00 Uhr heute morgen. Vielleicht lag es an dem Frühstück mit Donut, das ich noch mit Blick aufs Meer genossen habe.

Ich fuhr also die Küstenstraße entlang über Bar und Budva, beides kleine Touristenzentren. Immer mal wieder erhaschte ich einen Blick auf das Meer.

An Sveti Stefan, einer der Küste vorgelagerten Insel, kam ich auch vorbei, machte ein kurzes Päuschen mit einer Cola in der Sonne und amüsierte mich über die Touris. Also irgendwie auch über mich selbst.

Ein letzter Blick über Landschaft und Meer, und schon ging es nach rechts in die Berge. Den Ausblick hatte ich von einem dieser Parkplätze am Rande der Straße, von denen bereits die Rede war. Dieser war sogar vergleichsweise sauber und ordentlich. Einladend ist jedoch anders.

Über schön zu fahrende Landstraßen kam ich dann nach Cetinje. Das ist ein Städtchen im Gebirge und machte einen netten Eindruck. Die zweifellos vorhandenen Sehenswürdigkeiten schonk ich mir. Ich hatte ja noch weitere Stopps auf dem Plan für heute.

Je näher ich dem Lovćen Nationalpark kam, umso grüner wurde die Landschaft und umso schmaler wurden die Straßen. Reifen rund fahren war natürlich auch wieder angesagt. Die drei Euro für die Durchfahrterlaubnis zahlte ich gerne am Gebührenhäuschen. Die sind für den Unter- und Erhalt des Nationalparks gut investiert.

Die Landschaft war mal wieder atemberaubend. Ich hätte an jeder Ecke stehen bleiben können, um ein Foto zu machen. Aber dafür war ich ja nicht hergekommen. Ich brummelte mit 50 km/h durch die Gegend und bekam den Mund nicht mehr zu vor lauter Staunen.

Um all diese Eindrücke erst mal sacken zu lassen, machte ich eine Kaffeepause in einem dieser winzigen Etablissements am Straßenrand. 2,80€ für einen Espresso und eine Flasche Wasser gab meine Reisekasse gerade noch her. Und wie überall gab‘s natürlich ordentlich was auf die Ohren, schlagermäßig.

Auf der weiteren Fahrt Richtung Kótor hatte ich dann den WOW-Moment. Hinter einer langgezogenen Rechtskurve lauerte der Blick über die Bucht von Kótor. Nach Luft schnappend musste ich erst mal anhalten und mir das genauer ansehen. Puh! Ein Wahnsinnspanorama. Leider war es wegen der Hitze schon etwas dunstig, aber das tat dem Gesamtbild keinen Abbruch.

Nachdem ich mich wieder gesammelt hatte fuhr ich die 15 Kilometer durch die berühmten Serpentinen von Kótor hinab gen Meeresufer. Mit respektvollen 30 km/h und manchmal auch nur im Leerlauf zwischen den 180° Kurven ging es eine gute Dreiviertelstunde abwärts. Immer wieder kam es zu Staus, weil Reisebusse und PKWs nicht aneinander vorbei passen. Mit dem Zweirad gibt es in solchen Fällen immer wieder Lösungen (ich erinnere an die Chuzpe im Kreisverkehr), sodass die Damen und Herren gerne stauen durften. Mich perforierte das nur tangential. Aber ein bisschen Schadenfreude war schon dabei. Nananananaahnaah! 🎶🤥😎

Hinter einer Linkskurve weiter unten bemerkte ich im Augenwinkel eine bekannte Motorradsilhouette. Schnell hielt ich rechts an und wunk den Leuten. Es handelte sich um ein Ehepaar aus Halle an der Saale, dass doch tatsächlich mit dem gleichen Motorrad (in der Tourenversion mit Doppelsitzbank, Sturzbügeln und Windschutzscheibe) wie ich unterwegs war. Allerdings hatten sie den bequemeren Weg gewählt. Sie erzählten mir nämlich, dass sie das Motorrad in ihrem Wohnmobil transportieren und lokal immer nur Spritztouren damit unternehmen. Wir unterhielten uns ein wenig, machten ein paar Bilder und verabschiedeten uns dann freundlich mit den üblichen Wünschen.

Durch Kótor hindurch, ein Touristenzentrum sondershausen, in dem auch der eine oder andere soziale Brennpunkt zu Wasser (aka Kreuzfahrtschiff) anlegt. Weiter über Perast, bis zum anderen Ende der Bucht, ging es gemütlich mit 50 km/h in einer langen Schlange hinter einem Betonlaster her.

Nun waren es nur noch wenige Kilometer bis zu meinem Ziel. Der Grenzübertritt verlief problemlos und ohne größere Wartezeiten. Allerdings wurde die Straße, die bislang sehr gut war, direkt hinter der Grenze zu einer geflickten und buckligen Betonpiste.

Im Hotel Jazina angekommen, wusch ich mir erst einmal kräftig mein Gesicht mit Wasser und Seife. Trotzdem sei mein Handtuch danach noch ziemlich schlimm aus. Der Straßenstaub und die Dieselabgase hatten ihre Spuren hinterlassen. Da möchte ich nicht wissen, wie es in meiner Lunge aussieht. Wahrscheinlich ähnlich wie in der eines Kohlekumpels aus dem Ruhrgebiet. Ein grünes Netzhemd werde ich trotzdem nicht tragen und auch keine Tauben züchten.

Der Blick von meinem Balkon offerierte mir eine durchaus akzeptable Alternative zum Meerblick. Wasser gibt’s hier auch in Hülle und Fülle, allerdings Süß-.