Belgrad - Kraljevo

Abfahrt im Aquapark um 10:30 Uhr. Jetzt bin ich schon seit einer Woche unterwegs. Kaum zu glauben. Und ganze vier Wochen liegen noch vor mir. Trotz der schlimmen Fahrerei durch Regen und Gewitter, die ungefähr die Hälfte meiner bisherigen Reise ausmacht, freue ich mich jede Minute über diesen Trip.

Ich ließ es also ganz gemütlich angehen, weil ich ja heute nur gute 200 km zu fahren habe. Das Zimmer im Aqua Park ist zwar groß gewesen, aber doch schon ziemlich heruntergekommen, und in der Dusche gab es schwarze Schimmelränder. Insgesamt, auch, was das Frühstück anbelangt, eher Jugendherbergsqualität. Die zahlreichen Wasserrutschen und alle anderen Vergnügungen, die insbesondere für Kinder interessant sind, habe ich mir erspart.

Ich fuhr also ganz gemütlich zunächst mal nach Belgrad, um mir die Festung dort anzuschauen. Das Wetter hatte sich entscheidend gebessert, blauer Himmel mit weißen Wölkchen, und die Temperatur stieg auf etwa 26°.

Dem irren Stadtverkehr in Belgrad entkommen fuhr ich Richtung Süden. Die Landschaft war gegenüber dem nördlichen Teil Serbiens, den ich gestern durchfahren hatte, doch einigermaßen verändert. Es gab wesentlich mehr Hügel, teils auch Berge, und ich fuhr durch einen Naturpark entlang der „Route des Vins“, wie der Franzose sagen würde. Die Landschaft war fast schon als voralpin zu bezeichnen, und ich bollerte gemütlich mit 70 km/h über die kurvigen Landstraßen.

Was mir unterwegs immer wieder auffiel war die doch sehr deutliche Aufteilung der Fortbewegung. Die Jungs knattern mit ihren stinkenden und qualmenden Zweitaktern durch die Gegend, die Männer fahren im Auto, die Frauen und Mädchen sind entweder zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs. Manche Omi erledigte ihre Einkäufe sogar mit der Schubkarre. Das gilt natürlich nur für die Landbevölkerung. In der Stadt sieht es völlig anders aus.

In Kraljevo angekommen musste ich mich erst einmal durch das Gewirr der Einbahnstraßen bis zum Hotel durchschlagen. Das Wetter scheint zu halten, das zumindest behauptet die App. Wird auch langsam Zeit.

Heute beginnt die Fußballeuropameisterschaft 2024 mit dem Eröffnungsspiel Deutschland gegen Schottland um 21:00 Uhr. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mir das antun werde.

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich mir eine kleine Flasche Heineken aus der Minibar gegönnt. Bier gibt es hier leider keines (die Geschichte von Heineken, Tuborg und Guinness ist ja bekannt).