Bihać - Lovran
What a night!
Der nächste Punkt auf meiner Liste von „places not to miss“ waren die Seen in Plitvička Jezera, die Plitwitzer Seen. Wieder Winnetou und so. Und wieder völlig überlaufen. Diesmal waren es 23(!) Reisebusse mit Japanern. Solche Anlaufpunkte kann und sollte ich mir in Zukunft sparen. Man sieht nur Hinterköpfe und in die Luft gereckte Smartphones. Idiotenzepter (aka Selfiesticks) sind zwar heutzutage seltener geworden, werden jedoch bei solchen Gelegenheiten noch in durchaus beträchtlicher Zahl gesichtet.
Nach der sehr unruhigen Nacht ein weiterer Tiefpunkt. Am Vorabend war nämlich ein Bus mit einer ägyptischen Reisegruppe in meinem Hotel eingetroffen. Die rückten die halbe Nacht Möbel und führten ihre Videoanrufe bevorzugt in den Fluren vor den Zimmern. Ein paarmal bin ich schweißgebadet aufgewacht. Das WLAN des Hotels ging, wahrscheinlich ebenso schweißgebadet wie ich, permanent auf Tauchstation.
Die Seen, die ich nicht gesehen hatte, hinter mir lassend fuhr ich durch den wunderschönen Nationalpark. Die Straße ist gut ausgebaut und ich konnte gemütlich links und rechts schauend viele Kilometer weit fahren. Es gibt hier so viele Grüntöne in der Natur. Eigentlich unglaublich.
Die Täler liegen so friedlich zwischen den Anhöhen, im Wald riecht es nach Nadelbäumen, dazwischen nach Kräutern und frisch gemähtem Gras. Die Luft ist angenehm temperiert, der Motor schnurrt vor sich hin. Herrlich. Und dann wieder das Meer, das urplötzlich hinter einer Kuppe auftaucht.
Nach dem Ausflug durch‘s Gebüsch nun also wieder Jadranska Magistrala. Am Meer entlang über Rijeka nach Istrien und in die Kvarner Bucht. Auf dem Weg dahin machte ich eine ordentliche Mittagspause und gönnte mir „Bolonjeze“ und eine Cola in einer Taverne am Straßenrand, in der sonst nur Einheimische verkehrten. Karge Romantik pur.
In Lovran wollte ich mich eigentlich mit meiner früheren Kommilitonin Heike treffen, die hier eine Wohnung hat. Leider klappte das bei ihr terminlich nicht. Schön ist es trotzdem, wenn auch sehr touristisch.
Die gesamte Ortschaft drängt sich zwischen Hügel und Meer. Und auch hier ist das Wasser tiefblau. Was die Herren Angler fangen kommt abends direkt auf den Tisch. Einen von denen (also von den Fischen, nicht den Anglern) habe ich mir ausgesucht. Das erinnerte mich an das Restaurant im Hôtel de la Tour in Sanary-sur-Mer vor vielen Jahren. Der Kellner damals zauberte sozusagen aus seiner Hosentasche einen Fisch, den wir auch später verspeisten.
Im Lichte der untergehenden Sonne aß ich zu Abend und genoss das Essen, den Wein und die Stimmung. Fühlt sich an wie Urlaub.
Morgen habe ich den ganzen Tag hier zur Verfügung. Da wird es wohl noch ein bisschen entspannter.